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Privatinitiative sorgt für Glasfaser-Anschluss in Gussenstadt

Gussenstadt ist ab sofort ans Glasfasernetz angeschlossen. Zu verdanken ist das der örtlichen Energiegenossenschaft.

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Startschuss fürs schnelle Internet in Gussenstadt: Bernhard Palm von der Net Com BW, Bürgermeister Roland Polaschek, Thomas Häcker von der Gussenstadter Energiegenossenschaft und der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter.  Foto: 

In Gussenstadt konnte man gestern die erfolgreiche Inbetriebnahme des Glasfasernetzes feiern. Zu verdanken hat man das schnelle Internet letztlich der örtlichen Biogasanlage. Gleich mehrere innovative Ideen haben hier ihren Ursprung: Um die Wärme, die bei der Biogasanlage entsteht, nicht ungenutzt verloren gehen zu lassen, hat man als Energiegenossenschaft Gussenstadt ein Nahwärmenetz aufgebaut. Bei der Verlegung der Rohre wurde auch gleich Glasfaser verlegt.

Etwa die Hälfte der Haushalte in Gussenstadt habe man inzwischen erschlossen – und das bislang komplett ohne Fördermittel, so Thomas Häcker, Vorsitzender der Genossenschaft. Mit 220 000 Euro sei man dafür in Vorleistung gegangen, so Häcker. Dabei sei anfangs noch nicht klar gewesen, ob für das Projekt überhaupt ein Provider gefunden werden kann.

Es konnte: die Net Com BW GmbH stieg mit ins Boot. Deren Geschäftsführer Bernhard Palm brachte gestern einen großen roten Startknopf mit auf die Alb. Damit sollte symbolisch der Start in ein neues Internet-Zeitalter eingeleitet werden: Aufgebaut wurde der rote Knopf vor einem Verteilerkasten an der Steigäckerstraße 18 nahe der Gussenstadter Grundschule. Um kurz nach 11.30 Uhr drückten Bernhard Palm, Bürgermeister Roland Polaschek, Landrat Thomas Reinhardt, CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter und Thomas Häcker gemeinsam auf den Button.

2495 Euro kostet der Anschluss einmalig für Hauseigentümer. Der Preis beinhaltet den Hausanschluss von der Straße bis zum Haus. Von der Grundstücksgrenze bis zur Hauswand wird dabei ein Graben erstellt zum Verlegen der Rohre. Anschließend wird der Graben wieder verschlossen. In die Hauswand wird ein Loch mit einem Durchmesser von 40 Millimeter gebohrt für den Zugang des Glasfaserkabels.

„Privatinitiativen sehr wichtig“

Viel Lob gab es seitens der NetCom BW als Partner. Man sei sehr froh über solche Privatinitiativen, so Palm. Laut verschiedenen Berechnungen verdopple sich die Datenmenge in den Netzen alle zwei Jahre. Die Praxis zeige allerdings, dass die Datenzunahme sogar noch rasanter verlaufe. „Der Bedarf an Glasfasernetzen wächst schneller, als wir die Netze bauen können“, zieht Palm Bilanz, „deshalb sind solche Privatinitiativen sehr wichtig.“

Eine Biogasanlage, ein Nahwärmenetz und dann auch noch Leerrohre für Glasfaser – und das alles durch Eigeninitiative: „Was in Gussenstadt passiert, ist schon etwas ganz besonderes“, betonte auch Landrat Thomas Reinhardt und lobte das „vorbildlichen Projekt“ und die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten. Er möchte das Gussenstadter Projekt für eine europäische Auszeichnung vorschlagen.

In Gussenstadt werde bewiesen, dass Energiewende und Zukunftssicherheit einander nicht ausschließen, gratulierte Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter. Er zeigte sich beeindruckt vom Engagement und dem Mut der über 100 Familien und der rund 20 Landwirte, die sich trotz Risikos innerhalb der Genossenschaft für das Projekt eingesetzt hatten.

In Gerstetten wird viel erreicht

Nicht nur das Glasfaserprojekt, auch der Neubau der Dettinger Lindenhalle und die neue Umgehungsstraße, die man sich erkämpft habe, sowie der neue Dorfladen in Heuchlingen, der von Bürgern initiiert wurde: Es sei beeindruckend, was auf der Gerstetter Gemarkung alles erreicht werde. „Hier zeigt man Heidenheim, Aalen, Stuttgart und Berlin, was mit privatem Engagement alles geleistet werden kann“, so Kiesewetter.

Als „Meilenstein für die Gerstetter Alb“ bezeichnete Bürgermeister Roland Polaschek das Projekt. Nun könne man in Gussenstadt mit 100 MBit/s und mehr ins Internet: „Betriebe bekommen auch über 1000 MBit/s, wenn sie wollen – und das immer voll verfügbar.“

Nun gelte es, Wege zu finden, um auch den Rest der Gesamtgemeinde ans superschnelle Internet anzuschließen. „In Dettingen und Heldenfingen wollen wir auch in dieser Richtung tätig sein“, verriet Polaschek schon einmal.

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