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Der Ton macht das Spiel: Das sind die Fangesänge der 2. Liga

Was Fußballfans in der 2. Liga so alles singen – ein Streifzug durch die Welt der Vereinshymnen

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Fußball und Singen: Dass das nicht unbedingt eine Liebesheirat ist, wissen wir seit Franz Beckenbauer („Gute Freunde“, „1:0 für unsre Liebe“), allerspätestens aber seit Gerd Müller („Dann macht es bumm, ja und dann kracht’s“).

Wer nicht immer den richtigen Ton trifft, tut gut daran, sich im Kollektiv zu vermengen, wo die Scham der mangelhaften Sangeskunst durch das Prinzip der Masse kaschiert werden kann.

Ungeniert den Mund zum Singen öffnen

So ist das auch bei den Fans im Stadion. Seit wann sie singen, ist nicht ganz klar. Erstaunlich aber ist, dass Personen, die sich einst vor dem schulischen Notensingen mit fadenscheinigen Gründen ins Klo abseilten, im Stadionrund ungeniert den Mund öffnen, um möglichst unfallfrei einer Melodie zu folgen.

Der Musikwissenschaftler Günther Rötter hat einmal gegenüber der ARD erklärt, dass das Fanlied mit Strophe und Refrain die höchste Stufe der geordneten Geräuscherzeugung am Spielfeldrand darstelle. Dabei sei es wichtig, dass das Lied musikalisch nicht allzu komplex ist. Vor allem der Refrain müsse einen leicht und schnell erlernbaren Text haben.

2. Liga: Jeder Verein hat mindestens eine Hymne

In der 2. Bundesliga, seit drei Jahren sportliche Heimat des 1. FC Heidenheim, hat jeder Verein mindestens eine Hymne. Und alle erfüllen sie die genannten Kriterien der wissenschaftlichen Fanlied-Untersuchungen: leicht zu lernen, einfacher Text, eingängiger Refrain. Vor allem: Es gibt nichts Besseres auf der Welt als den eigenen Klub.

Ein kleiner Streifzug durch die Welt der Lieder

Auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ist eines der bekanntesten Nostalgie-Lieder deutscher Fußball-Geschichte beheimatet: Das Lied von der Walter-Mannschaft.

Fritz und Ottmar, beide 1954 Weltmeister, spielen die erste Geige in diesem Klassiker – und zum Glück reimt sich spitz auf Fritz, wobei wir wissen, dass der „alte Fritz“ ja nie ein Spitzkicker war.

Abstoß vom Tor,

Fahrer am Ball, („Tempo Fahrer!")

gibt ihn schön vor,

Achtung, jetzt gibt's nen Knall!

Denn die Baß, die hat's schon spitz,

schiebt zum Ottmar, der zum Fritz,

und kein Gegner weiß wohin.

Denn der Fritz schon wieder springt,

dass der Jubel laut erklingt,

ein Schuss, ein Schrei, und Tor!

Der deutsche Fußballmeister,

heißt 1. FCK,

bei jedem Spiel beweist er,

das dies zu Recht geschah.

Der Jubel tönt vom Betzenberg,

hinaus in jedes Land,

die Waltermannschaft,

ist heut' überall bekannt!

Heutzutage singt es sich ein bisschen anders in Kaiserslautern, aber auch nicht sonderlich origineller. Nur mal ein Blick auf den Refrain des „Betze-Liedes“ – au Backe:

Olé Olé, Olé Ola,

der FCK ist wieder da!

Olé Olé, Olé Ola,

die roten Teufel sind ganz wunderbar!

Von Südwest nach Fernost der Republik. Das sächsische Aue im Erzgebirge hat sozusagen eine unterirdische Hymne. In der Bergbau-Stadt hält man es mit der Tradition und singt, als sei noch Schicht im Schacht, was des Bergbauers Herz bewegt und dem neutralen Zuschauer Gänsehaut beschert.

