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FCH: Aufgeben ist für Maximilian Thiel jetzt keine Option mehr

Der FCH-Neuzugang fand sich zuletzt immer besser zurecht, dabei liegt ein regelrechtes Seuchenjahr hinter dem Linksfuß, der sich für 2018 einiges vorgenommen hat.

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Es läuft momentan bei Maximilian Thiel, der hier sein erstes Saisontor für den FCH im Heimspiel gegen Aue bejubelt. Seit dem 5:2-Pokalsieg in Regensburg, wo ihm zwei Treffer gelangen, stand der Neuzugang aus Berlin stets in der Startelf.  Foto: 

Der 24-jährige Maximilian Thiel, im Sommer von Union Berlin gekommen, ist so etwas wie der personifizierte Positiv-Trend beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Zeitgleich mit seinem Klub gelang auch dem gebürtigen Altöttinger die Wende zum Guten. Zwei Tore steuerte er zum 5:2-Sieg im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg bei, ein weiteres bereitete er vor. Seitdem hat der FCH in fünf Liga-Spielen nicht mehr verloren, holte 13 Punkte, und Thiel stand dabei jedes Mal in der Startelf, steigerte sich von Spiel zu Spiel. Doch bei 100 Prozent ist der Oberbayer nach eigener Einschätzung noch nicht angekommen, nachdem ihn das Verletzungspech zuvor anderthalb Jahre lang verfolgt hatte.

Maxi Thiel, wie wichtig war das DFB-Pokalspiel in Regensburg für Sie? Würden Sie es als persönlichen Wendepunkt bezeichnen?

Es war auf jeden Fall ein besonderes Spiel für mich, irgendwie ein verrücktes Spiel. Meine ganze Familie saß auf der Tribüne, und natürlich freut man sich, wenn es dann persönlich so gut läuft. Aber für mich stand zuallererst der mannschaftliche Erfolg im Vordergrund. Wir konnten den Schwung aus diesem Spiel in den Liga-Betrieb mitnehmen.

Sie kamen im Sommer dieses Jahres neu zum FCH, von Union Berlin, einem Verein, der fast in die Bundesliga aufgestiegen wäre – und plötzlich befanden Sie sich in Heidenheim im Zweitliga-Abstiegskampf. Haben Sie so etwas überhaupt schon einmal erlebt?

Als ich damals zu Union Berlin kam, war die Situation ähnlich. Ende August standen wir auf Platz 15. Und ähnlich wie hier in Heidenheim hatten wir uns im Oktober/November gefangen. Ich wusste aus der Erfahrung: Solche Startphasen sind Alarmzeichen, an denen man erkennen kann, dass es nicht jedes Jahr von selbst so läuft wie man es gerne hätte.

In Heidenheim war das für die ganze Mannschaft im Grunde eine neue Situation. Aber wir haben sie angenommen – und nach vielen Gesprächen und Überlegungen wurden dann auch wieder gute Ergebnisse eingefahren. Wir wissen jetzt: Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir sind noch lange nicht raus aus dem Abstiegskampf.

Bevor Sie nach Heidenheim kamen, hatten Sie bei Union Berlin in der Saison 2016/17 verletzungsbedingt nur drei Kurzeinsätze absolviert – zusammen genommen nicht mal 90 Minuten. Sie sprachen von einem „Seuchenjahr“. Wie schlimm war das?

Ich habe mir eigentlich vorgenommen, solche Worte nicht mehr zu verwenden. Ich wollte ein vollkommen neues Kapitel aufschlagen, als ich nach Heidenheim wechselte und diese ganze Leidensgeschichte abhaken. Es war einfach an der Zeit für ein neues Umfeld, obwohl ich auch sehr schöne Jahre in Berlin hatte. Der FCH war meine erste Option, ich musste nicht lange überlegen. Es ist schon etwas Besonderes in diesem Geschäft, wenn man nach eineinhalbjähriger Verletzungsphase einen Zwei-Jahres-Vertrag angeboten bekommt. Das zeugt von Vertrauen.

Welche Verletzungen machten Ihnen damals zu schaffen?

