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Rundgang über die Frankfurter Buchmesse

Dan Brown, Hundebraten süßsauer und eine französische Holzregal-Landschaft: Was der weltweit wichtigste Treff der Publisher-Branche in Frankfurt so alles zu bieten hat.

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  • Frankreich legt auf der Buchmesse einen tollen Gastland-Auftritt hin. 1/6
    Frankreich legt auf der Buchmesse einen tollen Gastland-Auftritt hin. Foto: 
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    Das zog gestern Belgiens Königin Mathilde an Foto: 
  • Französische Schriftsteller wie Michel Houellebecq kommen ebenso nach Frankfurt. 3/6
    Französische Schriftsteller wie Michel Houellebecq kommen ebenso nach Frankfurt. Foto: 
  • Die Buchmesse ist ein internationales Schaufenster: Hier der Stand von Katar. 4/6
    Die Buchmesse ist ein internationales Schaufenster: Hier der Stand von Katar. Foto: 
  • Gestern war aber auch der Auftritt der Bestseller-Autoren Ken Follett ... 5/6
    Gestern war aber auch der Auftritt der Bestseller-Autoren Ken Follett ... Foto: 
  • ..und Dan Brown. 6/6
    ..und Dan Brown. Foto: 
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Was steht auf der privaten Shortlist der wichtigsten Buchmesse-Termine an diesem Tag? „Weltempfang Satellit“ heißt eine Reihe im Business Club schon morgens um halb zehn, die türkischen Autoren Can Dündar, Asli Erdogan und Burhan Sönmez sprechen, auf Englisch, über das „Schreiben im Exil“. Eine Veranstaltung zur schwarzen Leinentasche des Börsenvereins des deutschen Buchhandels mit dem Aufdruck „Für das Wort und die Freiheit“.

Thriller-Superstar Dan Brown gibt um elf eine Pressekonferenz, Ihre Hoheit Königin Mathilde aus Belgien kommt nach dem Mittagessen. Ein Besuch des Pavillons des Gastlandes Frankreich samt Imbiss in der Brasserie ist natürlich auch nominiert. Daniel Kehlmann besucht den „Zeit“-Stand gegen 14 Uhr, Salman Rushdie sitzt nachmittags auf dem „Blauen Sofa“, den Buchpreisträger Robert Menasse hat die ARD in ihrem Studio für halb sechs angekündigt. Dazu noch ein paar Klassiker? Am Stand des Reclam-­­
Verlags, der vor 150 Jahren die ersten Bände seiner Universalbibliothek herausbrachte: „Gehasst. Geliebt. Gelesen“.

Puh, das ist jetzt schon eine Longlist. Aber ohne Listen geht auf dem Buchmarkt nichts mehr. Spielen wir also mit. Die Hitparaden-Kultur wächst und wächst. Der Mensch und damit auch der Leser möchte offenbar das haben, was andere schon haben. Shoppen im Herdentrieb. Media Control veröffentlicht im „Börsenblatt“ des deutschen Buchhandels immer neue Charts, zum Beispiel die Top 10 Titel mit den „höchsten Sprüngen“ innerhalb der Top 100 im Vergleich zur Vorwoche. „Bestsellerlisten verkaufen Bücher“, heißt das Konzept.

Dan Brown schaut sich das von oben an, also von der Spitze. Der Amerikaner hat allein von „Sakrileg – The Da Vinci Code“ weltweit 81 Millionen Exemplare abgesetzt, das meistverkaufte Hardcover überhaupt. Entsprechend darf man sich den Medienrummel vorstellen, als Brown gestern im Alliance-Saal seinen neuen Langdon-Roman „Origin“ vorstellte (deutsche Ausgabe bei Bastei Lübbe). Der Ronaldo des Thrillers ist ein schütter blonder 53-jähriger Herr aus New Hampshire im seriösen Durchschnittsoutfit, der durchaus das Blitzlichtgewitter genießt. Weil sein Buch im Guggenheim-Museum in Bilbao und in Barcelona spielt, muss der redselige, humorvolle Brown auch ein politisches Statement abgeben: „Ich liebe Katalonien, ich liebe Spanien! Es ist ein Land!“ Journalisten aus Polen und Tschechien wollen aber wissen, ob er nicht auch mal bei ihnen einen Roman recherchieren und ansiedeln wolle. Erst sei der Kölner Dom dran, protestiert die Moderatorin. Browns Bestseller fördern auch den Tourismus.

