Der Landarzt in der Krise
Bad Urach. Der Landarzt stirbt aus, wenn nicht Anreize geschaffen werden. In einer Podiumsdiskussion der SÜDWEST PRESSE diskutierten Vertreter von AOK, Hausärzteverband, Medizin und Politik, was man tun kann.
Beispielhaft, das wurde während einer Podiumsdiskussion klar, arbeitet man beim Thema "ärztliche Versorgung im ländlichen Raum" im Landkreis Reutlingen. In einer von Landrat Thomas Reumann ins Leben gerufenen kommunalen Gesundheitskonferenz wurde nicht nur der Status Quo der medizinischen Versorgung im Kreis erfasst, es wurden auch geeignete Gegenmaßnahmen erarbeitet.
Die nüchternen Zahlen sind erschreckend. In drei Jahren wird jeder fünfte Hausarzt im Kreis Reutlingen über 65 Jahre alt sein. Seit 2009 konnten über 20 Arztpraxen nicht mehr besetzt werden und in vier Jahren wird nur noch jeder dritte Hausarzt in der Lage sein, einen Nachfolger zu finden.
Knappe Kassen, immer mehr chronische Erkrankungen und eine zunehmend alternde Gesellschaft erschweren die Ansiedlung von Hausärzten im ländlichen Raum.
Neben viel zu geringen Ausbildungszahlen bei den Allgemeinmedizinern, stellt auch die Bürokratie eine sehr große Hemmschwelle dar. Wie Landrat Thomas Reumann erklärte, umfasst das Akutprogramm des Kreises sechs Empfehlungen:
Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung basiert nicht auf Landkreisebene, sondern ist kleinräumiger strukturiert.
Finanzielle Anreize für Hausärzte durch innovative Kooperationsangebote, die günstige Kredite ebenso vorsehen wie Angestelltenmodelle, die vor allem Teilzeitjobs zulassen.
Weniger Bürokratie: Fachangestellte (keine Ärzte) könnten gewisse Aufgaben übernehmen.
Marketing-Aktionen zur Nachwuchswerbung.
Die Allgemeinmedizin soll stärker in die universitäre Ausbildung eingebunden werden.
Eine Task Force in Form von Ärzten im Ruhestand, Klinikärzte oder Ärztinnen im Erziehungsurlaub sollen bereit stehen und notfalls eingesetzt werden können in unterversorgten Gebieten.
Eine Vorgehensweise, die auch von der Politik begrüßt wird, wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, in Bad Urach betonte. Dass vor allem die Politik, egal ob auf Bundes- oder Landesebene, geschlafen habe, führten bei der Podiumsdiskussion der SÜDWEST PRESSE sowohl Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, als auch Berthold Dietsche, Chef des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg an. Eine schnelle, tiefgreifende Wende indes ist nirgendwo in Sicht.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: THOMAS LEBHERZ | 04.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
Landrat Thomas Reumann (Mitte) auf dem Podium in Bad Urach: Sechs-Punkte-Programm gegen die Landflucht der Ärzte. Foto: Thomas Kiehl
MEISTGELESENE ARTIKEL
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ratiopharm Arena: Mario Barth fällt aus
Neu-Ulm Schlechte Nachrichten für alle Comedy-Fans: Die drei ausverkauften Auftritte von Mario Barth in der Ratiopharm Arena fallen aus. Aber es gibt Ersatz!... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr
Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen
Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr

ZURÜCK
