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Pilz bedroht Eschen rund um Herbrechtingen

Auch in den Wäldern rund um Herbrechtingen hinterlässt das Falsche Weiße Stängelbecherchen zunehmend seine unerwünschten Spuren.

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Da hilft kein Tarnen und kein Täuschen: Auch abseits des Weges fällt der geübte Blick von Stadtförster Martin Müller auf die Spuren, die ein Eschensplintkäfer unter der Borke eines bereits geschädigten Baumes hinterlassen hat.  Foto: 

Hymenoscyphus pseudoalbidus. Während die meisten bereits mit der korrekten Aussprache dieses Namens ihre Schwierigkeiten haben, bereitet der unscheinbare Waldbewohner Stadtförster Martin Müller aus einem anderen Grund Kopfzerbrechen: Hinter Hymenoscyphus pseudoalbidus verbirgt sich das Falsche Weiße Stängelbecherchen, ein Pilz, der auch in Herbrechtingens Wäldern das Überleben der Eschen bedroht.

Müller braucht am vergangenen Dienstag – es ist der Tag des Baumes – nicht lange zu suchen, um in der sogenannten Abteilung Kahlschlag an der Bolheim mit dem Ugenhof verbindenden Straße ein geeignetes Anschauungsobjekt zu finden: Bestenfalls vier Meter hoch ist die Esche, auf die sein Blick fällt, und doch hat sie bereits das Ende ihres Wachstums erreicht.

Wasserversorgung unterbrochen

Die Krone dürr, Äste und Stamm ausgetrocknet, die Rinde großflächig abgeplatzt – mit diesem Anblick ist kein Staat mehr zu machen. Gefallen an dem Zustand fand zuletzt gerade noch ein Eschensplintkäfer, der sein markantes Fraßbild hinterlassen hat.

Dieses nimmt sich zwar vergleichsweise filigran aus, hat für den Baum aber verheerende Auswirkungen: Seine Quergänge unterbrechen die Bahnen im Splintholz, in denen Wasser und Nährsalze Richtung Krone geleitet werden. Folge: Der Baum stirbt.

Der Splintkäfer lässt es sich mit Vorliebe dort gutgehen, wo Bäume bereits geschädigt sind. Bei den Eschen sorgt dafür zunehmend besagtes Falsches Weißes Stängelbecherchen.

Seit 1990 bekannt

In den 1990er-Jahren machte es zunächst in Polen Negativschlagzeilen, 2006 zeigten sich dann auch in Baden-Württemberg Schäden. In der Folgezeit nahmen die Fälle zu, laut Müller „seit 2014 rapide“.

Ende 2011 waren landesweit bereits 8500 Hektar betroffen. Beschränkte sich die Erkrankung zunächst vor allem auf junge Bestände, macht sie längst auch vor Althölzern nicht mehr Halt. Wie im Eselsburger Tal, wo im Januar die Säge angesetzt wurde. Das geschieht Müller zufolge, solange sich die Eschen vermarkten lassen. Andernfalls bleiben sie stehen, bis sie irgendwann aus dem Landschaftsbild verschwunden sind.

Sporen verbreiten den Pilz weiter

Das ist unbedenklich, weil befallenes Holz nicht infektiös ist. Auslöser des Übels sind vielmehr die über die Luft verbreiteten Sporen des Pilzes. Landen sie bei hinreichender Feuchte und Wärme auf den grünen Blättern der Esche, so ist es um diese geschehen: Sie werden schwarz. Mehr noch – die Rinde verfärbt sich, und der Mitteltrieb stirbt ab.

Der Baum entwickelt daraufhin Seitentriebe, die zu einer Verbuschung führen. Aufgrund des deformierten Wachstums lässt sich die Esche nicht mehr nicht mehr wie gewohnt verkaufen. Das trifft vor allem die Möbelindustrie, die das harte und elastische Holz gerne verwendet. Auch zur Herstellung von Sportgeräten, Stielen und Werkzeugen ist es geeignet.

Die Esche stellt eine Alternative an Standorten dar, an denen sich Eiche und Buche schwertun. Noch bleibt die Hoffnung, dass ihr das Schicksal der vielerorts abgestorbenen Ulmen erspart bleibt. Viele Eschen sind nämlich offenbar resistent gegen den Pilz. Noch laufen wissenschaftliche Untersuchungen, weshalb das so ist.

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