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Musikschule setzt zwei Lehrer vor die Tür

Mitte Juli hat sich die Musikschule der Stadt Herbrechtingen von den Lehrern Eddy Cichosz und Berthold Guggenberger getrennt. Beide Honorarkräfte haben inzwischen gegen die Kündigung Klage eingereicht.

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Die Herbrechtinger Musikschule: Derzeit gibt es nicht nur musikalische Missstimmungen.

Elf Jahre hat Cichosz für die Musikschule Herbrechtingen Schlagzeugunterricht gegeben – zuletzt für 26 Schüler an drei Tagen in der Woche. Berthold Guggenberger hat seit 2004 Violine und Viola gelehrt und das von ihm initiierte Junge Orchester geleitet. Der Ruf beider Pädagogen gilt als untadelig. Dies unterstreicht auch Beigeordneter Thomas Diem, der die Kündigungen ausgestellt hat. Diese hätten überhaupt nichts mit der Qualität des Unterrichts zu tun. Beide Lehrkräfte seien hervorragende Pädagogen mit einem großen Rückhalt bei den Eltern und Schülern. Für Diem gilt aber ebenso: Eine weitere Zusammenarbeit sei nicht denkbar. Diem, der öffentlich keine Personalia verhandeln will, will es bei dieser Aussage belassen: Beide Lehrkräfte hätten sich nicht genügend kooperativ gegenüber der neuen Musikschulleitung gezeigt.

Nach einer missglückten Kooperation mit Giengen und zwei gescheiterten Versuchen einer Zusammenarbeit mit der Musikschule Heidenheim sieht Diem die Herbrechtinger Einrichtung mit der vom Gemeinderat bestimmten Doppelspitze Beate Heydel-Steiner (administrative Leitung) und Kyoko Kanazawa (pädagogische Leitung) auf einem guten Weg. Dafür, dass dieser Weg fortgesetzt wird, ist Diem letztlich auch bereit, Abmeldungen von Musikschülern hinzunehmen, so wie es nach der Kündigung der beiden Lehrer geschehen ist. Eine genaue Zahl könne man derzeit nicht nennen, meint Diem. „Es gibt aber auch Neuanmeldungen.“

Schülereltern und Lehrer zeigen Unverständnis

Nachdem nicht nur von Schülereltern, sondern auch aus dem Kreis der Lehrer Unverständnis über die Kündigungen von Cichosz und Guggenberger geäußert worden war, reagierte die Musikschulleitung am 29. Juli mit einem Schreiben an alle Musikschüler respektive deren Eltern. Darin begründen Beate Heydel-Steiner und Kyoko Kanazawa die Trennung mit einer „nicht mehr gegebener Wertschätzung und Toleranz“ dem anderen gegenüber.

Dass in den Wochen vor dem Bruch zwischen Cichosz und der Musikschulleitung häufiger E-Mails gewechselt wurden, ist keine chronologische Zufälligkeit, sondern einem Umstand geschuldet, der wohl auch den Kern des Zerwürfnisses gebildet hat: Cichosz hatte bei der Honorarabrechnung nachgehakt.

Beim Zusammenstellen seiner Steuerunterlagen war Cichosz aufgefallen, dass seine privaten Abrechnungen nicht mit den Auszahlungen der Stadtverwaltung übereinstimmten. Es war seiner Auffassung nach zu wenig Honorar und für September 2012 beispielsweise gar keines überwiesen worden. Mit der Bitte um Korrektur und Aufklärung habe er sich daraufhin an die Musikschulleitung gewandt und weitere Kollegen angesprochen, ob auch sie Ungereimtheiten bei den Abrechnungen bemerkt hätten. Cichosz versichert, in keiner Weise „pampig“ geworden zu sein. „Ich bin einer, der fünf auch mal gerade sein lässt.“

Ein Termin, der zu kurzfristig kam

Am 26. Mai bittet Cichosz namens aller Honorarkräfte „dringend um einen Termin“ bei der Musikschulleitung, um die Honorierungspraxis der freien Kräfte abzustimmen, und schlägt den Mittwoch, 5. Juni, vor. „Leider zu kurzfristig“, bescheidet Heydel-Steiner am 3. Juni und bittet um etwas Geduld.

Cichosz kann Dokumente vorlegen, wie die Honorarzahlung in der Praxis ausgesehen hat. Auf seinen Hinweis am 5. April, dass das März-Honorar noch nicht eingegangen ist, überweist die Musikschule als „Retter in der Not“ am 11. April zeitgleich auch noch das ebenfalls ausstehende Honorar von Februar mit. Etwas verschnupft gibt sich die Musikschulleitung im E-Mail-Verkehr, dass Cichosz nicht bemerkt hat, dass ihm das Dezember-Honorar gleich doppelt angewiesen worden war.

