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Faire Preise für Erzeuger

"Essen, was man erhalten will", ist das wichtigste Rezept von Slow Food. Vorstandsmitglied Gisela Bautz erklärt die Grundsätze der Bewegung, die sich bewusstere Ernährung auf die Fahne geschrieben hat.

HANS GEORG FRANK | 0 Meinungen

Slow Food gibt es seit 1992 auch in Deutschland. Was haben Sie seither erreicht?

GISELA BAUTZ: Wir haben 12 000 Mitglieder und 1200 Unterstützer, wir werden als kompetenter Ansprechpartner für Ernährung und Lebensmittel allgemein wahrgenommen. Unser Motto lautet "Essen, was man erhalten will." Deshalb gibt es für aussterbende Sorten und Rassen unsere "Arche des guten Geschmacks".

Sie sind organisiert in 83 Convivien. Wie offen sind diese lokalen Gruppen für neue Interessenten?

BAUTZ: In den Convivien sind die meisten Veranstaltungen für Nicht-Mitglieder zugänglich. Es gibt nur wenige Treffen, zu denen sich nur Mitglieder anmelden können, zum Beispiel das Weihnachtskochen.

Arbeiten Sie mit anderen Organisationen zusammen?

BAUTZ: Unsere Convivien sind in der Regel offen für Kooperationen mit Restaurants, Weingütern, Volkshochschulen, Theatern, Vereinen. Ebenso arbeiten wir zusammen mit Schulen, Museen oder oder Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Dabei werden Menschen angesprochen, die uns noch nicht kennen.

Ihre Mitglieder sind oft gebildete Gutverdiener. Ist Slow Food ein Club der vermögenden Besseresser?

BAUTZ: Ich weiß aus meinem Convivium, dass wir auch ganz normal verdienende Menschen unter unseren Mitgliedern haben, die gut, sauber, fair und regional essen möchten. Es gibt natürlich auch solche Interessenten, für die manche Veranstaltungen etwas zu teuer sind. Wir können einen Nachlass einräumen oder einen Platz für jüngere Menschen sponsern. Ganz bewusst wird bei Veranstaltungen darauf geachtet, dass sie erschwinglich sind. Gerade bei Kursen werden nicht nur teure Sterne-Menüs gekocht.

Das Durchschnittsalter bei Slow Food liegt über 50 Jahren. Wie werben Sie um Nachwuchs?

BAUTZ: Leider setzen sich eher ältere Menschen mit bewusstem Essen auseinander. Wir wollen aber auch Familien mit Kindern, Kindergärten, Schulen, junge Erwachsene ansprechen. Gerade auf der Messe in Stuttgart gibt es am Freitag Angebote für Schulklassen und Familien: Verkostungen, Geschmacksschulungen, Kochen, Best-Practice-Beispiele, Diskussionen zum Themenbereich vom "Acker auf den Teller".

Sie konnten auch den Kabarettisten Christoph Sonntag gewinnen.

BAUTZ: Dank seiner Stiftung bietet Slow Food Ernährungswochen an. Schulklassen können mit einem Sternekoch kochen, sie gehen zum Bauern oder in ein Restaurant, davor und danach steht das Thema Ernährung auf dem Stundenplan. Woher kommen die Lebensmittel? Wie kommen sie auf den Teller? Auch Tischsitten und Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe sind thematisiert. Schüler lernen Melken oder Gemüse fachgerecht ernten und erfahren direkt vor Ort viel über die gute und saubere Herstellung von Lebensmitteln.

Welche Ansprüche stellen Sie an die Lebensmittel?

BAUTZ: Unser Slogan heißt "gut, sauber, fair". Qualitativ hochwertige und natürliche Produkte, die auch zu einem fairen Preis erzeugt wurden, sind das Ziel. Dazu kommt der regionale Bezug. Wir möchten den Erzeuger kennen und mit ihm in Austausch kommen. Ganz wichtig ist die Saison für Lebensmittel. Wir haben deshalb in unseren Broschüren und Publikationen einen Kalender für saisonales Gemüse und Obst. Bio-Lebensmittel von den verschiedenen Anbau-Verbänden wie Bioland, Demeter und Ecovin werden bevorzugt. Zertifizierungen sind uns aber nicht "heilig". Wenn wir die Erzeuger mit ihrer Produktion kennen und ihnen vertrauen können, sind wir zufrieden.

Welche Bedeutung hat Regionalität?

BAUTZ: Schon in der regionalen Organisation ist der Keim für diesen Bezug gelegt. Die Mitglieder in den Convivien vor Ort haben und pflegen den Kontakt zu den Unterstützern. Auch ist es ein Ziel, regionale Sorten beim Gemüse, Obst und beim Fleisch zu fördern. Gerade dieses Jahr wollen wir noch mehr tun für in der Region typische und vom Aussterben bedrohte Gemüse-, Obst- und Getreidesorten, Rinder-, Schweine- und Geflügelrassen und sie für die Zukunft retten. Die "Arche des Geschmacks" soll die Vermarktung fördern.

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