Mäusekot in der Brotfabrik

München.  Die Großbäckerei Müller-Brot bekommt offenbar seit Jahren Hygieneprobleme nicht in den Griff. Staatliche Lebensmittel-Kontrolleure fanden in dem Betrieb schon häufiger Ungeziefer und verdreckte Maschinen.

Von April an vergibt die Münchner Großbäckerei Müller-Brot eine Praktikumsstelle im Qualitätsmanagement. Das mag vor kurzem noch aufgrund der zahlreichen Preise, die das Unternehmen bei Qualitätswettbewerben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) einheimste, durchaus attraktiv geklungen haben.

Aufgrund der jüngst bekannt gewordenen erheblichen Hygienemängel in den Betriebsräumen der Neufahrner Zentralbäckerei bleibt ein unangenehmer Beigeschmack. Bei dem Unternehmen, das mit "Frische ist unsere Philosophie" und "Qualität heißt das Rezept" wirbt, steht die Produktion erst einmal still. Doch das ist nicht das einzige Problem der Großbäckerei, die nach eigenen Angaben pro Tag bis zu 1 Mio. Brötchen und Brezeln sowie 70 000 Brote herstellt. Auch wirtschaftlich soll es nicht zum Besten bestellt sein.

Zunächst hatte Müller-Brot Anfang dieser Woche noch versucht, die leeren Regale in den zahlreichen Münchner Filialen mit Lieferschwierigkeiten aufgrund eines Schwelbrands zu entschuldigen. Doch schnell war klar: Es gab kein Feuer, sondern Besuch von den Lebensmittelkontrolleuren. Die fanden Schädlinge in erheblichen Umfang und stellten eine starke Verschmutzung bei den für die Lebensmittelherstellung eingesetzten Geräten fest. Das teilte das zuständige Landratsamt in Freising mit.

Müller-Brot hatte versucht, den Skandal als "Mängel durch mechanische Verunreinigungen" herunterzuspielen. Unter anderem hatte es geheißen, die Produktion sei freiwillig eingestellt worden, um die Anlage zu warten.

Von freiwilligem Handeln kann aber keine Rede sein. Das Landratsamt betonte inzwischen, die Reinigung sei "lebensmittelrechtlich erforderlich". Um die Schädlinge zu bekämpfen, seien grundlegende Sanierungsmaßnahmen nötig. Dazu gehöre ein neues Reinigungsmanagement. Erst wenn die Hygienestandards einwandfrei seien, kann der Betrieb wieder produzieren.

Allerdings hat eine Spezialeinheit des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nicht zum ersten Mal bei Müller-Brot schwere hygienische Mängel festgestellt. LGL-Präsident Andreas Zapf sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wir kennen den Betrieb ja schon seit einiger Zeit und waren in den letzten Jahren mehrfach da." Man habe wiederholt Mäusekot und Speisereste von früheren Produktionen gefunden. Die entdeckten Mängel habe das Unternehmen aber nicht beseitigt. "Eine Gesundheitsgefahr der Bevölkerung bestand zu keiner Zeit", betonte die Behörde.

Trotz des Produktionsstopps haben die 260 Müller-Filialen und 3600 Verkaufsstellen geöffnet. Das Unternehmen teilte mit, es kooperiere mit Partnern, um Filialen beliefern zu können. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 115 Mio. EUR. Einbußen gab es vor allem, weil der Rewe-Konzern in seinen Filialen nun auf seine Tochter Glockenback setzt. Arbeiteten 2003 für Müller Brot noch 2000 Mitarbeiter für das Unternehmen, so sind es derzeit nur noch 1300.

Müller Brot gehört seit dem Verkauf durch die Gründerfamilie Hans Müller vor neun Jahren zur Ostendorf-Gruppe und zählt zu den zehn größten deutschen Bäckereiketten. Um kleine Bäcker vor der großen Konkurrenz zu schützen, gilt für Unternehmen wie Müller-Brot der Großbäckertarif mit höheren Löhnen. Die sollen jedoch nach Medienberichten 2011 nicht immer pünktlich gezahlt worden sein.


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Autor: IRIS HILBERTH | 04.02.2012

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