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Als „Star Wars“ die Welt eroberte

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Es war einmal vor 40 Jahren in San Francisco. Der 25. Mai 1977 war ein grauer Tag. Um 10.45 Uhr war im Coronet Kino zum ersten Mal ein Film zu sehen, der von seinem Studio als so unwichtig eingestuft worden war, dass er nicht mal eine richtige Premiere bekam. In ganz Amerika lief er nur in 32 Kinos an. Die Film-Branche, so sie etwas vom Machwerk des eigensinnigen George Lucas gehört hatte, rechnete mit einem Flop.

Stattdessen wurde an dem Tag ein neues Kapitel der Filmgeschichte, ja der Populärkultur aufgeschlagen. Luke und Leia, Han Solo und Chewbacca traten auf und nie mehr ab. Laserschwerter, der Rasende Falke und der Todesstern eroberten nicht nur Leinwände, sondern auch Kinderzimmer und Kaufhäuser.

Man vermag sich kaum mehr eine Zeit ohne „Star Wars“ vorstellen, so omnipräsent sind die Saga und ihre Konsum-Galaxis heute in der Unterhaltungswelt. So ikonografisch sind Darth Vader und Yoda, C3PO und R2D2 geworden. So tief verankert in der Alltagskultur sind Floskeln wie „Möge die Macht mit dir sein“, John Williams‘ Fanfaren und Ralph McQuarries Designs. Es gibt Menschen, die Jediismus als Religion angeben. Nicht zuletzt hat „Star Wars“ eine Generation von Geschichtenerzähler geprägt.

Und noch immer ist „Star Wars“ für Kassenrekorde gut. Seit der Schöpfer seine Firma Lucasfilm und alle Markenrechte 2012 für vier Milliarden Dollar an Disney verkauft hat, blüht das Imperium erneut auf. Im Dezember kommt „Episode 8“ in die Kinos.

Ein unglaublicher Deal

Doch gehen wir zurück. Anno 1976 dreht der 32-jährige Lucas in London mit überwiegend unbekannten Akteuren seinen Weltraumfilm. Die Stimmung am Set ist mau, die Crew belächelt den schweigsamen Amerikaner. Was er da unter dem reißerischen Titel „Star Wars“ an Heldenreise-, Fantasy-, Comic- und Groschenroman-Elementen zusammengeschrieben hat, kann sich keiner auf der Leinwand vorstellen.

Schon gar nicht die Chefs der Produktionsfirma Fox. Das Budget haben sie mit elf Millionen Dollar nicht eben üppig bemessen. Fürs Regieführen begnügt sich Lucas mit 150 000 statt mit 500 000 Dollar Honorar – dafür bekommt er alle Rechte am Merchandising und an etwaigen Fortsetzungen. Im Rückblick ein unglaublicher Deal, machte er doch Lucas zum Milliardär.

Damals aber weiß keiner, wie der fertige Film aussehen und schon gar nicht, wie er wirken wird. Auch Lucas nicht – zumal keiner eine Ahnung hat, was die eigenbrötlerischen Spezialeffekte-Leute zustande bringen werden. Man erwartet einen Kinderfilm, Science Fiction ist in den 70ern meist eine alberne Sache.

Doch wie wurde der Streifen entgegen aller Erwartungen zum Phänomen? Das beschreibt Chris Taylor in „Wie Star Wars das Universum eroberte“ (Heyne). Eine Schlüsselfigur war Charley Lippincott, ein Genre-Fan und Film-Promoter, der die Kampagne für „Der weiße Hai“ gestaltet hatte und für „Star Wars“ ein neuartiges Marketing erfand.

Er setzte auf unorthodoxe Werbung in Science-Fiction-Fankreisen, ließ einen Roman zum Film schreiben, schloss mit Marvel einen Deal für Comic-Hefte, was damals wenig vielversprechend war. Bei der Fox „dachten sie ohnehin, ich sei der größte Idiot der Welt“, erinnerte sich Lippincott.

1976 besuchte er das Fan-Treffen Comic Con, zeigte Dias, verkaufte Poster für 1,75 Dollar, schilderte die Story und die Figuren – vor ein paar hundert Leuten. Er klapperte weitere Genre-Conventions ab, erreichte Schüler und Studenten und all die Nerds, die damals noch gar nicht so hießen. Langsam wuchs in der Science-­Fiction-Gemeinde das Interesse. Im Winter kam die Romanfassung auf den Markt und in die Bestsellerliste, er wurde als Fortsetzungsgeschichte in der „LA Times“ abgedruckt.

