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Nicht nur Männersache: Feuerwehr in Bergenweiler

Feuerwehr ist Männersache. Hand aufs Herz, so steckt es doch noch immer in den meisten Köpfen. In Bergenweiler aber muss diese Sicht inzwischen revidiert werden: In der dortigen Einheit gibt es gleich drei Feuerwehrfrauen – und das sind satte zehn Prozent der Abteilung.

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26 Männer und drei Frauen. Alle haben sie die gleichen Ziele: Brände löschen, Schwächeren helfen, Menschen retten. Dass das lange Jahre ausschließlich Männern vorbehalten war, scheint in der Freiwilligen Feuerwehr Bergenweiler bald vergessen. Mit Franziska Baur, Pia Brunner und Carina Frey haben sich dort gleich drei Frauen unter die Kameraden gemischt.

Am längsten mit dabei ist Franziska Baur. Mit ihren 25 Jahren ist die Bergenweilerin fast schon ein alter Hase im Feuerwehrgeschäft: Bereits als 16-Jährige trat sie der Abteilung bei, folgte Vater und Onkel. Die Feuerwehrkameraden seien damals auf Nachwuchssuche von Haus zu Haus gegangen, erinnert sich Baur. Und als daraufhin all ihre Kumpels beschlossen hatten, bei der Feuerwehr mitzumachen, dachte sie sich: „Wieso auch nicht?!“

Bereut hat Franziska Baur diesen Schritt in die Männerdomäne Feuerwehr bislang nicht. Denn gefunden hat sie nicht nur ein neues Hobby, sondern auch Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Spaß. „Ich muss sagen, dass die Kameradschaft in Bergenweiler etwas sehr Besonderes ist.“ Man bewältige mit den Kollegen nicht nur schwierige Einsätze, sondern teile auch viele schöne Erlebnisse in der Gruppe.

So richtig bewusst geworden ist das der 25-Jährigen vor allem in jenem einen Jahr, in dem sie berufsbedingt nicht Mitglied der Bergenweiler Feuerwehr sein konnte. Stattdessen trat sie der Wehr einer großen Stadt bei – Konkurrenzkampf und Anspannung inklusive. Auch dass sie eine Frau ist, stieß dort nicht gerade auf Akzeptanz. „Ich hatte immer das Gefühl, dass die dachten, dass ich eine Frau bin und nix kann“, sagt Baur.

In Bergenweiler, wo die 25-Jährige inzwischen wieder eintreten konnte, ist das anders. Zwar musste sich Baur auch dort erst einmal beweisen und bekam anfangs nur die leichten Aufgaben zugewiesen. Inzwischen aber hat sie sich durchgesetzt – und mit Pia Brunner und Carina Frey seit dem vergangenen Jahr Frauen-Verstärkung in dem sonst so männerlastigen Metier bekommen.

„Man hat sich total gefreut, als wir kamen“, beschreibt Brunner ihren Einstand bei der Bergenweiler Wehr. Und das will was heißen. Schließlich zog es auch schon vor Jahrzehnten vereinzelt Frauen zur Feuerwehr. Mitmachen durften sie deshalb aber noch lange nicht. Männersache, hieß es damals. Heute ist das anders: „Sowohl die alten als auch die jungen Mitglieder sind motiviert, uns etwas zu zeigen“, sagt die 22-jährige Pferdewirtin. Den gleichen Eindruck hat auch Carina Frey: Klar müsse man sich als Frau besonders beweisen und sich auch den ein oder anderen nicht ganz ernst gemeinten Kommentar anhören. Letztendlich, so die 30-Jährige, ließen sich aber selbst die älteren Kameraden überzeugen.

Abhalten lassen sich die beiden Feuerwehrneulinge ohnehin nicht: Ab September folgt für Frey und Brunner die Grundausbildung. Neben Erster Hilfe wird dort unter anderem der Umgang mit Löschmitteln und Technik gepaukt, in Theorie und Praxis. Bestehen Brunner und Frey die Ausbildung, dürfen sie auch an Einsätzen teilnehmen.

Bislang nämlich sind die zwei Frauen lediglich bei Übungen dabei. Dass sie sich dabei kräftemäßig manchmal etwas mehr anstrengen müssen als ihre männlichen Mitstreiter, geben die Mädels zwar zu. Ein Hinderungsgrund sei das aber nicht: „Wir Frauen setzen uns durch und können alles mitmachen“, sagt Pia Brunner mit Überzeugung in der Stimme. Und mit Überzeugung kennt sie sich mindestens genauso gut aus wie ihre beiden Feuerwehrkameradinnen. Denn: Auch außerhalb der Feuerwehr kann nicht jeder nachvollziehen, was eine Frau in Feuerwehrkreisen zu suchen hat. „Manche finden es befremdlich“, sagt Brunner.

Sei's drum: In Bergenweiler ist das Umdenken längst nicht mehr aufzuhalten. Sogar eine Umkleidemöglichkeit für Frauen wurde mittlerweile eingerichtet.

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