„Wir leben vom Mythos und nicht von der Stückzahl“, sagen dagegen Barbara Kalender und Jörg Schröder vom März Verlag. Die unabhängigen Verlage, darunter Klöpfer & Meyer aus Tübingen, sind in kleinen Kojen in Halle 4.1. zu finden, die Kurt Wolff Stiftung aber hat einen feinen Sammelkatalog herausgegeben: „Es geht um das Buch“. Große Sorgfalt bei der Gestaltung, Qualitätsanspruch, eigenes Profil: von Schöffling & Co. bis Matthes & Seitz. Die Buchmesse ist auch eine Olympiade, mit unterschiedlichen Disziplinen, großen und kleinen Wettbewerben. Aber das Publikum kann überall dabeisein.

Zu den Trophäen gehören Literaturpreise. Diese werden nicht mehr einfach vergeben: Es wird gewissermaßen sportlich der Sieger ermittelt, nicht im k.o.-System mit Achtel-, Viertelfinale etc., sondern im Jury-Ausscheidungskampf der Long- und Shortlists. Das ist beim Deutschen Buchpreis so, beim Kindle Storyteller Award für verlagsunabhängige deutschsprachige Autoren oder beim Deutschen Self-Publisher Preis. Ganz zu schweigen von der Hotlist des Preises der unabhängigen Verlage. Noch heißer: The Beauty & The Book Award, der Schönheitswettbewerb für Bücher. Da steht „Hundebraten süßsauer – Kochbuch der chinesischen Hausmannkost“ von Pei-Yu Chang auf der Shortlist; der Kunstanstifter Verlag glänzt mit Bilderbüchern für Erwachsene.

Das Buch mag ein Bildungsgut sein, Lesen geht aber auch durch den Magen. Die „Gourmet Gallery“ der Buchmesse erstreckt sich in Halle 3.1. auf 1000 Quadratmeter. Keiner liest vor, die Leute stehen bei „Tastings“ an. Der Kochbuchmarkt kocht über. Promis wie Andreas Hoppe („Tatort“ aus Ludwigshafen) ist dabei und schaut in Mamas Töpfe: „Das Sizilien-Kochbuch“. Sophia Hoffmann („Sophias vegane Welt“) tritt beim Foodblog-Talk gegen Katharina Brömel („treetfoodjunkies“) an, Stunden später stellt Dr. Eckart von Hirschhausen den neuen Welthungerindex vor, dass einem der Bauch grimmt.

Womit der Übergang zum Buchmesse-Gastland Frankreich geschafft wäre, wo man im Pavillon wie Gott in Frankreich lesen und essen soll. „Francfort en francais“ heißt das Motto, das beginnt schon im edel aufgemachten  Restaurant L‘Epicurieux, wo das Gourmande-Menü 34 Euro kostet, mit Parmentier de Canard als Hauptgang. Drinnen im Forum bieten die Franzosen belegte Baguettes an, auch mit Foie gras. Dekoriert ist die Ladentheke mit einer Mischung aus Stolz und Selbstironie: mit gestapelten roten Michelin-Führern. Drei Sterne! Es ist eine Holzregal-Landschaft, in der sich das Gastland präsentiert: mit Büchern statt Weinflaschen. Eine abenteuerreiche Riesenbibliothek zum Schmökern. Sieben Kilometer helle Holzleisten sollen Design-Studenten aus St. Etienne verbaut haben. Zum Parcours gehört eine Mini-Druckerei mit Gutenberg-Presse, wo sich die Autoren verewigen mit den ersten und letzten Seiten ihrer aktuellen Bücher. Und die Franzosen erzählen viel aus ihrem literarischen Leben, zweisprachig plakatiert,  deutsch-französische Freundschaft wird großgeschrieben: Wie Deutschland sorgt auch die benachbarte Kulturnation mit einer Buchpreisbindung fürs Überleben der kleinen Läden. Man vergisst das leicht auf dem riesigen Markt der Buchmesse.

Damit steht der Sieger der Shortlist an diesem Tag fest: Frankreich gewinnt mit dem besten Gastland-Auftritt seit langem.

Öffnungszeiten Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7300 Ausstellern aus 102 Ländern, über 4000 Veranstaltungen und rund 10 000 akkreditierten Journalisten, davon 2400 Blogger, die größte Fachmesse für das internationale Publishing. Am Wochenende ist die Messe für Privatbesucher geöffnet: Samstag von 9 bis 18.30, Sonntag von 9-17-30 Uhr.

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