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Weltkriegsbomben: Hermaringen vertraut Zeugen statt Kampfmittelexperten

Liegen unter der Brenzbrücke Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg? Der Hermaringer Gemeinderat verzichtet auf die Auskunft von Kampfmittelexperten und vertraut auf Zeitzeugen.

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Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Untergrund der Brenzbrücke an der Kronenstraße explosive Hinterlassenschaften aus dem Krieg zu finden sind? Vermutlich gering, dennoch beschäftigte diese Frage die Hermaringer Gemeinderäte in ihrer letzten Sitzung sehr.

Worum geht es? Für den Neubau als Ersatz für die marode Brenzbrücke müssen weitere Baugrunduntersuchungen stattfinden, für die bis zu zehn Meter tief gebohrt werden muss. Dafür verlangt die Firma eine Bestätigung, dass der Boden frei von Kampfmitteln ist. Die Haftung liegt bei der Gemeinde, es sei denn, sie holt eine Auskunft beim Kampfmittelbeseitigungsdienst ein.

Das Problem ist aber, dass die voraussichtliche Bearbeitungsdauer dort mindestens 32 Wochen betragen würde, wie Bürgermeister Jürgen Mailänder erläuterte. Damit würden die weiteren Arbeiten für den Neubau der Brücke erst einmal auf Eis liegen.

Brücke im April 1945 gesprengt

Stattdessen hat die Gemeinde Auskunft von Zeitzeugen eingeholt: Demnach sei die Brücke nicht bombardiert, sondern im April 1945 von deutschen Soldaten gesprengt worden. Auch Hanns Stanger, der seit vielen Jahren die Geschichte Hermaringens dokumentiert, bestätigt diese Version. 1948 sei dann die jetzige Brücke am gleichen Standort neu gebaut worden.

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ dürften an dieser Stelle folglich keine Bomben zu finden sein, so der Bürgermeister. Wenn man allerdings ganz sicher sein wolle, müsste man sich an die Kampfmittelexperten wenden und damit würde sich der Baubeginn deutlich verzögern.

Das sei eine Frage mit „explosivem Charakter“, befand Hans-Dieter Diebold (WdA). Und er fragte unverblümt: „Wer hat das verpennt?“ Dass die Brücke gebaut wird, wisse man ja schon länger. Mit einer so langen Bearbeitungszeit für die Auswertung von Luftbildern habe man nicht gerechnet, erklärte Mailänder. Hätte man aber wissen können, konterte Stefan Czichon (WdA), denn auf der Homepage werde auf die lange Wartezeit hingewiesen. Er werde sich das in jedem Fall nicht antun und die Verantwortung übernehmen, kündigte er an.

Robert Schmid (CDU-FWG) war da gelassener: Ein Restrisiko bleibe sicher immer, aber die Leute hätten damals die Brücke sicher nicht an der gleichen Stelle errichtet, wenn da wenige Jahre zuvor Bomben abgeworfen worden wären, argumentierte er.

Letztendlich müsse in dieser Frage wohl jeder für sich selber entscheiden, so seine Fraktionskollegin Ute Kölbel.

Mit zwei Gegenstimmen einigte man sich darauf, auf die Prüfung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst zu verzichten.

Die Baugrunduntersuchungen wurden zum Angebotspreis von rund 9100 Euro an die Firma Terrasond vergeben. Die geologische Bohrbegleitung übernimmt Dr. Wolfgang Bausch für rund 2000 Euro. Zurückgestellt wurde die Vergabe weitere Ingenieurleistungen für die Objekt-, Tragwerks- und Verkehrsplanung an das Ingenieurbüro Gansloser. Hans-Dieter Diebold hatte den Antrag gestellt, erst einmal die Ergebnisse der Baugrunduntersuchung abzuwarten, damit man genauer wisse, wie es weiter geht. Dies wurde bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen so beschlossen.

Ziel ist es, möglichst über den Winter die Ausschreibungen für den Abbruch der Brücke zu erledigen, sodass im Sommer nächsten Jahres der Abriss erfolgen könnte. Laut Plan sollte die neue Brücke dann Mitte des Jahres 2019 fertiggestellt sein.

Für die Gesamtkosten von etwa 1,25 Millionen Euro bekommt die Gemeinde Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm und dem Ausgleichsstock, so dass der Eigenanteil rund 340.000 Euro betragen wird.

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