2014 hatte ich einen Labrum-Abriss an der Schulter, der operiert werden musste. Dann folgten ständig Muskelverletzungen. Ich habe mir überall ärztlichen Rat geholt, war bei Medizinern in München und Kopenhagen. Man muss es sich so vorstellen: Ich war sechs Monate verletzt, dann sechs Wochen wieder im Training, dann wieder drei Monate verletzt. Und ich habe die Tage gezählt, seit ich nicht mehr spielen konnte. Wie viele es genau waren, weiß ich nicht mehr. Aber es waren über 500.

Gab es da auch Momente, in denen Sie kurz davorstanden, zu resignieren und die Profifußball-Karriere zu beenden?

Ja, die gab es. Wenn man so viele Rückschläge hinnehmen muss, dann hadert man irgendwann mit der Situation, zweifelt an sich selbst. Im Nachhinein muss ich sagen, dass solche Gedanken aber vollkommener Quatsch waren. Ich hatte bis auf die Schulter-Geschichte nur Muskelverletzungen. Und solche Blessuren heilen immer wieder aus. Ich hatte einen Sehnenriss und vier Muskelfaserrisse, also keine umfangreiche Sachen wie etwa ein Kreuzbandriss.

Was haben Sie aus dieser Leidenszeit gelernt?

Das hat mich auf jeden Fall sehr reif gemacht, sehr demütig. Ich bin froh, dass ich jetzt hier sitze, gesund bin und wieder Fußballspielen kann.

Haben Sie sich denn ein Ziel oder Limit gesetzt, als Sie nach Heidenheim kamen, wann Sie wieder fit sein wollen?

Mein generelles Ziel für das erste Halbjahr war es, einfach wieder reinzukommen – auch wenn klar ist, dass es noch dauern wird, bis ich die volle Spritzigkeit wieder habe. Das ist dann zugleich mein Ansporn für 2018: Noch besser sein! Ich will diese leidvolle Vergangenheit jetzt abhaken, dieses Alibi endgültig ausblenden.

Wenn Sie sagen, Sie sind noch nicht bei 100 Prozent: Wieviel fehlt noch bis zur vollen Fitness?

Das kann ich jetzt nicht beziffern. Ich fühle mich gut zurzeit, ich spüre, dass die Ruhe am Ball zurückkommt.

Sie haben mal über sich selbst gesagt, Ihr linker Fuß sei Ihre Waffe?

Das ist aber schon lange her, und dafür musste ich mir auch schon einiges anhören, wenn es dann nicht so lief.

Immerhin haben Sie alle drei Pflichtspieltore für Heidenheim mit dem linken Fuß erzielt.

Aber ich habe definitiv auch schon Tore mit rechts geschossen. Grundsätzlich gilt es, variabel zu sein. Je nach System wechsle ich mich mit Marc Schnatterer auf den Außenbahnen ab, wobei es natürlich einfacher ist, wenn man mit dem starken Fuß flanken kann. Deshalb war es zuletzt meist so, dass Marc auf der rechten Seite begann, ich links.

Am Samstag spielt der FCH beim Tabellen-Vorletzten SpVgg Greuther Fürth. Gegen Mannschaften, die hinten stehen, gab's kurioserweise meist schlechtere Ergebnisse als gegen Topteams. Worauf führen Sie das zurück?

Das liegt daran, dass die 2. Liga schon immer eine sehr ausgeglichene Spielklasse ist. Aber wir sollten uns an anderen Fakten orientieren: Wir haben sieben Punkte Vorsprung vor Fürth. Und diesen Vorsprung wollen wir weiter ausbauen, anschließend auch in Aue erfolgreich sein. Dann könnten wir entspannt das Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt angehen und uns noch ein schönes Weihnachtsgeschenk machen.

Ihre beiden Ex-Vereine 1. FC Köln und Union Berlin haben diese Woche jeweils ihre Trainer entlassen. Haben Sie damit gerechnet?

Im Fall von Jens Keller in Berlin war ich mehr überrascht. Aber es gab wohl doch auch eine gewisse Unzufriedenheit dort. Unter Peter Stöger habe ich im Kölner Bundesliga-Aufstiegsjahr noch trainiert. Aus meiner Sicht ein toller Trainer. Er hat mich immer respektiert, obwohl ich nicht so oft zum Einsatz kam. Aber wenn es so schlecht läuft wie in dieser Vorrunde, muss der Verein eben irgendwann auch reagieren.

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