Partner der

Versteckspiel auf dem Bauhof

NATTHEIM. Der Bauhof in Nattheim ist ein ideales Trainingsgelände für Rettungshunde. Etwa dreimal im Jahr probt die Heidenheimer Staffel hier den Ernstfall. Doch die Hunde brauchen Alternativen. Denn trainiert wird jede Woche. Und bei jedem Wetter.

|
War ja einfach: Keine Probleme hatte Fährtenhund Matze beim Aufspüren des vermeintlich vermissten Zugführers Uwe Köninger (rechts) auf dem Gelände des Nattheimer Bauhofs. Kaum hinterher kam Herrchen Michael Höll (hinten), Vorsitzender der Rettungshundestaffel Heidenheim.  Foto: 

Lediglich für den Bruchteil einer Sekunde hält Michael Höll, Vorsitzender der Rettungshundestaffel Heidenheim, seinem Hund Matze die Armbanduhr eines vermeintlich Vermissten unter die Schnauze. Schon hat der Terrier-Mischling die Witterung aufgenommen und prescht los an diesem regnerischen Mittwochabend. Quer über das Gelände des Nattheimer Bauhofs. „Er läuft jetzt genau den Weg, den die vermisste Person zuvor gegangen ist“, erklärt Höll, der kaum hinterher kommt. Keine Frage: Matze weiß, wo es lang geht. Keine fünf Minuten später hat der Fährtenhund den Vermissten gefunden, der sich als Zugführer Uwe Köninger entpuppt. Gut gemacht. Wenn es nur immer so schnell ginge.

„Wir machen es den Hunden nicht immer so leicht. Das ist es ja auch in der Realität nicht“, erklärt Ausbilderin Saskia Skudnik. Aber so sei es eben anschaulicher. Der Bauhof Nattheim jedenfalls sei zum Üben optimal. „Wir können auf dem weiträumigen Gelände die unterschiedlichsten Situationen nachstellen“, sagt Skudnik. Mal draußen und auch mal drinnen. Mal hell, mal dunkel und die Geruchspalette erstreckt sich vom Motoröl bis zum Holz. „Dann sind die Hunde auch im Einsatz sicherer.“

Hunde sind "ja nicht blöd"

Zwei- bis dreimal im Jahr probt die Rettungshundestaffel Heidenheim auf dem Nattheimer Bauhof den Ernstfall. „Das unterstützen wir sehr gerne“, bekräftigt Bauhofleiter Edwin Binder, der mitunter auch schon die Freiwillige Feuerwehr zu Gast hatte, die auf dem Gelände ganze Fahrzeuge zerlegt hat. Die Hunde aber brauchen Abwechslung, „denn sie sind ja nicht blöd“, sagt Michael Höll. „Je mehr Auswahl wir haben, desto besser.“ Schließlich könne nicht immer im Wald trainiert werden – sei es wegen Jungwild oder einer zu hohen Schneedecke im Winter. „Deshalb sind wir sind dankbar für jedes Gelände, das uns zur Verfügung gestellt wird“, so Höll.

Denn geübt werden muss jeden Sonntag, immer von 11 Uhr bis etwa 16 Uhr. „Wöchentliches Training ist wichtig, insbesondere für Hunde in der Lernphase“, erklärt Saskia Skudnik. „Sonst wären die Pausen zu lange und wir müssten immer wieder von vorn anfangen.“ Mittwochs werden die Ernstfall-Übungen durch Theorie und Gerätetraining ergänzt. „Es geht darum, den Hund zu verstehen, Zeichen richtig zu deuten“, erklärt Skudnik. „Diese Kommunikation muss gelernt werden.“ Auch das Lesen von Karte und Kompass gehört dazu, ebenso wie regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse. Letztere sind für Hundeführer Pflicht und müssen im Rhythmus von zwei Jahren erneuert werden.

Jeder Hund bekommt eine Chacne

Einsatzfähig sind die Hunde in der Regel nach drei Jahren und nachdem Hund und Hundeführer die Prüfungsphase erfolgreich durchlaufen haben. Unterschiede werden keine gemacht: „Ich gebe jedem Hund eine Chance, der einigermaßen menschenverträglich ist“, beteuert Skudnik. Große Hunde seien zwar kräftiger, kleine könnten dafür schon mal unter einem Gebüsch durchschlüpfen.

Und auch potenzielle Hundeführer müssen vorab nicht mehr nachweisen als die Bereitschaft, nachts um halb eins aufzustehen und mehrere Stunden durch den Wald zu laufen – nebst Zeit für das aufwendige Training eben. Mitmachen kann also im Grunde jeder, sogar ohne Hund. „Kein Hundeführer darf alleine losziehen“, sagt Zugführer Uwe Köninger. „Dementsprechend sind Suchgruppenhelfer, die funken sowie Karte und Kompass lesen können, sehr wichtig für uns. Sonst könnten wir nur wesentlich kleinere Gebiete abdecken.“

Die Rettungshundestaffel Heidenheim ist eine von 80 im Bundesverband und arbeitet ausschließlich ehrenamtlich, finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Das Benzin für Anfahrten zahlen die 28 aktiven Mitglieder aus dem Heidenheimer und umliegenden Landkreisen selber. „Dazu gehört schon viel Engagement“, so Köninger. Aber es sei auch ein tolles Gefühl, Leben retten zu können. Nur leider komme genau das nicht so oft vor, wie man sich das wünschen würde.

Einsätze vor allem im Winter

14 Einsätze zählte die Rettungshundestaffel Heidenheim im vergangnen Jahr. Diese wird im Ernstfall von der Polizei alarmiert, meist abends und bevorzugt im Winter, wenn die Kälte zur ernsten Bedrohung wird. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei hier ist wirklich gut“, sagt Köninger. Zwar gebe es auch Fehlalarme, diese seien aber letztlich Ausdruck der Wertschätzung. „Wir sehen: Sie rufen uns.“

Mittels Internetportal werden SMS an die Mitglieder verschickt, in denen steht was und wo es passiert ist. Am Treffpunkt wird das Gebiet in Abschnitte unterteilt, die den Teams zugeteilt werden. Dann heißt es Suchen, Felder und Wälder durchkämmen, zur Not die ganze Nacht. „Zum Frühstück gibt es Energie-Drinks und dann gehen wir zur Arbeit, bis neue Hinweise eintreffen und wir die Suche fortsetzen können“, erzählt Michael Höll. Doch jede Unterbrechung bringe ein beklemmendes Gefühl mit sich, das spätestens dann zur psychischen Belastung werde, wenn die vermisste Person nur noch tot geborgen werden kann. „Wir haben bisher alle Personen gefunden oder sie sind anderweitig wieder aufgetaucht. Leider nicht immer lebendig.“

Die Rettungshundestaffel Heidenheim ist stets auf der Suche nach neuen Mitgliedern und freiwilligen Helfern. Interessierte können sich unter www.rettungshunde-heidenheim.de informieren.
Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

5 Millionen Euro stehen vom Landkreis fürs Klinikum Heidenheim bereit

Zur Unterstützung des Heidenheimer Klinikums plant der Landkreis einen Solidaritätszuschlag. Die Kommunen sollen über die Kreisumlage mithelfen. weiter lesen

22LTX