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Modern-Dance-Lehrerin Ceren Yavan-Wagner: „Am Wichtigsten ist das Wollen“

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    In sexy Posen zeigen sich bei der Ballettschulgala die jungen Modern-Tänzerinnen zu Rihannas „Don’t Stop The Music“. Foto: 
  • Tänzerin in der Compagnie und Modern-Dance-Lehrerin am Theater Ulm: Ceren Yavan- Wagner. 2/2
    Tänzerin in der Compagnie und Modern-Dance-Lehrerin am Theater Ulm: Ceren Yavan- Wagner. Foto: 
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Die Ulmer Theatergänger kennen diese schöne, quirlige, dunkelhaarige Frau – sei es als „Carmen“ in Roberto Scafatis gleichnamiger Choreografie, als Odette in Schwanensee, im „Bolero“ oder von „Junge Choreografen“ im Podium. Diese Spielzeit war die Tänzerin, die 2013 zur Compagnie stieß und mit ihren 31 Jahren nach dem Weggang von Pablo Sansalvador und Giulia Insinna neben Damien Nazabal und Yuka Kawazu dort nun schon zu den Altgedienten gehört, sowohl in Ballettdirektor Scafatis „Klang“ als auch in Scafatis und Gustavo Ramírez Sansanos gemeinsamer „Sinfonia del beso“ und der Oper „Lulu“ im Großen Haus zu sehen.

Dazu gestern beim 10. Kammerkonzert „El mundo del Tango“ und beim Verbeugen am Ende des ersten  Teils der Ballettschulgala: Ceren Yavan-Wagner.

Die aus der Türkei stammende Tänzerin leitet seit 2015 die Sparte Modern Dance der Theater-Ballettschule. Sie selbst begann „erst mit acht“ zu tanzen. Davor war sie Kunstturnerin. „Diese ganzen kleinen Zwischenschritte“ zwischen den Salti führte sie mit so viel Liebe aus, dass ihr alle sagten, sie solle Tänzerin werden. Erste Balletterfahrung sammelte sie am Konservatorium in Ankara. „Ich war nie die Beweglichste, aber vom Ausdruck her hab’ ich immer gewonnen.“

Mit zehn Jahren wechselte sie ans Ballett-Leistungszentrum von Konstanze Vernons Heinz-Bosl-Stiftung in München. Ganz allein. Ohne Eltern, ohne Deutsch zu sprechen. Das wollte sie unbedingt. „Ich bin selbst überrascht, wie früh ich wusste, dass das das Richtige für mich ist.“ Statt nach zwei Wochen Probetraining wurde sie schon nach dem ersten Vortanzen aufgenommen: „Ich war total glücklich, wirklich von den Socken, so sagt man doch, gell?“ Ihre Mutter habe sie erstmal festgehalten und gesagt, „Ceren ich freue mich für dich, aber es ist dir schon klar, dass du hier alleine bleiben musst?!“

Die Sprache lernte sie unter anderem in der Internats-Küche des Max-Josef-Stifts, wo sie Gesellschaft suchte, während ihre Mitbewohnerinnen im Gymnasium waren. „Abgesehen davon, dass ich meine Eltern sehr vermisste, war es eine schöne Zeit.“

Von 1996 bis 2001 absolvierte sie also die klassische Ausbildung an der heutigen „Junior Company des Bayerischen Staatsballetts, der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München und der Heinz-Bosl-Stiftung“ – mit Spitzen- und Charaktertanz. Bis 2004 folgten Modern, Jazz, HipHop, Improvisation, Drama, Floorwork und Partner-Arbeit an der Iwanson School of Contemporary Dance. Dann: fünf Jahre Solistin am Theater Augsburg, ein Jahr bei der Noord Nederlandse Dans Company von Itzik-Galili-Tänzer Stephen Shrop­shire in Groningen. „Harte Arbeit, aber hat mich tänzerisch einen großen Schritt weitergebracht.“ 2011 heiratete sie in Augsburg Christian Wagner – und sattelte an der Iwanson School eine Tanz-Pädagogikausbildung drauf. Zwei Jahre unterrichtete sie dann Tänzer „von dreijährigen Kindern mit Pampers bis hin zu Senioren“.

Das kommt ihr heute zugute, wenn sie montags und freitags in ihrer Mittagspause zwei Modern-Dance-Klassen, eine davon mit Schwerpunkt Modern Jazz, leitet. Zur Ballettschulgala am Wochenende zeigten die zwölf jungen Frauen vier kurze Choreografien von Ceren Yavan-Wagner unter dem Titel „Alive“.

Einige der Tanzschülerinnen zwischen 15 und 19 Jahren haben jetzt Abitur gemacht und einer ihrer männlichen Eleven sei nun an einer Musical-Schule, „was mich wahnsinnig freut“. Doch so werden zur nächsten Spielzeit wohl einige Plätze frei.

Das Einstiegsalter sei „abhängig von der Persönlichkeit“, meint die Tanzlehrerin. „Weil manche schon mit acht Jahren viel mehr fühlen können als andere mit 18. Deshalb würde ich immer raten, das erst auszuprobieren und dann zu entscheiden.“ Ballett-Grundlagen seien nicht unbedingt nötig: „Es kommt darauf an, wo man hinwill: Tanzen als Hobby oder professionell?“ Für künftige Profis sei das klassische Training wichtig, was Haltung, Dehnung und Positionen angehe. Für alle anderen sei es einfacher, direkt mit Modern Dance zu beginnen.

Die 31-Jährige betrachtet das Unterrichten als Geben und Nehmen. Es macht ihr Spaß hinzuschauen, wo es noch fehlt.  Eine brauche mehr Elan, die Andere Ruhe, eine Dritte Selbstbewusstsein. Als sie selbst als Elevin einst mal kritisiert wurde, dachte sie „O Gott, o Gott, o Gott – und dann hab ich’s noch schlimmer gemacht. Weil ich zu viel wollte und total nervös war.“ So sei sie als Tanzlehrerin nun zwar streng, aber auch geduldig. „Wichtig ist, dass die Schüler mir zeigen, dass sie das wollen. Dann können sie riesige Fortschritte machen.“

Ballettschulgala Die Gala der Tanzklassen des Theaters war zweigeteilt: Auf 20 Minuten Modern Dance unter der Leitung von Ceren Yavan-Wagner folgten 50 Minuten klassisches Ballett unter der Ägide von Gisela Montero i Garcia. 170 Schüler zeigten in „Un, dos . . . tres!“ die turbulente, höchst amüsante und technisch vielfältige Parodie einer Ballettstunde.

Klassischer Tanz Gisela Montero i Garcia unterrichtet in 18 Klassen 180 Eleven zwischen 4 und 72 Jahren. cli

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