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Orgel wird gründlich gesäubert und restauriert

Zum Reinigen der Pfeifen werden Handschuhe angezogen. „Damit keine Flecken bleiben“, sagt Friedrich Tzschöckel. Weil die Orgel in der evangelischen Kirche 993 Pfeifen hat, haben der Orgelbaumeister und seine drei Mitarbeiter noch einige Wochen auf dem Lindenberg zu tun, damit wieder eine durch Luft erzeugte Fülle des Wohllauts die Kirche erfüllt.

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Dem Schmutz keine Chance: Sorgfältig wird die Bolheimer Orgel gesäubert.  Foto: 

Von einer „konservierenden Restaurierung“ spricht Tzschöckel. Denn nicht nur die Pfeifen werden gereinigt. Die Spezialisten aus Althütte im Rems-Murr-Kreis säubern 24 Jahre nach der letzten Inspektion bis in den letzten Winkel das komplette Innenleben der Orgel, damit diese wieder einen „sauberen Klang“ hat.

Ersetzt werden auch defekte Teile, verhärtetes Gummituch an den Bälgen und Filzgarnierungen. Wie skelettiert wirkt derzeit das Orgelgehäuse, das 1836 Victor Gruol gebaut hat. 1890 erhielt die Orgel ihr klassizistisches Äußeres und sie wurde von der Giengener Orgelbaufirma Link auch erweitert. Die Schleifladen wurden durch Kegelladen ersetzt, womit jede Pfeife ein eigenes Ventil bekam. Ihren heutigen Klang verdankt die Orgel einem weiteren Umbau in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Für diesen steht der Name Helmut Bornefeld. Nach den klanglichen Vorstellungen des 1990 in Heidenheim verstorbenen Kirchenmusikers wurde die Orgel umdisponiert. Als „vielseitiger und facettenreicher“ beschreibt Udo Großmann den Klang der neuen Orgel, nachdem alle ihre Pfeifen umgearbeitet worden waren. Fast fünf Jahrzehnte war der heute 85-jährige Organist gewesen, und auch seit vier Jahren im „organistischen Ruhestand“ bleibt er seiner Bolheimer Kirchenorgel verhaftet. „Man kann die Melodien mehr hervorheben“, sagt Großmann, der bei einem Freund von Helmut Bornefeld das Orgelspielen gelernt hat.

Tzschöckel, der auch die Orgel im Ulmer Münster betreut, denkt in größeren Zusammenhängen. Der „Sound“ einer Orgel sei immer wieder Modeströmungen unterworfen. „Das Pendel schwingt da hin und her.“ Heute sei wieder eher die romantische Klangaussage gefragt wie sie die Bolheimer Orgel vormals gehabt hatte.

Aber dieses konzediert der Orgelbauer der Bolheimer Bornefeld-Orgel gern: „Sie ist nicht schrill“, keine Schrei-Orgel also im neo-barocken Stil. Für Helmut Bornefeld selbst, so hat es Udo Großmann nachgeschlagen, war die Bolheimer mit ihren 14 Registern eine seiner wichtigsten Orgeln. In seiner Aufzählung der besten Orgeln trage sie die Nummer 15.

Bedingt durch die Pfingstfeiertage verlängert sich etwas die Restaurationszeit. Sechs Wochen müssen die Kirchgänger auf den Klang der Orgel verzichten. Und doch auch wieder nicht. Denn Tzschöckel hat ein Ersatzinstrument hinter dem Altar platziert. Ein Instrumentchen im Vergleich, „aber sie tut wie eine richtige Orgel.“

Von seinem Vater hat Tzschöckel das Metier und auch den Betrieb übernommen. „Es ist der schönste Beruf, den es gibt“, versichert der Orgelbauer. „Wir verkaufen Freude.“ Auf 270 schätzt Tzschöckel die Zahl der Orgelbaufirmen in Deutschland, „zehn Prozent davon sind in Baden-Württemberg ansässig.“

Voraussichtlich, so Pfarrerin Hanna Nicolai, wird die Überholung der Orgel am 21. Juni abgeschlossen sein. Das Einweihungskonzert ist auf 12. Juli terminiert. „Ich bin schon sehr gespannt“, sagt Udo Großmann. Die Heidenheimer Kantorin Dörte-Maria Packeiser wird dann am Spieltisch sitzen.

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