Partner der

Welterbe: Eiszeithöhlen sind Spitzenreiter

Eine große Hürde für das große Ziel ist genommen: Die deutsche Kultusministerkonferenz hat am Donnerstag in Berlin beschlossen, die Eiszeithöhlen des Lone- und Achtals – und damit die Vogelherdhöhle bei Stetten – als deutschen Antrag zur Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco in Paris einzureichen.

|
Die Vogelherdhöhle vor Anlage des Archäoparks: Die Chance, dass die berühmte Eiszeithöhle zusammen mit anderen Höhlen aus Lone- und Achtal zur Unesco-Welterbestätte wird, ist durch die Aufnahme auf Platz eins der deutschen Vorschlagsliste enorm gestiegen.  Foto: 

Der baden-württembergische Vorschlag „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ wurde auf die sogenannte Tentativliste – eine Vorschlagsliste der Länder für Antragstellung als Welterbe in den nächsten Jahren – aufgenommen, so das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg als oberste Denkmalschutzbehörde.

Und das auf einem äußerst aussichtsreichen Rang: Die Eiszeithöhlen wurden auf den ersten Platz der deutschen Liste gesetzt. „Die Höhlen der Schwäbischen Alb haben einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg zum Unesco-Welterbe gemacht. Bis zum Welterbe-Status ist es aber noch ein langes Verfahren“, sagte Staatssekretär Ingo Rust.

Antrag umfasst sechs Höhlen

Sechs Höhlen aus den Landkreisen Heidenheim und Alb-Donau-Kreis umfasst der Antrag. Neben der Vogelherdhöhle (Funde unter anderem Mammut- und Wildpferdfigur) sind dies im Nachbarkreis im Lonetal die Höhlen Hohlenstein-Stadel (Fundort des Löwenmenschen) und Bockstein (Neandertaler-Fundplatz) sowie im Achtal die Höhlen Geißenklösterle (Fundort Vogelknochen-Flöte), Hohle Fels (Fundort Venusfigur) und Sirgensteinhöhle (Fundort Neandertaler und anatomisch moderner Mensch). Die archäologischen Funde der berühmten, aus Mammutelfenbein geschnitzten Tierfiguren und der Musikinstrumente aus Elfenbein und Knochen mit einem Alter von bis zu 40 000 Jahren, die in diesen Höhlen gemacht wurden, gelten als älteste figürliche Kunstwerke der Menschheit.

Der Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste soll bei der Unesco zum 1. Februar 2016 gestellt werden. Die Unesco selbst wird erst danach ihre Entscheidung fällen.

„Die Aufnahme auf die Tentativliste ist ein toller Erfolg für die Landesdenkmalpflege und für die damit befassten Kommunen, Institutionen und Arbeitsgruppen“, so Rust. Die Kultusministerkonferenz war der Auffassung eines internationalen Fachbeirats gefolgt, der die Anfang 2013 eingereichten 31 Vorschläge aus 13 deutschen Bundesländern bewertet hatte.

Ministerin Theresia Bauer vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Der Vorschlag aus Baden-Württemberg erfüllt das entscheidende Kriterium des außergewöhnlichen universellen Wertes.“ Die Einordnung des Fachbeirats hatte auch die „Zugehörigkeit zu einer unterrepräsentierten Kategorie“ umfasst, mit der auf die „Lückenstudie“ der Unesco Bezug genommen wird. 

Freude beim Förderverein

Freude löste die Nachricht über die Aufnahme auf Platz eins unter anderem beim Archäologen und Leiter der Nachgrabungen am Vogelherd, Prof. Nicholas J. Conard von der Universität Tübingen, aus. An die „Freunde der Urgeschichte und Höhlen der Alb“ schrieb er: „Wenn das Wirtschaftsministerium den Antrag gut vorbereitet, werden wir in Paris in offene Türen laufen. Wir haben jetzt sehr gute Karten und diese Entscheidung schafft die Voraussetzung für alles, was noch kommen wird. Ein Glas Sekt ist heute angemessen.“

Auch Hermann Mader, Vorsitzender des Eiszeitkunst-Fördervereins, gab seiner Freude deutlichen Ausdruck: „Auf jeden Fall freuen wir uns riesig. Ein wichtiger Schritt. Die Unesco ist jetzt dran.“ Und er fügte an, was alle Beteiligten jetzt zuversichtlich erwarten: „Doch da hoffe ich, dass es klappen wird.“

Info Die Unesco-Welterbekonvention von 1972 gilt als international bedeutendstes Instrument zum Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes der Völkergemeinschaft. In Baden-Württemberg gibt es bislang vier Welterbestätten: das Kloster Maulbronn, die Insel Reichenau, der Obergermanisch-Rätische Limes und die Pfahlbauten um die Alpen.
Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Brutaler Überfall auf Obdachlose in Notunterkunft in Heidenheim bleibt ungesühnt

Vom Jugendschöffengericht wurden drei junge Männer freigesprochen. Ihnen hatte man vorgeworfen, die städtische Notunterkunft überfallen zu haben. weiter lesen