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FCH leitet wegen beleidigendem Plakat Stadionverbots-Verfahren ein

Der FCH leitet wegen beleidigendem Plakat „all cops are bastards“ aus dem Heimspiel gegen Bielefeld Stadionverbots-Verfahren ein. 15 von 17 Verantwortlichen wurden von der Polizei identifiziert.

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Nicht erlaubt, trotzdem aufgehängt: Auf dem Plakat in der Voith-Arena werden Polizisten beleidigt.  Foto: 

Die abgelaufene Zweitliga-Saison wirkt noch nach. Während des Heimspiels des 1. FC Heidenheim gegen Arminia Bielefeld am 22. April wurde von FCH-Fans auf der Osttribüne der Voith-Arena ein Transparent mit der beleidigenden Botschaft „all cops are bastards“ präsentiert.

Ein Teil der organisierten Fanszene betont, dass es sich dabei um Meinungsfreiheit handle, was Holger Sanwald allerdings nicht akzeptiert. Der FCH-Vorstandsvorsitzende kennt dabei durchaus ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2016, in dem festgestellt wurde, dass derjenige, der sich negativ über die Polizei äußert, sich nicht automatisch strafbar macht. „Das ist hier aber gar nicht das Thema“, betont Sanwald.

Transparente müssen nämlich laut Stadionordnung vom Verein genehmigt werden – was beim betreffenden nicht der Fall gewesen sei. Die organisierte Fanszene sei im Vorfeld darauf mehrmals aufmerksam gemacht worden. Letztlich wurde das Banner trotzdem gezeigt – und damit gegen die Stadionordnung verstoßen.

„Ich kann es mir nur so erklären, dass denjenigen nicht bewusst war, was sie gemacht haben“, sagt Sanwald. Es sei nämlich ein großer Fehler das Stadion als rechtsfreien Raum zu betrachten. „Es gibt einen Rahmen, den unsere Satzung und die Stadionordnung vorgeben.“ Wer sich nicht an die „Spielregeln“ halte, den wolle der FCH auch nicht im Stadion haben.

Kameras überführen Fans

„Unser Verein steht für Toleranz, Weltoffenheit und Familienerlebnis. Wir wollen nicht, dass irgend jemand in unserem Stadion diskriminiert oder beleidigt wird“, macht Sanwald deutlich. 99 Prozent der Stadionbesucher sehen das auch so, ist sich der Vorstandsvorsitzende sicher. „Und die können sich darauf verlassen, dass die Vereinsführung gegen Verstöße vorgehen wird. Egal gegen wen, ob Fans oder Sponsoren. Es kann sich niemand größer machen, als das, wofür der Verein steht.“

17 Fans sollen daran beteiligt gewesen sein, das beleidigende Banner aufzuhängen. 15 von ihnen habe die Polizei dank Kameraüberwachung „eindeutig“ identifizieren können. Dem FCH liegen inzwischen Namen und Adressen vor, zudem habe die Polizei dem Verein Stadionverbots-Anträge nahegelegt.

Der FCH hat reagiert und gegen die 15 betroffenen Fans ein Stadionverbots-Verfahren eingeleitet. Im Rahmen dieses Verfahrens sollen die Beschuldigten von einer Stadionverbots-Kommission angehört werden. Die Gespräche sollen unter der Leitung der Stadionverbots-Verantwortlichen Petra Saretz im Juli geführt werden. Letztlich soll entschieden werden, wer mit einem Stadionverbot belegt wird. Es gebe auch die Möglichkeit, ein Stadionverbot auf Bewährung auszusetzen, so Sanwald, der allerdings betont, dass die Geldstrafe, die der Deutsche Fußballbund (DFB) dem FCH für das Banner auferlegt hat, auf die verantwortlichen Fans umgelegt werden soll. Der Rechtsanwalt des Vereins sei bereits eingeschaltet.

Nach dem Spiel gegen Bielefeld reagierte der FCH bereits mit verschärften Einlasskontrollen, die allerdings auch den Vorgaben der Dekra geschuldet seien. Das Verhältnis zwischen der aktiven Fanszene und der Vereinsführung war in der Folge äußerst angespannt. In den letzten beiden Heimspielen der vergangenen Saison gab es sogar einen Stimmungsboykott seitens der organisierten Fanszene.

Ob mögliche Stadionverbote sich auf die Stimmung im Stadion auswirken werden? „Ich weiß nicht, ob es dann weniger Stimmung geben wird“, so Sanwald. „Es kann aber nicht das Kriterium sein, ob jemand Stimmung macht. Keiner darf sich über die Stadionordnung hinwegsetzen. Es gibt aber Leute, die das nicht akzeptieren wollen.“

Kein Umzug der „Fanatico Boys“

Während des letzten Heimspiels machten zudem die „Fanatico Boys“, die einflussreichste Heidenheimer Ultragruppe, den Wunsch öffentlich, von der Osttribüne auf die Süd-Ost-Kurve in die Nähe des Kiosks umziehen zu wollen. Der FCH lehnte dieses Gesuch ab.

„Ein Umzug der aktiven Fangruppen auf die Kioskseite ist rein sicherheitstechnisch nicht möglich und baulich gar nicht vorgesehen“, erklärt Sanwald. Dort gebe es weder „Kamerasysteme in der Intensität“, noch die Möglichkeit der Fantrennung. „Als die Voith-Arena gebaut wurde, haben wir die Fans gefragt: Wo wollt ihr hin? Die klare Aussage damals war, dass sie hinter das Tor wollen“, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende. Alles nun umzuwerfen bedeute einen „nicht zu vertretenden Mehraufwand“.

Zudem verweist Sanwald auf die unterschiedliche Meinungen innerhalb der aktiven Fanszene. Den Wunsch der „Fanatico Boys“ nach einem Umzug unterstützte die „Unitas Aquileiae“ (eine Dachorganisation, in der 2014 unter anderem die „Hellenstein Supporters“ aufgingen) zumindest nicht. „Wir werden weiterhin am Ziel arbeiten, eine Gemeinschaft auf der Osttribüne zu schaffen und so die Entwicklung in Sachen Stimmung und Kurvenbild weiter voranzutreiben“, erklärte die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite.

Auch der „normale“ Zuschauer sei dafür, „dass es so bleibt wie es ist“, ist sich Sanwald sicher, der aber anfügt, dass sich jeder eine Karte für den Block kaufen könne, in den er möchte. Bestimmte Utensilien wie Banner oder Megaphone seien allerdings nur in den vorgesehen Fanblöcken erlaubt (Heim und Gast).

Aktion und Reaktion: Im Vorfeld des FCH-Auswärtsspiels in Karlsruhe (16. April) sollen nach Auskunft des Karlsruher Polizeipräsidiums Heidenheimer Fans auf einem Parkplatz zwei Pkw beschädigt haben (diese waren abgemeldet und standen ohne Nummernschild auf dem Parkplatz).

Beim folgenden Polizeieinsatz sollen sich einige Personen unerlaubt entfernt haben, zudem sei es zu Widerstand in Form von Fußtritten und Flaschenwürfen gekommen. Letztlich musste der FCH-Fanbus auf Anweisung der Polizei nach Heidenheim umkehren.

Die „Fanatico Boys“ kritisierten diese „Kollektivstrafe“. In der Folge wurde das beleidigende Banner „all cops are bastards“ am 22. April während des Heimspiels gegen Bielefeld in der Voith-Arena gezeigt.

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