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Fecht-Damen: Ist die Zeit reif für einen Umbruch?

Die Weltmeisterschaft ist zwar wieder Geschichte, wirft aber auch einige Fragen auf: Etwa die, ob es nach dem enttäuschenden Abschneiden im deutschen Damen-Degenteam Veränderungen geben wird?

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Die deutschen Degendamen (von links) Alexandra Ndolo (Leverkusen), Monika Sozanska (Leipzig), Britta Heidemann (Leverkusen) und Ricarda Multerer (HSB).

Es rumort in der großen Fecht-Nation Deutschland. Müssen wir uns Sorgen machen? Schließlich hatten die deutschen Fechter bei der Weltmeisterschaft in Moskau kaum Grund zum Jubeln. Zu Buche steht das schlechteste WM-Ergebnis seit über drei Jahrzehnten. Ein wenig aus der Reihe tanzen da – neben den Säbelfechtern – auch die Degenherren um die beiden HSBler Stephan Rein und Niklas Multerer sowie Christoph Kneip (Leverkusen) und Jörg Fiedler (Leipzig).

Im Mannschaftswettbewerb gab's einen respektablen achten Rang – von 40 Teams. „Gegen die Schweiz kann man verlieren. Man kann sie aber auch mal schlagen“, sagt dabei Jochen Kassel zur 33:45-Niederlage im Viertelfinale gegen die Eidgenossen. „Insgesamt sind die Jungs aber voll auf Kurs im Hinblick auf die Qualifikation für Olympia 2016“, fügt der Leiter der HSB-Fechtabteilung an.

Momentan belegt das deutsche Team Platz fünf der Nominierungs-Rangliste – was für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro reichen würde. Daher gibt es natürlich lobende Worte. Im Allgemeinen fürs Team, so von Bundestrainer Didier Ollagnon: „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Wir gehören zu den besten Mannschaften der Welt.“ Und im Einzelnen für die HSB-Fechter von Jochen Kassel: „Stephan und Niklas haben ihre Sache in Moskau sehr gut gemacht.“

Dabei bleibt das Rennen um die Olympia-Teilnahme weiterhin spannend. „Die Jungs wissen, dass noch mehr geht“, erklärt Bundestrainer Ollagnon im Hinblick auf eine mögliche – und zugleich ratsame – Leistungssteigerung.

Inwieweit eine solche beim Damenteam möglich ist, scheint dagegen fraglicher denn je zu sein. Nach dem zwölften Rang in Moskau haben Ricarda Multerer (HSB), Alexandra Ndolo, Britta Heidemann (beide Leverkusen) und Monika Sozanska (Leipzig) nur noch eine theoretische Chance, sich für Olympia doch noch zu qualifizieren (momentan 13. Rang der Nominierungs-Rangliste). In den noch verbleibenden vier Weltcups müsste das Team jeweils sehr weit kommen, was angesichts der Formkurve eher unrealistisch erscheint.

Daher stellt sich die Frage, ob die Zeit reif für einen personellen Umbruch ist – bereits im Hinblick auf Olympia 2020 in Tokio. Dies befürwortet zumindest Jochen Kassel: „Meiner Meinung nach muss der Neuaufbau jetzt kommen“, so der Leiter der HSB-Fechtabteilung. Für ihn stelle sich die Frage, „wie mutig“ der Deutsche Fechterbund jetzt ist.

Denn Britta Heidemann beispielsweise ist trotz ihrer 32 Jahre noch immer die derzeit erfolgreichste deutsche Degenfechterin und führt dementsprechend die deutsche Rangliste an. Dahinter folgen Ndolo (28) und Multerer (25). Bereits auf Rang sieben wird allerdings die erst 20-jährige Alexandra Ehler (HSB) geführt, die Kassel neben Kristin Werner (HSB) und Nadine Stahlberg (Offenbach) als mögliche Kandidatin fürs Damenteam ins Spiel bringt. Auch Anna Hornischer (HSB) sei eine mögliche Kandidatin.

Alle Vier haben nämlich bei den Junioren starke Leistungen gezeigt, gewannen zuletzt bei der Europameisterschaft in Maribor (Slowenien) im Team Gold, bei der Weltmeisterschaft in Taschkent (Usbekistan) folgte Bronze. Nun wechseln Ehler und Werner zu den Aktiven (ab 20 Jahre). Beide haben zwar schon Erfahrung bei Aktiven-Weltcups sammeln dürfen. Kassel fordert aber, die Nachwuchs-Fechterinnen insgesamt stärker einzubinden: „Sie sollten früher ins kalte Wasser geschmissen werden.“

Letztendlich entscheidet darüber zwar der Deutsche Fechterbund, allerdings hat der HSB sicherlich einen gewissen Einfluss. Denn im Degenbereich ist der HSB zurzeit der erfolgreichste Verein. Und Abteilungsleiter Kassel formuliert die weiteren Ziele offensiv: „Wir möchten Degen-Stützpunkt sein. Spätestens 2017 soll es heißen: ,Wer im Degenfechten erfolgreich sein will, der muss nach Heidenheim kommen.‘“

Info Nach der Rückkehr gestern geht's für die HSB-Fechter in den Urlaub. Ende August beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison. Das erste Weltcup-Turnier findet dabei im Oktober in Bern (Schweiz) statt.
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