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Sängerin Lorde: „Ich erzähle ganz gern die Wahrheit über mich“

Mit ihrem zweiten Album verabschiedet sich Sängerin Lorde von der Teen-Zeit. Selbstkritisch ist sie immer noch.

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Ihre außergewöhnliche Stimme und Songs mit tiefgehenden Texten wie „Royals“, der 2013 neun Wochen die US-Charts anführte und ihr zwei Grammys eintrug, machten Ella Yelich-O’Connor alias Lorde zum Star. Am Nachfolger ihres Debüts „Pure Heroine“ feilte die Neuseeländerin drei Jahre lang. Nun stellt die 20-Jährige ihr neues Album „Melodrama“ (Republic Records) vor.

Sie packen sehr viele Gefühle in Ihre Songs. Setzt Sie das unter Druck?
Lorde: Ich erzähle ganz gern die Wahrheit über mich. Es ist für mich selbstreinigend und wichtig. Meine Songs können von niemand anderem gesungen werden, so persönlich sind sie – das finde ich toll. Doch irgendwie ist es seltsam, aufzustehen und es als Arbeit anzusehen, seine intimsten Geheimnisse auszuplaudern.

Haben Sie durch das neue Album mit der Teenie-Zeit abgeschlossen?
Absolut. Es ist komisch, aber mit 18 oder 19 hat man sehr viel Teenager-Erfahrung. Ich habe das Gefühl, dass ich meine Doktorarbeit darüber geschrieben habe, was es bedeutet, ein Teenager zu sein. Für diese Altersgruppe habe ich mich sehr eingesetzt, am Ende aber gefühlt, dass ich mich verändere. Ich habe früher einen Schrein errichtet für das Teenager-Sein und habe mich gefragt, ob ich dieser Zeit nun nachtrauere, weil ich sie hinter mir lasse. Doch es ist glücklicherweise ganz toll, ein „Neu-Erwachsener“ zu sein. Ich entdecke jetzt sehr viel.

Sind Sie immer noch so selbstkritisch, wie Sie mal sagten?
Ja,  auch gegenüber meiner Arbeit bin ich äußerst kritisch, weil ich die einzige bin, die weiß, wozu ich fähig bin. Deshalb sporne ich mich selbst immer wieder an. Klar könnte ich mich auch mit Liedzeilen zufriedengeben, die „gut“ sind, aber ich will, dass sie „bewusstseinsverändernd supertoll“ sind.

Hat es deshalb so lange gedauert, das Album fertigzustellen?
Ja, das Album hat viel Zeit benötigt. Ich kann bestätigen, was andere über das zweite Album sagen, es ist wirklich schwierig. Ich habe vorher nie etwas gemacht, wo ich so hart für jede einzelne Entscheidung arbeiten und kämpfen musste. Zeitweise konnte ich mir gar nicht recht vorstellen, das Album irgendwann einmal fertig zu bekommen. Da habe ich mir gesagt: „Wenn das fertig ist, wird es sich toll anfühlen, weil ich es mir wirklich verdient habe.“ Es war viel selbstgemachter Druck dabei, aber jetzt fühlt es sich gut an.

Sie sind ein Vorbild für viele jüngere Menschen.
Ich denke mal, dass ich immer noch ein widerwilliges Vorbild bin – ich weiß nicht, ob das wirklich die Rolle für mich ist. Das Coole ist, dass viele jüngere Menschen so viel Großartiges machen, nicht nur in der Kunst, sondern überall. Daher gibt es viele verschiedene Vorbilder. Aber es ist schon toll, wenn ich zwar vielleicht gerade etwas anderes durchmache, aber dennoch die Teenager im den amerikanischen Vorstädten eine gemeinsame Gefühlslage mit mir finden.

Vielleicht ist es über Social Media heute einfacher, mit den Fans in Kontakt zu bleiben, aber andererseits wollen diese vielleicht auch mehr Einblick ins Privatleben als früher einmal. Wie halten Sie das im Gleichgewicht?
Ich habe nicht das Gefühl, dass mir die Leute zu viel abverlangen. Wenn es mir zu viel wird, gehe ich einfach nach Hause und lasse mich nicht zu sehr davon beeinflussen. Aber es ist schon etwas seltsam, dass die Leute meiner Altersgruppe es nicht anders kennen, es ist eine bizarre Art und Weise aufzuwachsen.

Aber manchmal müssen Sie doch eine rote Linie ziehen, oder?
Ja, absolut. Ich bin ja jemand, der in seiner Musik viel von sich preisgibt. Manche Leute leiten davon ab, dass mein Leben eine Schatzsuche für sie bietet, dass sie sich also auf meine Fährte begeben dürfen. Ich versuche, die Aufmerksamkeit der Menschen auf meine Arbeit zu lenken. Und da bekommen sie dann die ganzen pikanten Details – übrig bleibt dann nur noch der langweilige Kram für Social Media: Ich, zuhause, beim Kochen und Aufziehen von streunenden Katzen.

Sie haben erzählt, dass es Snapchat nur für eine kleine geheime Gruppe gibt, stimmt das?
Ja, ich halte mich für den weltweit witzigsten Snapchat-User. Das ist einfach mein Medium! Auch meine ganzen Freunde lieben die Storys, die ich da verbreite. Aber es bekommen sie eben nur 20 Leute zu sehen.

Die neuseeländische Sängerin Lorde (20) heißt mit bürgerlichem Namen Ella Yelich-O’Connor. Ihr Debütalbum „Pure Heroine“ war weltweit erfolgreich, der Song „Royals“ stand neun Wochen lang an der Spitze der US-Hitparade. Sie wurde mit zwei Grammys ausgezeichnet und bei den Billboard Music Awards als Newcomerin des Jahres geehrt. Am 16. Juni erschien ihr zweites Album „Melodrama“.

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