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Minijobber im Privathaushalt: „Auch als Putzfrau hat man Rechte“

Von den Reichen lernt man sparen. Ein Sprichwort, das Anna S. sofort unterschreiben würde. Sie arbeitet als Putzhilfe und klagt an: „Ich werde seit Jahren um mein Recht betrogen.“

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Auch Haushaltshilfen im Privathaushalt haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub.  Foto: 

Das bisschen Haushalt macht sich von allein? Von wegen. Putzen und Schrubben, Waschen und Bügeln, Kochen und Spülen – das macht sich eben nicht von allein. Immer mehr Haushalte holen sich eine bezahlte Hilfe. Viele werden schwarz beschäftigt und bar auf die Hand bezahlt. „Wir schätzen, dass bis zu vier Millionen Haushalte einen Minijobber beschäftigen. Doch nur 250 000 sind offiziell angemeldet“, sagt Dr. Erik Thomsen, Leiter der Minijob-Zentrale in Essen. Wer dabei allerdings erwischt wird, muss richtig tief in die Tasche greifen: Es drohen ein Ordnungsgeld von bis zu 5000 Euro aus dem Sozial- und von bis zu 25 000 Euro aus dem Steuerrecht.

Der Appell der Minijob-Zentrale: Legale Haushaltshilfen sind nicht teuer. Wer seine Haushaltshilfe als Minijob anmeldet, bezahlt beispielsweise bei einem Arbeitsentgelt von monatlich 120 Euro nicht mehr als 17 Euro Abgaben. Eingeschlossen ist darin auch eine Unfallversicherung.

Anna S. wohnt im Landkreis Heidenheim und ist angemeldet als Minijobberin in Privathaushalten. Ihr geht gehörig gegen den Strich, dass immer wieder nur auf die Vorteile hingewiesen wird, die den Arbeitgebern entstehen, wenn sie eine Haushaltshilfe anmelden. „Die Vorteile für Putzfrauen werden unter den Tisch gekehrt.“ Denn auch sie hätten Vorteile, wenn sich denn die Arbeitgeber an gesetzliche Bestimmungen halten würden. Minijobber haben ein Recht auf bezahlten Urlaub, Feiertagsbezahlung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Spricht Anna S. ihre Arbeitgeber allerdings darauf an, wird ihr kurzerhand gekündigt. Mehrmals hat sie ihre Putzstelle schon so verloren.

Und dabei könne man nicht von riesigen Ausgaben für die Arbeitgeber sprechen: Arbeitet eine Haushaltshilfe ein Mal pro Woche für fünf Stunden, stünden ihr rechtlich vier Tage bezahlter Urlaub zu. Das macht aufs Jahr gerechnet rund 200 Euro. Was Anna S. besonders ärgert: „Es trifft ja meistens keine Armen. Das sind Leute mit Schwimmbädern im Haus – Ärzte, Direktoren mit Geld satt. Wer sich eine Putzfrau leisten kann, den machen 200 Euro im Jahr nicht arm.“ Ihre ehemaligen Arbeitgeber waren da allerdings anderer Meinung: „Einmal wurde ich gefragt, was ich denn glaube, wie viel man als Arzt verdiene.“

Blanker Hohn für Anna S. Schließlich wolle sie nicht mehr, als was ihr zusteht, beteuert die 51-Jährige. Zu putzen, sagt sie, das sei kein Zuckerschlecken. „Man rutscht auf den Knien über den Boden. Das ist ein harter Job, hart verdientes Geld und ich gebe immer mein Bestes. Putzen geht niemand, wenn er das Geld nicht auch bitter nötig hat.“

Ihr Stundenlohn beträgt zehn Euro. „Aber natürlich gibt es auch arme Teufel, die es für weniger machen und die dann natürlich auch den bezahlten Urlaub nicht einfordern, weil sie Angst haben.“ Viele nähmen die Ungerechtigkeiten stillschweigend hin. Sie selbst sei auch nicht auf Krawall aus. „Meistens stelle ich mich dumm und sage, dass mir zu Ohren gekommen sei, dass einem Minijobber bezahlter Urlaub zusteht.“ Die Reaktion sei immer gleich. „Es ärgert mich, dass man als Putzfrau für dumm verkauft wird. Die wollen auf Kosten von Leuten sparen, die ohnehin nichts haben.“

Auch beim Bundesarbeitsgericht hat sie sich bereits kundig gemacht. Es gebe die Möglichkeit, den bezahlten Urlaub einzuklagen. „Aber dann ist die Stelle natürlich in jedem Fall weg und wer weiß, ob ich überhaupt noch irgendwo eine Stelle bekomme.“

Der Gewerkschaft Verdi ist das Problem bekannt. „Jede Haushaltshilfe hat einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub, aber kaum ein Arbeitgeber im privaten Sektor hält sich daran, viele kennen die Bestimmungen nicht oder sie ignorieren diese“, sagt Hans-Joachim Beyer, Verdi-Bezirk Ost-Württemberg-Ulm und Oberschwaben. Ein weiteres Problem: „Auch viele Haushaltshilfen sind die gesetzlichen Regelungen nicht bekannt.“ Allerdings sei es heutzutage kein Problem, sich zu informieren. Denn: „Solange man sich nicht wehrt, kommt man nicht zu seinem Recht.“ Wie streitbar man als Minijobber sei, hänge natürlich immer vom sozialen Status und der Abhängigkeit vom Job ab. Sein Rat ist dennoch eindeutig: „Sich informieren, sein Recht einfordern, schriftlich im Rahmen eines Arbeitsvertrags fixieren und zur Not auch durchaus einklagen.“

Info Für eine Anmeldung als Minijob braucht es einen Haushaltsscheck. Dieser kann unter Tel. 0355.2902-70799 angefordert oder auf www.minijob-zentrale.de heruntergeladen werden. Ein Merkblatt zum Arbeitsrecht gibt es dort ebenfalls.
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