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Endrunde auf drei Stockwerken

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Fragmente aus der realen Welt: Corinne Wasmuths „Calafate“ im Kunstmuseum Stuttgart.   Foto: 

Das Finale ist spannend. Drei Künstlerinnen stehen in der Endrunde des mit 20 000 Euro dotierten Kunstpreises der Sparda-Stiftung. Und diese Endrunde kann man miterleben: Im Kunstmuseum Stuttgart sind die Arbeiten der Finalistinnen jetzt zu sehen – auf drei Stockwerken.

„Ich beschäftige mich mit Bildern, die in meinem Kopf sind“, sagt Corinne Wasmuth, eine der nominierten Künstlerinnen. Ihre großformatigen Bilder vibrieren und leuchten, sie gewähren Einblick in eine surreale und dennoch bekannte Bildwelt. Sie collagiert Fragmente von Bahnhöfen, Haltestellen, Wartezimmern. Als Vorlagen dienen ihr eigene Schnappschüsse, die sie am Computer bearbeitet und zusammenschneidet. Die Bildrealität aber entsteht allein in ihrem Kopf. „Es ist vergleichbar mit Schlafen und Träumen, es sind komische Welten, die einem jeden Moment entgleiten könnten“, meint die Künstlerin, die ihre Ideen mit Fata Morganen vergleicht.

Die Flüchtigkeit der Momente in ihrem Kopf spiegelt sich in Wasmuths Gemälden wider, die immer in Bewegung zu sein scheinen. Menschen, die warten, die eilen, Transiträume, aber auch Alltägliches. Durch viele Lasuren verleiht sie den Personen und Gegenständen eine Anmutung, als könnten sie sich jeden Moment in Luft auflösen. Diese Technik ist so aufwändig, dass Corinne Wasmuth mehrere Monate braucht, um eines ihrer Werke zu vollenden. Die 1964 geborene Dortmunderin lebt heute in Berlin und Karlsruhe, wo sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste lehrt.

Beim Betreten des zweiten Stocks mit Arbeiten Myriam Holmes fällt zunächst eines auf: Es riecht sanft nach Seife. Das Schaffen der geborenen Mannheimerin dreht sich um Materialien, ihre Beschaffenheit und Gegensätzlichkeit. Holmes Installationen verlassen dabei nicht nur ihre Bildträger, sondern auch die Wände. Bis zur Decke reicht ihre goldene Installation „glanzgewebtes dazwischen“. Sie besteht aus Planen vom Boden ihres Ateliers, die Farbspuren ihrer Schaffensprozesse tragen. „Alles spiegelt sich in diesen Folien wider“, sagt Holme.

Für viele Werke müsse sie die Materialien aber zur Harmonie zwingen, wie die Vergoldung, die eigentlich nicht auf einer Plastikfolie halten kann. Sie biegt Aluminiumplatten, bis sie wie zerknittertes Papier wirken. Außerdem arbeitet sie mit pigmentierter Seife und schreibt sich in jedes ihrer Werke ein. So drückt sie etwa ihre Daumen in trocknende Seife, bis das Material  feine Risse bekommt – trotzdem bezeichnet sie sich selbst in erster Linie als Malerin. Für die Mannheimerin (1971), die nun an der Kunstakademie Düsseldorf lehrt, ist genau das erweiterte Malerei.

„Bei mir fragt man sich nicht was Malerei ist, sondern wo sie ist“, sagt Leni Hoffmann in ihrem großflächigen Ausstellungssaal im dritten Stock. Sie wurde 1962 in Bad Pyrmont geboren und lebt nun in Düsseldorf – auch sie hat eine Professur an der Akademie in Karlsruhe. Ihre Kunst möchte sie eigentlich gar nicht in Worte fassen, denn der Malereibegriff wird bei ihr noch weiter gedehnt als bei den anderen beiden Künstlerinnen.

Drei lange Teppiche aus Knete erstrecken sich fast durch den ganzen Raum. Dieses Werk vollendet sich jedoch erst am 18. Juni, am letzten Tag der Ausstellung. Dieses Kunstwerk aus Knete „under milkwood“ verändert sich mit jedem Besucher, der es betritt – und genau das ist die Intention. Der Besucher schreibt sich in ihre Arbeiten ein und nimmt nicht wie üblich nur die Stellung des Rezipienten ein. Wichtig ist der Künstlerin auch die Räumlichkeit. Sie nutzt sämtliche Gegebenheiten, bindet sie mit ein oder macht sie gar zu ihrem Kunstwerk. Selbst die Beleuchtung, die Lüftungsgitter und eine Tür gehören zu ihren Werken, so wie sie zum Raum gehören. Es komme auf die Begegnung an, sagt Hoffmann. Deshalb bezeichnet sie ihre Kunst auch eher als Raum-Zeit-Malerei.

Wettbewerb Der mit 20 000 Euro dotierte Kunstpreis der Sparda-Stiftung wird heuer zum dritten Mal verliehen. Wer in die Endrunde kommt, entscheidet eine Jury. Voraussetzung für die Nominierung ist ein Bezug der Künstler zu Baden-Württemberg. Wer den Kunstpreis erhält, wird am 30. Mai verkündet.

Publikumspreis Auch die Besucher haben eine Stimme. Sie vergeben den mit 5000 Euro dotierten Publikumspreis. Dessen Gewinner wird zum Ende der Ausstellung (18. Juni) bekanntgegeben.

Ausstellung Kunstmuseum Stuttgart, Kleiner Schlossplatz 1: Di bis So 10 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 21 Uhr.

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