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Ramensteinbad: Schwimmen nur für Frauen kommt gut an

Im Ramensteinbad gibt es seit September jeden zweiten Mittwochabend Frauenschwimmen. Das kommt besser an, als zuerst gedacht.

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Auf Initiative der Nattheimerin Ayten Demiröz hat die Gemeinde im Ramensteinbad das Frauenschwimmen als neues Angebot aufgenommen. Dabei kommen stets zwischen 30 und 40 Frauen.  Foto: 

Gekicher, Getuschel, einzelne Wortfetzen – dass vor dem Eingang des Ramensteinbades einiges los sein muss, ist bis hinunter zum Parkplatz zu hören. Es ist Mittwoch, kurz vor 21 Uhr – und damit normalerweise Schließungszeit. Nicht so heute: An die 30 Frauen haben sich dort getroffen, bereit, am späten Abend ihre Bahnen im Schwimmbad zu ziehen.

Seit Anfang September wird in Nattheim alle zwei Wochen das sogenannte Frauenschwimmen angeboten – und bisher mehr als gut angenommen: 40 Frauen beim ersten Termin, und auch beim zweiten stehen fast 30 ungeduldig am Drehkreuz. Auffällig: Die allermeisten von ihnen tragen Kopftuch. „Genau das ist ja der Grund, weshalb ich dieses Angebot wollte. Wir können sonst nirgends schwimmen gehen, weil wir uns vor Männern nicht ohne Kopftuch zeigen“, sagt die Nattheimerin Ayten Demiröz, die das Frauenschwimmen initiiert hat.

Als der letzte Mann an diesem Abend das Bad verlässt, ist das gleichzeitig der Startschuss für die Frauen und Mädchen, die Umkleidekabinen zu stürmen und sich möglichst schnell umzuziehen. Schließlich bleiben ihnen nur eineinhalb Stunden – da will jede Minute genutzt sein. Demiröz nimmt sich trotzdem die Zeit und erklärt, während die anderen schon im Becken planschen, wie die Idee zustande kam.

„Es war die Diamantene Hochzeit meiner Schwiegereltern, zu der auch Bürgermeister Bereska kam, um zu gratulieren. Wir haben uns dann über Sport unterhalten und sind darauf gekommen, dass wir Musliminnen eigentlich keine Möglichkeit haben zu schwimmen“, sagt Demiröz. Daraufhin habe sie offiziell beim Rathaus angefragt – und im Mai eine positive Rückmeldung erhalten. „Vorher musste erst abgeklärt werden, inwiefern wir das anbieten können, da ich die einzige weibliche Aufsichtskraft im Bad bin“, erzählt Sonia Thur, die seit einem Jahr im Ramensteinbad tätig ist und an den Mittwochabenden die Aufsicht übernimmt. Das sei auch der Grund, weshalb das Frauenschwimmen nur alle zwei Wochen stattfinden könne – „ich habe ja nur alle zwei Wochen Spätdienst.“

Die Frauen, die an diesem Abend im Becken sind, kommen nicht nur aus Nattheim, sondern auch aus Steinheim, Aalen, Neresheim, Gerstetten, Heidenheim und Kösingen. Bunt gemischt auch die Kleidung: Die einen im Bikini, die anderen im Badeanzug und manch eine auch in T-Shirt und Leggins. „Wir haben eigentlich so um die 15 Frauen erwartet und waren schon beim ersten Mal völlig überrascht, wie viele dann doch kamen. Dabei sind nicht nur Türkinnen oder Frauen aus arabischen Ländern dabei, sondern immer auch ein paar Deutsche“, so Thur. Denn das Angebot ist offen für alle ab 14 Jahre – so ist es nicht weiter verwunderlich, dass etliche Jugendliche gemeinsam mit den älteren Frauen ihre Bahnen ziehen.

„Es ist einfach super, dass das hier möglich ist. Die Frauen sind so glücklich, schwimmen zu können, und haben einfach Spaß – das letzte Mal sind sogar die älteren Damen gerutscht“, erzählt Demiröz. Sonia Thur jedenfalls und ihre Kollegin Ursula Marotte, die als Badefrau tätig ist, sind gerne beim Frauenschwimmen dabei. „Es ist zwar außerhalb der normalen Öffnungszeiten und letztlich sind wir dann fast bis Mitternacht hier, aber es ist einfach ein schönes Angebot“, so Thur.

Der bisher einzige Wermutstropfen: Viele der Frauen können noch überhaupt nicht schwimmen. „Klar, sie hatten ja sonst kaum Gelegenheit dazu, wie sollen sie es da lernen. Deshalb wäre ein Schwimmkurs wirklich toll“, sagt Demiröz. Vor allem, weil es wegen des derzeit defekten Hubbodens kein Nichtschwimmer-Becken gibt. Ein solcher Kurs aber ist bislang nicht möglich, denn Thur kann nicht gleichzeitig Aufsichtsperson und Schwimmlehrerin sein. „Aber wer weiß, wie sich das entwickelt“, sagt sie.

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Kommentare

12.11.2016 14:35 Uhr

Hervorragende Idee

Eine prima Idee, die gut umgesetzt wurde.
Durch diese zusätzliche Öffnungszeit wird niemand in irgendeiner Weise benachteiligt und Frauen haben eine Möglichkeit, etwas für ihre Gesundheit und soziale Vernetzung zu tun, ebenso für die eigene Sicherheit und die Sicherheit ihrer Kinder, wenn sie so zukünftig schwimmen lernen können.
Weiter so.
Dank an den Bürgermeister und die Angestellten für diese gute Initiative.

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12.11.2016 12:00 Uhr

Unfassbar

Wirklich unfassbar wie hier mal wieder auf Muslime und deren Befinden Rücksicht genommen wird.

Wer Schwimmen will kann das zu den allgemeinen Öffnungszeiten machen und braucht keine Extrawurst. Wer sich ohne Kopftuch Männern nicht zeigen will soll gefälligst in seinem Land bleiben !

Wer sich hier in Deutschland nicht anpassen will hat hier nichts verloren und gehört abgeschoben, so einfach ist das !!!

Und an den Herrn Bürgermeister noch einen Satz. Sie gehören abgewählt, um das ganz klar zu sagen !!!

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