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Neue Facebook-Suche: Auch ohne Namen auffindbar

Wem aus meinem Ort gefällt die NPD? Fragen wie diese beantwortet die neue Facebook-Suche – und macht vieles sichtbar, was bislang schwer zu finden war. Die Ergebnisse können heikel sein.

Autor: LYDIA BENTSCHE, CHRISTINE LIEBHARDT |
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Die neue Kindergärtnerin im Ort mag die TV-Serie „Verbotene Liebe“, Popmusik und die NPD. Das steht auf ihrem öffentlichen Profil bei Facebook. Bisher fand sie nur, wer ihren Namen kannte. Mit der neuen Facebook-Suche Graph Search findet nun jeder Nutzer des sozialen Netzwerks die Frau, wenn er nach „Personen aus diesem Ort, denen die NPD gefällt“ sucht.

Noch können nur wenige englischsprachige Nutzer die Funktion Graph Search testen, die als Suchleiste bei Facebook angezeigt wird. Die Daten deutscher Nutzer können mit Schlüsselworten und Sätzen aber auch schon jetzt durchsucht werden: etwa „Personen, die in Stuttgart wohnen, den VfB mögen und gerne joggen“. Ebenso findet man auch „weibliche Personen, die in meiner Nähe wohnen, Single sind und Saufen! mögen“ – und die man auch nach ihren Vorlieben für Musik oder nach ihrem Arbeitgeber ausspionieren kann. Vorausgesetzt, dass sie ihre Daten nicht nur mit Freunden teilen.

Was bedeutet das für Nutzer, die Informationen oft unbedacht durch einen Klick auf den „Gefällt mir“-Knopf preisgeben? „Die Recherchierbarkeit wird massiv erweitert“, sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein und bekannt als Facebook-Kritiker. „Die Konsequenz ist, dass Dinge, die vor langer Zeit sichtbar waren, plötzlich wieder auftauchen.“ Mit der Einführung der Graph Search wird sich nichts an den Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer ändern. Das heißt, bei der Suche werden ausschließlich Inhalte angezeigt, auf die der Suchende ohnehin Zugriff hat, weil sie mit ihm auf Facebook geteilt wurden oder öffentlich sind.

Aber man konnte sie bisher nicht so einfach finden und zu neuen Informationen kombinieren, kritisiert Weichert. „Es werden in einem Übermaß Daten von Dritten eingeholt, über die die Betroffenen keine Handhabe haben.“ Auf Informationen, die mit Freunden von Freunden geteilt werden, könne so beispielsweise leicht der Arbeitgeber zugreifen. „Sehr intime Daten können leichter aggregiert werden.“

Mit der Anfrage „Fotos, die am Stuttgarter Flughafen aufgenommen wurden“, findet man Privatfotos wildfremder Menschen. Auch das Abschiedsfoto der Klassenfahrt junger Mädchen. Und dank Graph Search ist das Profil der Fotografin auch nur noch einen Klick entfernt.

Info Beispiele von Suchanfragen mit Graph Search hat der Blogger Tom Scott zusammengetragen.

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