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Quallen sind die neuen Austern

Forscher warnen, dass Quallen die Gewinner des Klimawandels sind. Ein Biologe fordert inzwischen, dass wir Quallen essen sollten, um der Invasion Herr zu werden.

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  • Nicht jede Qualle ist für den Verzehr geeignet: Manche Arten sind giftig. Vielfältig sind jedoch die Zubereitungsmöglichkeiten.  1/2
    Nicht jede Qualle ist für den Verzehr geeignet: Manche Arten sind giftig. Vielfältig sind jedoch die Zubereitungsmöglichkeiten. Foto: 
  • Qualle Chrysaora fuscescens als Tellergericht 2/2
    Qualle Chrysaora fuscescens als Tellergericht Foto: 
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Einmal Qualle, bitte! Glibberig und irgendwie farblos: Quallen zu essen, empfinden viele Menschen als eklig. Während die Nesseltiere in vielen asiatischen Ländern als Delikatesse gelten und als Salat, Sushi oder ähnlich wie Nudeln serviert werden, scheut die westliche Küche noch immer vor ihnen zurück.

Dabei sind die Tiere, die weder Gehirn, noch Blut oder ein Herz haben, sogar recht gesund. Sie sind kalorienarm und fettfrei, bestehen zu 95 Prozent aus Wasser und enthalten Protein und Spurenelemente wie Natrium, Calcium oder Magnesium. Allerdings sind viele Quallen auch extrem giftig. Nicht alle Quallenarten sind deswegen essbar. Bei denen, die es sind, werden im Normalfall die Glocken verwendet, gesalzen und getrocknet und dann ähnlich wie Nudeln in lange Streifen geschnitten und beim Verarbeiten wieder in Wasser gekocht.

Besonders beliebt als Omelette

„Quallen sind toll, knusprig und köstlich“, sagte Jacob Brown, ein neuseeländischer Koch, der die Tiere in seinem Restaurant „The Larder” in Neuseelands Hauptstadt Wellington auf der Speisekarte hat, jetzt dem lokalen Medium „Stuff“. Brown serviert Qualle meist mit anderen Meeresfrüchten, mit Fisch, mit Hühnchen und Schweinefleisch. Besonders beliebt ist sein Quallen-Omelette. Brown will die Debatte anstoßen, Quallen zu einem Standardnahrungsmittel zu machen, nachdem ihm aufgefallen ist, wie viele Quallen im Meer vor Neuseeland treiben. „Quallen sind hier ein echtes Problem”, sagt er. „Als ich anfing mit ihnen zu kochen, habe ich gemerkt, dass sie ein richtig gutes Produkt sind.“

Doch während er die neuseeländischen Quallen für den Eigengebrauch kochen darf, im Restaurant darf er sie aufgrund der derzeitigen neuseeländischen Bestimmungen nicht servieren. Die etwa 150 Quallen-Gerichte, die er pro Woche verkauft, bereitet er mit importieren Quallen aus Südkorea zu. Die Menschheit überfische die Ozeane, sagt Brown. „Wir haben aber einen Überfluss an Quallen und deswegen denke ich, dass wir sie lieber essen sollten, als dass wir Premium-Fisch essen, der gefährdet ist, wie zum Beispiel Thunfisch.“

Auch die in Australien lebende Meeresbiologin und Quallen-Expertin Lisa-Ann Gershwin teilt Browns Beobachtung, dass die Quallen immer mehr zunehmen. Sie warnt seit Jahren vor einer „Invasion der Quallen“. „Wir sind in der verrückten, unerwarteten und unverständlichen Position, wo wir im Wettbewerb mit den Quallen stehen und sie dabei sind, zu gewinnen“, sagt sie. Denn Quallen profitieren von all dem, was dem Rest unserer Natur schadet.

Aufgrund der Überfischung der Meere gibt es weniger Raubfische, die die Tiere reduzieren könnten. Plastiktüten im Wasser töten weitere Fressfeinde wie Schildkröten. Zudem blühen Quallen in wärmerem, nährstoffreichem Wasser auf. Denn das verlängert ihre Brutsaison, während viele Fische durch den geringeren Sauerstoffanteil im Wasser leiden. „Wärmeres Wasser ist ein Desaster für alles, was atmet und ein Traum für alles, das nicht groß atmet wie die Quallen”, sagt Gershwin.

Quallenplagen sind jedoch bei weitem nicht auf Neuseeland und Australien beschränkt. Auch im Mittelmeer gibt es inzwischen viermal so viele Quallen wie noch vor 13 Jahren. Der italienische Meeresbiologe Silvio Greco plädiert deswegen ebenfalls dafür, die Tiere als Nahrungsmittel anzusehen. „Jetzt muss der Mensch zum Jäger der Quallen werden.“ Greco experimentiert wie der Neuseeländer Brown damit, Quallen schmackhaft zuzubereiten. „Ich liebe Meeresfrüchte“, sagte der Italiener. „Und Quallen erinnern mich an Austern.“

Zu viele Quallen ruinieren nicht nur Strände und gefährden Badende. Eine massive Invasionen der Nesseltiere drohte 2013 die Fischbestände der südaustralischen Hafenstadt Whyalla auszulöschen. Im gleichen Jahr musste das schwedische Atomkraftwerk in Oskarshamn vorübergehend abgeschaltet werden, nachdem ein Schwarm Ohrenquallen den Kühlwasserzufluss des Reaktors verstopft hatte. 2007 metzelten Quallen in irischen Fischfarmen Zehntausende von Lachsen hin und 2009 brachten Nomura-Riesenquallen, die bis zu 200 Kilogramm schwer und zwei Meter groß werden können, sogar ein japanisches Fischerboot zum Kippen. 2012 überschwemmten Quallen die südspanische Mittelmeerküste. 4000 Kilogramm Quallen wurden vor den Stränden Malagas abgefischt. ce

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