Beigeordneter Diem hält dagegen. Es stimme, dass Cichosz noch Honorar zustehe, aber nicht in der von ihm geforderten Höhe. Die Unterschiede zwischen den Abrechnungen von Lehrern und den Honorarüberweisungen seien dadurch zustanden gekommen, dass die neue Musikschulleitung erstmals die Belege kontrolliert und Regeln gesetzt habe. Bislang sei es völlig unklar gewesen, ob Honorarkräfte Stunden vergütet werden, wenn Schüler entschuldigt fehlen. Deswegen habe man jetzt mit der vom Gemeinderat aktuell beschlossenen Gebührenordnung eine 24-Stunden-Grenze gesetzt. Wenn vorher eine Entschuldigung vorliegt, entfällt das Honorar, da sich die Lehrkraft darauf einstellen kann. „Das ist auch andernorts so üblich.“ Auch der Zeitpunkt der Überweisung der Honorare sei inzwischen fixiert. Dieses werde am Ende des Folgemonats ausbezahlt. Verzögerte Überweisungen bittet Diem mit der Übergangzeit zu entschuldigen, denkt aber, dass auch verspätet eingegangene Abrechnungen der Lehrer dafür ursächlich gewesen sein könnten.

Nie ein Honorar verlangt

Im Lichte der Ereignisse erklärt sich für Cichosz heute der Versuch der Musikschulleitung, ihn von der Teilnahme am Schnuppertag der Musikschule am 15. Juni fernzuhalten. Für Cichosz ist diese Veranstaltung ein absolutes Muss. „Hier lerne ich ja potenzielle Schüler und deren Eltern kennen.“ Weil er es auch als Werbeveranstaltung in eigener Sache gesehen habe, habe er nie ein Honorar für den Schnuppertag verlangt. Mehrfach, so kann es Cichosz belegen, habe er sein Kommen für diesen Samstag zugesagt. Im Hintergrund aber habe die Musikschulleitung bereits seinen jetzigen Nachfolger für diese Veranstaltung gebucht gehabt.

Am 31. Juli hat Cichosz Klage gegen die Vertragsaufhebung eingereicht. Verhandelt wird am Arbeitsgericht Aalen. Hier geht es aber nicht um die Ursache der Kündigung, sondern um den formal richtigen Vollzug. Es geht um die Frage, ob Cichosz und Guggenberger wie Honorarkräfte behandelt wurden oder ob sie im Grunde wie Tarifkräfte eingesetzt waren. Dann wäre die ausgesprochene Kündigung so nichtig. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Diem. Von 15 Lehrern an der Musikschule Herbrechtingen sind zwölf Honorarkräfte. Dass dies kein gutes Verhältnis ist, weiß auch Diem. Man setze aber keineswegs auf Honorarkräfte, um Geld zu sparen. Kleine Musikschulen wie die Herbrechtinger wollten so dem Risiko vorbeugen, dass bei fallendem Interesse an bestimmten Instrumenten kein Schüler mehr da sei, aber ein Lehrer. Sollte das Gericht zugunsten der Kläger urteilen, „dann legen wir sicher Widerspruch ein“.

Aus Sicht des Verbands deutscher Musikschulen ist die Herbrechtinger Musikschule, was die Relation von fest angestellten Kräften zu Honorarkräften betrifft, weit von einem Idealzustand entfernt. „Unsere Zielrichtung ist, dass die Musiklehrer überwiegend fest angestellt sind“, sagt Pressereferentin Claudia Wanner. Wie jeder Unterricht sei auch der Musikunterricht langfristig angelegt. Und dies funktioniere mit fest angestellten Lehrkräften besser als mit Honorarkräften, die schnell wieder weg sein könnten. Für die Honorierung ausgefallener Stunden, so Wanner, gebe es keine Richtlinien. Dies sei in der Satzung der Musikschule oder vertraglich mit den Honorarkräften zu regeln.

Für Eddy Cichosz ist es letzten Endes eine Ironie der Geschichte, dass ihm, der für eine klare Honorarordnung eingetreten sei, dafür gekündigt wurde, der Gemeinderat diese jetzt ab Oktober beschlossen habe. „Irgendwie habe schon ich den Anstoß dafür gegeben.“

Aktuell zählt die Herbrechtinger Musikschule 350 Schüler. Der Zuschussbedarf für 2013 ist mit 135 000 Euro berechnet. Der Kostendeckungsgrad liegt bei 55 Prozent. Im Kreisdurchschnitt liegt er bei 70 Prozent.

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Kommentare

11.09.2013 14:13 Uhr

Honorarkräfte in Musikschule

Irgendwie unverständlich, was da in der herbrechtinger musikschule abgeht. alleine die art und weise, wie mit lehrkräften umgegangen wird.
ohne offizielle begründung flattert die kündigung ins haus, während neue lehrkräfte anscheinend schon parat stehen.
spekulationen sind erlaubt: geht es um die gehälter? sind neue lehrer preiswerter? evtl. gibt es ja auch schon eine koopereration zwischen dem arbeitsamt heidenheim und der musikschule: arbeitlose musiker als 1-euro-jobber nach herbrechtingen! ;-)
lg mikeondoor

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