Das Steigerlied ist ein altes Volkslied, seine Ursprünge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Und es wird nicht nur bei Heimspielen von Erzgebirge Aue, sondern auch bei Heimspielen von Rot-Weiss Essen und Schalke 04 sowie Parteitagen der SPD lauthals skandiert.

Am liebsten würde man dazu strammstehen. Zwei Strophen als Kostproben – und dann ab in die Tiefe:

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.

Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,

schon angezünd't

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,

dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,

Glück auf, Glück auf!

Was ganz anderes: St. Pauli. Berüchtigtes Hamburger Stadtviertel mit linksorientiertem, intellektuell durchwirkten Publikum, das sich vor und nach dem Spiel an veganen Pommes-Buden ernährt.

Auf St. Pauli wird nicht nur die Mannschaft besungen, sondern auch der Trainer: Ewald Lienen, bekannt als „Zettel-Ewald“, weil er sich immer Notizen während des Spieles macht. Der „Zettel-Ewald“ ist jetzt dort Sportlicher Leiter, aber die Hymne von Niels Frevert & Fettes Brot wird ihm bleiben:

Oh Oh Oooh!

Sankt Pauli hat sich einen neuen Trainer gesucht.

Oh Oh Oooh!

Die Taschen voller Zettel – und schon läuft’s wieder gut.

Ewald Lienen, es reicht, wenn wir …

auf Platz 15 stehn.

Ewald Lienen, wenn’s mehr wär …,

könnt ich eh nicht mit umgehn.

Ewald Lienen, ich lass mich falln …

und du fängst mich auf.

Du bist einfach da, wenn man dich …

wirklich braucht!

Das wohl berühmteste Lied in der 2. Liga wird im Berliner Osten angestimmt – und zwar von Nina Hagen. Schrill wie die Dame ist die Hymne über „Eisern Union“, gegnerische Mannschaften haben danach die Hosen voll, Unioner regelmäßig Pippi in den Augen.

Wir aus dem Osten geh'n immer nach vorn,

Schulter an Schulter für Eisern Union.

Hart sind die Zeiten und hart ist das Team,

darum siegen wir mit Eisern Union.

Eisern Union.

Immer wieder Eisern Union.

Immer weiter ganz nach vorn.

Immer weiter mit Eisern Union.

Wer spielt immer volles Rohr?

Eisern Union, Eisern Union.

Wer schießt gern ein Extra-Tor?

Eisern Union, Eisern Union.

Wer lässt Ball und Gegner laufen?

Eisern Union, Eisern Union.

Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?

Eisern Union, Eisern Union.

Bevor Nina Hagen die „Eisernen“ mit ihrer Röhre beglückte, hat übrigens die DDR-Band „Puhdys“ eine Union-Hymne getextet, wohl mit Unterstützung des Politbüros im Arbeiter- und Bauernstaat.

Das Lied mit dem Inhalt „Ihr Name ist Legende, Legende ohne Ende. Rot-Weiß Powerteam. Unter der Sonne von Berlin", kam nicht so gut an. Angeblich soll sogar ein Stadionsprecher gefeuert worden sein, weil er sich hartnäckig weigerte, die Puhdys zu spielen.

Eine interessante Geschichte umrankt auch das Vereinslied von Darmstadt 98, das den Titel trägt „Die Sonne scheint“, aber auch gesungen wird, wenn es am Böllenfalltor mal regnet.

Alberto Colucci soll das Lied 1986 als WM-Song für die deutsche Nationalmannschaft verfasst haben. Damals hieß der Text „Go, go, go, to Mexiko“. Doch dann grätschte Schlager-Ikone Peter Alexander dazwischen und das DFB-Team sang „Mexiko mi amor“.

Die damals bei Darmstadt spielenden Bruno Labbadia und Bernhard Trares hätten sich dann dafür stark gemacht, aus dem durchgefallenen WM-Lied ein Lied für die „Lilien“ zu machen. Angeblich ist Labbadia in der Studioaufnahme auch im Hintergrundchor zu hören. Man beachte vor allem die Passage mit „Oh Lilie, oh Lilie, oh Lilie, ohohoho!“ Besser hätte es auch Goethe nicht hingekriegt.