Fünf Tage vor Filmstart lud Lippincott den Kritiker der Branchenbibel „Variety“ zu einer Sondervorführung bei Fox ein – und dazu 20 College-Kids. Der Journalist warf Lippincott vor, sein Urteil durch eine Horde jubelnder Jugendlicher beeinflussen zu wollen. Tatsächlich waren die da, um danach über eine Telefonkette Altersgenossen anzurufen, um ihnen alles über den tollsten Film der Welt zu erzählen.

Die Kinobesitzer interessierten sich freilich nicht für „Star Wars“ – sie setzten in dem Frühjahr auf das Melodram „Jenseits von Mitternacht“ und William Friedkins Thriller „Atemlos vor Angst“. Kein Wunder, der Fox-Vertriebschef hatte zuletzt das Gerücht vernommen, „dass der Fox-Vorstand eingeschlafen war, als er den Film gesehen hatte, und dass der Film auf Eis gelegt werden sollte“, wie Chris Taylor schreibt.

Ein Hype entsteht

Auf Eis wurde er nicht gelegt, aber eben nur in 32 Kinos gestartet, an diesem 25. Mai 1977. Doch an dem Tag spielte „Star Wars“ 255 000 Dollar ein, 8000 pro Kino. So viel nahmen Kinos damals in einer Woche ein. Die Mund-zu-­Mund-­Propaganda setzte ein, viele Zuschauer gingen gleich wieder in die nächste Vorstellung, vor den Kinos bildeten sich Schlangen, darüber wiederum berichtete die Medien.

Offenkundig traf der Film einen besonderen Nerv der Zeit, erzählerisch, ästhetisch, atmosphärisch. Er war Balsam auf der durch Vietnam und Watergate angeknacksten amerikanischen Seele: Er entführte an faszinierende Orte, bot Eskapismus, Romantik und Mystizismus, er präsentierte neue Helden, die zur Identifikation einluden, und ein klares Gut-Böse-Schema. Und obwohl es um Konflikte, Kampf, eben um Krieg ging, wurde er als positive Utopie aufgenommen. Ein Hype entstand: Man musste „Star Wars“ gesehen haben. Und dann nochmal und nochmal.

Alsbald wollte jeder Kinobetreiber an der Sensation teilhaben, die Fox musste wie am Fließband Kopien herstellen. Die Kassenrekord-Meldungen rissen nicht ab, jedes Magazin brachte eine „Star-Wars“-Story. „Time“, die wichtigste US-Zeitschrift, titelte: „Der beste Film des Jahres“. Ende 1977 hatte „Star Wars“ „Der weiße Hai“ als erfolgreichster Film aller Zeiten abgelöst, sechs Oscars gab es obendrein.

In Deutschland startete der „Krieg der Sterne“ übrigens erst am 9. Februar 1978. Da machte sich George Lucas schon Gedanken zur Fortsetzung „Das Imperium schlägt zurück“. Er würde das von ihm ersonnene Film-Universum nie mehr loswerden.

Aber nochmal zurück zum 25. Mai 1977. Lucas weilte in Los Angeles und hatte trotz des Kino­starts den ganzen Tag an der Tonmischung des Films gearbeitet. Am Abend ging er mit seiner Frau ins Restaurant Hamburger Hamlet, direkt gegenüber des legendären Kinos Mann’s Chinese Theatre. Vor dem standen Massen. Dort lief „Star Wars“ – doch das wusste Lucas gar nicht. Als er erfuhr, was die Schlange bedeutete, war er erstaunt, wollte sein Glück aber noch nicht fassen.

Total erschöpft flog er kurz darauf mit Frau und Freunden  in den Urlaub nach Hawaii. Steven Spielberg, der gerade an „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ arbeitete, besuchte ihn. Die beiden bauten Sandburgen, schmiedeten Zukunftspläne – und erfanden Indiana Jones. Aber das ist eine andere Geschichte.

Saga Schlicht als „Star Wars“ kam der Film 1977 in die Kinos. Doch bereits die auf Anfang 1975 datierte, 1979 veröffentlichte vierte Drehbuchfassung trägt den Titel „Episode IV – A New Hope – from the Journal of the Whills“. Dabei ist aber unklar, wie früh George Lucas tatsächlich an eine Saga dachte. Von der Handlungs-­Chronologie her betrachtet, bilden heute die 1999 bis 2005 gedrehten Episoden eins bis drei die erste Trilogie. Die bahnbrechenden, 1977 bis 1983 gedrehten Filme „Star Wars“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ bilden die zweite Trilogie – die meisten Fans und Cineasten würden „Star-Wars“-Novizen aber dazu raten, diese alten Filme zuerst zu schauen. Mit „Das Erwachen der Macht“ ist Ende 2015 eine neue Trilogie begonnen worden, in diesem Dezember geht es mit der achten Episode „Die letzten Jedi“ weiter. abo

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