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Großeinsatz an der Aquarena in Heidenheim

Klagen von Schülern über Husten und Übelkeit führten zum Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften. Ein Chlorgas-Verdacht hat sich nicht bestätigt.

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Die allerersten Anzeichen deuteten auf einen klassischen Chlorgas-Unfall hin, und so war es wichtig, richtig und rasch zu reagieren. Genau das hat man am Mittwochnachmittag in der Aquarena getan, als ein Großaufgebot an Feuerwehr und Rettungskräften mobilisiert wurde, nachdem junge Schülerinnen über verdächtige Symptome geklagt hatten. Das verursachte in der Folge viel Aufregung, doch um so größer war die Erleichterung, als der Einsatz zweieinhalb Stunden später beendet und Entwarnung gegeben werden konnte – und feststand, dass keines der vorsorglich ins Klinikum gebrachten Schulkinder einen gesundheitlichen Schaden davongetragen hat.

Etwa 150 Besucher waren in der Aquarena

Das Geschehen hatte kurz vor 15 Uhr seinen Lauf genommen. Neben anderen Besuchern halten sich auch eine Schwimmgruppe und eine Schulklasse der Adalbert-Stifter-Realschule im Hallenbad auf, insgesamt höchstens um die 150 Personen, denn die Sonne hat den Zulauf an diesem Tag merklich gebremst. Die elf bis 13 Jahre alten Mädchen ziehen im großen Becken ihre Bahnen, als zwei auf Höhe der ins Obergeschoss führenden Treppe einen seltsamen Geruch wahrnehmen. „Wie frisch gemähtes Gras, aber sehr intensiv,“ berichtet eine der Sechstklässlerinnen später, die kurz nach dem Ausstieg aus dem Bassin ein Reizhusten überfällt. Zudem klagen sie über Übelkeit, und als nur wenig später auch andere Mädchen Ähnliches verspüren, wird vom Bad aus ein Notruf abgesetzt.

Die Maschinerie läuft an, und sie läuft wie geschmiert. Während auf dem Parkplatz ein Großaufgebot von 65 Feuerwehrleuten, fast 50 DRK-Rettungskräften, darunter vier Notärzte, und mehrere Streifenwagen der Polizei eintreffen, sorgt das in voller Stärke anwesende Aufsichtspersonal, dass das Bad samt angrenzender Sauna geräumt wird. Den Durchsagen wird zügig, aber ohne Anflüge von Panik Folge geleistet, und niemand murrt, dass man in der Eile einige Habseligkeiten in den Umkleideschränken zurücklassen muss. Sanitäter und Ärzte kümmern sich sofort um inzwischen 16 Schülerinnen, die alle angeben, dieselben Symptome zu verspüren. Sie werden fürs erste in mehreren der insgesamt 16 angerückten Rettungs- und Einsatzfahrzeugen untersucht.

Rätselraten, Mutmaßungen. Der Auslöser?

Fast gleichzeitig nehmen Schwimmmeister Wasserproben, ohne eine Chlorkonzentration feststellen zu können. Auch eine Überprüfung der Chlorgas-Anlage im Technikraum ergibt nichts Verdächtiges, sie läuft ohne erkennbaren Defekt. Fachberater der Feuerwehr, die mit dem großen Gefahrgutzug angerückt ist, können bei ihren Untersuchungen nichts Gegenteiliges feststellen. Rätselraten, Mutmaßungen. Der Auslöser? – „Das kann alles gewesen sein,“ meint einer der Ärzte, wobei die bei der ersten Einsatzbesprechung aufgezeigte Palette von Pfefferspray über eine Stinkbombe bis hin zu einem Lkw reicht, der möglicherweise draußen vor der Belüftungsanlage mit laufenden Motor gestanden ist. Genaues freilich weiß man nicht, ist auch nicht mehr festzustellen.

Immerhin soviel, dass sich schon bei der ersten Einsatzbesprechung eine gewisse Entspannung andeutet. Neben Feuerwehr-Einsatzleiter Karl-Heinz Wenzel stehen Stadtwerke-Direktor Dieter Brünner und auch der auf den Galgenberg geeilte Oberbürgermeister Bernhard Ilg in der Runde, hören dem Leitenden Notarzt Dr. Andreas Köberer zu, der zu diesem Zeitpunkt von völlig unspezifischen Symptomen spricht. „Auf der Lunge hört man nichts,“ berichtet er und glaubt, dass da nichts Größeres im Spiel sein kann, was die geschilderten Atemwegsreizungen verursacht hat. „Da ist auch viel Gruppendynamik dabei.“

Zweite Einsatzbesprechung: Feuerwehr gibt Entwarnung

Wenig später sind die Umkleiden wieder frei, nachdem auch dort die Messgeräte nicht angeschlagen haben. Die sorgsam registrierten Badegäste können ihre zurückgelassenen Sachen holen, während im Foyer die ersten der zunächst erschrockenen, dann erleichterten Eltern eintreffen, um die hier versammelten Kinder in Empfang zu nehmen. Da und dort kümmern sich Angehörige der psychosozialen Notfallversorgung um Badegäste, die aus verständlichen Gründen durcheinander sind, und auch Jörg Glückschalt, der Schulleiter des Schulverbundes im Heckental, ist zugegen. Bei der zweiten Einsatzbesprechung gibt die Feuerwehr Entwarnung, und auch das ärztliche Bulletin klingt gut. Sechs der 16 versorgten Kinder sind mit ihren Eltern nach Hause gegangen, zehn sind vorsorglich ins Klinikum gebracht worden – aber nur ambulant, wie versichert wird. „Ich bin nur froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist,“ sagt Schulleiter Glückschalt, und sein ausdrücklicher Dank geht an alle Einsatzkräfte, die so zackig da waren und kompetent gehandelt haben. Aber für die ist der Ausnahmefall die Normalität. „Schon gut“, sagt der Feuerwehr-Chef stellvertretend für alle, „gern geschehen“.

Aquarena bleibt bis Freitag geschlossen

Geschlossen blieb die Aquarena am Mittwoch sicherheitshalber auch nach dem Vorfall – und geschlossen bleibt das Bad auch am Donnerstag, an dem die technischen Anlagen von einer Fachfirma inspiziert werden.

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