Die Sonne scheint, die Menge tobt und wartet auf ein Lilientor, ole, ole, ola!

Die Sonne scheint, die Spieler sind alle bereit, es ist soweit, ole, ole, ola!

Oh Lilie, Oh Lilie, Oh Lilie, ohohoh! Oh Lilie, Oh Lilie, Oh Lilie, ohohoh!

Tor, Tor, Tor, Lilien vor, vor, vor, vor, schießt ein Tor, Tor, Tor, Lilien voooooooooooooooooooooooooooooooor!

Begriffe wie Oh, oh oder Ole, ola sind übrigens gängige Formulierungen im Reigen der Zweitliga-Vereinslieder.

Fortuna Düsseldorf, immerhin 1933 deutscher Meister, war bezüglich des Textes besonders kreativ. Der Übergang vom Ole zum Allez ist schmerzfrei bewältigt worden, weil am karnevalsträchtigen Niederrhein im Grunde eh egal ist, was man singt:

Allez, allez, allez – ooo-hoo-ho,

Allez, allez, allez – ooo-hoo-ho,

Düsseldorfer Juuungs, schießt ein Tor für uuuns.

Ein paar Kilometer weiter Richtung Ruhrgebiet, in Bochum, schert man sich derweil nicht um die alte Streitfrage, ob sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde dreht, sondern setzt zugunsten des VfL physikalische Gesetze des Universums singend einfach außer Kraft:

Wenn die Erde sich mal nicht mehr dreht, werden wir gemeinsam weitergehen VfL, mein Herz schlägt nur für Dich. Wir werden immer zu Dir stehen, VfL, mein VfL!

In Duisburg wiederum beschwört man die Tradition, denkt an alte Kämpen wie „Enatz“ Dietz, „Eia“ Krämer und „Boss“ Rahn.

In gestreiften Zebra-Trikots ist der dauerhafte Erfolg zwar schon lange nicht mehr beheimatet, aber an der Wedau tröstet man sich mit dem Zauber der Erkenntnis, dass jedem Abpfiff ein neuer Anpfiff innewohnt:

Dietz, Krämer, Rahn,

das war damals, als alles begann.

Noch immer fängt das Spiel von vorne an.

Nur für Einheimische geeignet ist die Hymne der SpVgg Greuther Fürth. Sie trägt den Titel „Färdder Straße“ und kommt komplett fränkisch daher.

Beachten: Der Verszeilen-Übergang wird zwar „tätärä“geschrieben, aber „dädärä“ gesungen.

Und dann gemma mit Gesang, tätärä,

auf der Färdder Straß entlang, tätärä,

und die Kutschn lou mer rutschn, tätärä,

auf der Färdder Straß entlang, tätärä.

Das wir vom Ronhof sind, hallihallo,

das weiß ein jedes Kind hallihallo,

wir reißen Bäume aus,

wo keine sind,

und die Fahne weht im Wind,

und das Kleeblatt Fürth gewinnt.

Beim benachbarten und von Fürth ungeliebten „Club“ in Nürnberg hätte man nach der letzten von insgesamt neun deutschen Meisterschaften (1968) die Zeit sicher gerne angehalten. Stattdessen - allmächd! - ist in der Stadt von Uhrmacher-Pionier Peter Heinlein eine Sekunde auch nicht mehr das, was sie einmal war – glaubt man den dortigen Stadion-Gesängen.

Die Uhren laufen schneller, die Zeit sie bleibt nicht stehen,

der Weg führt in die Zukunft, so vieles wird gescheh´n.

Ein Fels in wilder Brandung, ist unser FCN.

Sein Stern, er wird für immer am Fußballhimmel steh’n.

Die Zeit spielt auch bei Arminia Bielefeld eine gewisse Rolle. Das überrascht nicht, denn die Ostwestfalen waren 1971 wie kein anderer Verein in den Bundesliga-Bestechungsskandal verwickelt und mussten im Folgejahr mit null Punkten zwangsabsteigen.

