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Mitarbeiter klagen über Mobbing bei Rotec

Große Unzufriedenheit herrscht bei den Mitarbeitern der Firma Rotec GmbH in Hermaringen. Von Mobbing und Einschüchterungsversuchen ist die Rede. Die Bezahlung, die offenbar deutlich unter Tarif liegt, sei zudem völlig willkürlich. Der Betriebsrat kämpft zusammen mit der IG Metall seit geraumer Zeit um Verbesserungen. Doch erst nachdem die Vorwürfe öffentlich wurden, scheint sich jetzt etwas zu bewegen.

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Betriebsrat und Belegschaft der Hermaringer Firma Rotec beklagen Mobbing, Einschüchterungsversuche und schlechte Bezahlung. Nachdem sie keine andere Lösung sahen, sind sie nun an die Öffentlichkeit getreten.  Foto: 

Der IG Metall seien die Probleme in der Firma Rotec schon seit längerem bekannt, bestätigt Gewerkschaftssekretär Willi Wolf. Man habe zunächst versucht, sich vermittelnd einzuschalten. Von Seiten der Rotec-Geschäftsführung bestehe leider eine „gewisse Verweigerungstaktik“ allen Dingen gegenüber, die der Betriebsrat beanstande.

Wie groß die Unzufriedenheit bei den etwa 150 Mitarbeitern bei Rotec ist, davon konnte sich Willi Wolf bei einer Betriebsversammlung im Oktober ein Bild machen. Unter anderem kamen dort Aussagen von Mitarbeitern zur Sprache, die in einem anonymen Kummerkasten gesammelt worden waren. Offen traue sich die Mehrheit der Mitarbeiter solche Dinge aus Angst vor Repressalien nicht anzusprechen, so die Begründung des Betriebsrats. In den Schreiben fanden sich heftige Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung. Angeprangert wurden Mobbing, Bestechungsversuche, ein respektloser und rüder Umgangston bis hin zu Rassismus.

Auch die offenbar weit untertarifliche und völlig intransparente Bezahlung ist ein großes Thema in der Belegschaft. Der Lohn richte sich nicht nach Leistung, sondern hänge vom Gutdünken des Chefs ab, beklagen die Mitarbeiter. Der Betriebsrat bemängelt, dass er in jeder Hinsicht ausgebremst werde. Man erhalte keine Informationen und habe kein Mitspracherecht, so Vorsitzender Michael Protzen. Vielmehr sieht sich der Betriebsrat in seiner Arbeit behindert.

Seit der Wahl der Mitarbeiter-Vertreter im Frühjahr gehören nur noch drei der ursprünglich sieben Gewählten dem Gremium an. Ein Mitglied habe die Firma verlassen, drei weitere seien von ihren Ämtern zurückgetreten. Einer von ihnen hatte bei der Wahl im Frühjahr 120 Stimmen der rund 150 Mitarbeiter auf sich vereinen können. Er habe sich zum Rücktritt entschlossen, um den Weg frei zu machen für eine bessere Kommunikation zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Zwischen sich und der Geschäftsleitung sah er die Fronten als zu verhärtet an.

Gebracht hat diese Geste offenbar nichts, denn die Rotec-Geschäftsführung scheint auch mit dem jetzigen Betriebsratsvorsitzenden Probleme zu haben. Von persönlichen Beschuldigungen gegen den Mann ist die Rede, die aber von Willi Wolf als nicht haltbar eingestuft wurden und die inzwischen beigelegt sein sollen.

Nach der Betriebsversammlung, bei der Vorstandsmitglieder der Heine und Beisswenger Gruppe aus Fellbach anwesend waren, zu der Rotec gehört, hatte es wohl Zusicherungen gegeben, dass man sich den Problemen stellen werde.

Passiert sei aber nichts. Hinzu kam stattdessen eine weitere Verunsicherung bei den Mitarbeitern und die Angst um den Arbeitsplatz in Hermaringen. Im Frühjahr ist ein zweites Rotec-Werk in Adelmannsfelden eröffnet worden, das nun jedoch selbstständig unter dem Namen H+B Hightech GmbH firmiert.

Der Betriebsrat entschied sich schließlich, unterstützt von der IG Metall, für den Schritt an die Öffentlichkeit.

Von Seiten der Rotec-Geschäftsleitung wollte zu den Vorwürfen von Betriebsrat und Beschäftigten auf Anfrage der Heidenheimer Zeitung niemand offiziell Stellung beziehen. Erst nach mehreren Anläufen war dann schließlich Vorstandsvorsitzender Andreas Willer von der Heine und Beisswenger Gruppe zu einem Telefonat bereit. Eine offizielle Stellungnahme sei aber auch von ihm nicht zu erwarten, betonte er.

Stattdessen ist die Rede vom guten Stil, den man üblicherweise pflege, und von Gesprächskultur statt Stellungnahmen. Man sorgt sich um einen möglichen Imageschaden und verweist darauf, dass man ja bereits an einer Lösung arbeite, die „nicht unerheblichen Meinungsverschiedenheiten“ innerhalb der Firma Rotec auszuräumen. Ein Gesprächstermin zwischen Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall sei bereits anberaumt.

Die Zusammenkunft hat diese Woche stattgefunden und tatsächlich konnten Betriebsrat und IG Metall erste Erfolge erzielen. Vereinbart wurde eine Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung bis Ende des nächsten Jahres, berichtet Willi Wolf. Zudem wurde eine gemeinsame Überarbeitung der Lohnstrukturen zugesagt sowie die Aufarbeitung und Lösung der von den Mitarbeitern angeprangerten Probleme aus dem Kummerkasten.

Dennoch bleibt der Betriebsrat skeptisch, solange diesen schriftlichen Bekenntnissen keine zeitnahen Taten folgen.

Info Die Firma Rotec GmbH gehört seit 2011 zur Heine und Beisswenger Gruppe mit Sitz in Fellbach. Hergestellt werden Drehteile aus zerspanbaren Materialien für die Autoindustrie, den Maschinenbau und weitere Industrien.
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