Seitdem hofft man auf bessere Zeiten - und singt sie etwas krampfhaft herbei, obwohl in den vergangenen Jahren selten mehr drin war als der nackte Zweitliga-Abstiegskampf.

Die Zeit ist reif jetzt aufzudrehen,

die Zeit ist reif unsern Weg zu gehen,

gib nicht auf, lass uns gemeinsam in die Zukunft sehn.

„Schanzerherz“ heißt der Liedtitel beim FC Ingolstadt. Es geht dabei auch um 11 Freunde.

Kein Wunder, dass die Zeitschrift „11 Freunde“ hin und weg war und die Hymne überschwänglich lobte: „Wer sich nach mehrmaligen Hören nicht auch als Schanzer bezeichnet, muss von einem anderen Planeten kommen.“ Die Kollegen haben da aber möglicherweise etwas missverstanden.

Der Weg war lang doch jetzt sind wir daheim,

was für uns zählt - elf Freunde müsst ihr sein.

Wir kämpfen für die Ehre - für unseren Verein,

ein Schanzerherz schlägt niemals mehr allein.

Nicht die Zahl 11, sondern die 12 steht hingegen bei Dynamo Dresden im Mittelpunkt. Und die Tore werden in der Sachsen-Metropole offenbar weniger auf dem Rasen als vielmehr auf der Tribüne erzielt, mit Stimmen statt mit Beinen.

Wir sind der 12. Mann, auf uns kommt's heute an,

und alle singen mit und schrein,

so drücken wir den Ball hinein!

Aufsteiger Holstein Kiel bringt stimmlich gesehen viel Fahrtwind von der Küste mit aufs Festland. Das Wappentier ist der Storch, der wiederum an der Förde keine Babys bringen soll, sondern Punkte. Ein Gerücht ist, dass die Kieler Störche ihre Hymne lieber klappern als singen.

Wir alle hier zusammen

sind die KSV.

Störche fliegen nie allein,

hör auf dein Herz,

dann spürst du's genau.

Aufsteiger Jahn Regensburg hat seine Liebeserklärung an den Klub von der Prüfeninger Straße 1983 von der damaligen Bayernliga-Mannschaft im Studio einsingen lassen.

Einer der Spieler von anno Tobak, Mittelfeldmann Alois Kindler, war einmal Chorknabe bei den Regensburger Domspatzen. Folgerichtig übernahm er den Leadgesang fürs Liebeslied. Trotzdem trieft es reichlich.

Wir lieben den SSV Jahn, immerzu und jederzeit,

wir lieben den SSV Jahn, und lieben ihn jeden Tag aufs Neue.

Der SV Sandhausen hat seiner Hymne zufolge eine Mannschaft, die gegnerischen Teams freundlich Hallo sagt, um sie am Ende deprimiert heimzuschicken. Mal ehrlich: Soll man da noch hinfahren?

Jede Mannschaft ist am Hardtwald stets willkommen.

Alle Gegner sind mal wieder gern gesehn.

Doch die Punkte werden von uns eingenommen,

bevor sie wieder nach Hause gehn.

Bleibt zum Schluss eine Frage, die wohl nie geklärt wird? Was sind die schönsten Vereinsfarben der Welt? Bei Eintracht Braunschweig beantwortet man das so:

Zwischen Harz und Heideland,

gibt’s nen Klub, der ist bekannt,

in den Farben blau und gelb,

den schönsten Farben auf der Welt.

Nun ja, da zumindest werden die Fans des 1. FC Heidenheim deutlich widersprechen:

FC Heidenheim,

deine Farben weiß, rot, blau,

sie blüh’n in meinem Herzen,

das weiß ich ganz genau.

Saisonauftakt: Wie sich der 1. FC Heidenheim in den vergangenen Jahren zum Start der Saison geschlagen hat, lesen Sie hier. 

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1. FC Heidenheim

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