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Interview: Der Experte Dr. Elmar Buchner über den Steinheimer Meteoriten

Die Entdeckung des Steinheimer Meteoritensplitters ist eine große Sensation für viele Wissenschaftler. Und für einen ganz besonders.

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    Der Meteoritenforscher Dr. Elmar Buchner. Foto: 
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    Nur zwei Zentimeter klein, aber von großer Bedeutung: der Steinheimer Meteoritensplitter. Foto: 
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Der Meteoritenforscher Dr. Elmar Buchner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Nördlinger Ries und dem Steinheimer Becken. Vor sieben Jahren hat er gemeinsam mit einem Kollegen eine Theorie aufgestellt, die durch den Fund des Bruchstücks in Steinheim nun so gut wie belegt ist. Was die Entdeckung für die Wissenschaft bedeutet, wem sie eigentlich zu verdanken ist und warum es den Meteoritensplitter eigentlich gar nicht geben dürfte, erklärt Dr. Elmar Buchner im Interview.

Herr Dr. Buchner, auch ein Laie vesteht, dass der Fund eines Meteoritenstücks eine tolle Sache ist. Aber warum ist er gerade für Sie als Wissenschaftler so bedeutend?

Dr. Elmar Buchner: Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es nur sehr wenige Krater auf der Welt, die mit dem Meteoriten in Verbindung gebracht werden können, der sie geschaffen hat. Normalerweise ist das nur bei sehr kleinen Kratern der Fall. Nicht bei einem von der Größe des Steinheimer Beckens. Da ist das sehr, sehr ungewöhnlich.

Und warum?

Weil nur winzige Asteroiden beim Eintritt in die Erdatmosphäre so stark abgebremst werden, dass sie beim Aufprall nicht völlig zerstört werden. Das ist eigentlich widersinnig, oder? Je kleiner der Asteroid, desto mehr bleibt von ihm übrig. Aber so ist es nun einmal.

Und das macht Steinheim jetzt so besonders?

Genau. Es gibt auf der Welt nur zwei große Krater, von denen man Überreste des Meteoriten gefunden hat. Der eine ist in Südafrika. Der andere in Steinheim. Das Tolle für uns ist außerdem, dass der Splitter sehr gut im Kalkstein konserviert wurde und vor Verwitterung geschützt war. Deshalb ist er auch so gut erhalten.

Dazu muss man sagen, dass wir Michael Hölzel, dem Mitarbeiter des Steinheimer Meteorkratermuseums, sehr viel zu verdanken haben. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die vielleicht anders reagiert hätten, ist er stutzig geworden und hat einen Magneten an die Stelle gehalten. Er hat weitergedacht und das an uns übergeben. Er hat dadurch einen enorm großen Anteil an dieser Entdeckung.

Und Sie konnten dann bei Ihren Untersuchungen feststellen, dass es sich auch noch um einen sehr seltenen Meteoritentypen handelt.

Richtig. Einer der seltensten überhaupt. Die häufigsten sind die Stein-Meteoriten, danach kommen die Eisen-Meteoriten. Und dann gibt es noch die Stein-Eisen-Meteoriten. Um einen solchen handelt es sich jetzt offenbar in Steinheim.

Gibt es denn jetzt noch weitere Untersuchungen? Das Fundstück ist ja bereits zurück in Steinheim.

Ich wäre mit meinen Untersuchungen eigentlich soweit am Ende. Dass es sich um einen Meteoriten handelt, ist auch nicht angezweifelt worden. Ich habe unsere Forschungsergebnisse auf einer Tagung der Meteoritical Society in New Mexico vorgestellt. Wenn man da mit fragwürdigen Ergebnissen aufschlägt, holt man sich sehr schnell rote Ohren. Aber es gab und gibt da keine großen Diskussionen. Wir werden vielleicht die Untersuchungen zum Typus noch weiter verfeinern. Können wir den Pallasiten (Anm. d. Red.: Untergruppe der Stein-Eisen-Meteoriten) wirklich zweifelsfrei nachweisen? Aber eigentlich steht auch das außer Frage.

Aber Sie wissen mittlerweile, wie groß das Bruchstück ist? Man sieht ja nur die Oberfläche.

Es ist tatsächlich nur das Stück, das da auf der Spalte aufliegt. Es ist zwei mal einen mal 0,5 Zentimeter groß. Klar, das ist nur ein Splitter. Aber ausgehend davon, was überhaupt zu erwarten war, ist das ein sehr großes Stück. Dr. Martin Schmieder und ich haben 2010 bereits eine Arbeit veröffentlicht. Zuvor hatten wir Mikrofragmente von ähnlichem Material gefunden und gemutmaßt, dass das Reste des Meteoriten sein könnten. Nennen wir es mal eine gut fundierte Spekulation. Aber wir waren weit von einem Beweis entfernt.

Den haben Sie jetzt?

Das hat sich jetzt bestätigt, ja.

In derselben Publikation ging es auch um die Annahme, dass der Steinheimer Meteorit ein Trabant des Meteoriten war, der das Nördlinger Ries geschaffen hat.

Da gibt es verschiedene Annahmen. Vom Ries weiß man leider sehr, sehr wenig. Man nimmt an, dass es sich da um einen üblichen Stein-Meteoriten gehandelt hat. Das sind die Annahmen, es gibt aber keine Beweise. Jetzt wissen wir: Der Steinheimer Meteorit war aus Eisen. Daraus kann man dann verschiedene Folgerungen ziehen: Entweder wir haben es mit einem großen Zufall zu tun und es gab zwei verschiedene Einschläge in relativ kurzem zeitlichen Abstand von etwa einer halben Million Jahre. Oder aber, und das wäre eben die andere Möglichkeit: Im Nördlinger Ries schlug ein Asteroid ein, der von einem Mond begleitet wurde. Solche Asteroidentypen gibt es. Ich halte einen solchen gleichzeitigen Einschlag für wahrscheinlicher.

Aber eindeutig klären kann man das nicht?

Ich bin seit 20 Jahren damit beschäftigt, den Ries-Meteoriten zu klassifizieren. Es stellen sich immer wieder neue Fragen. Auch jetzt, nach der Entdeckung des Bruchstücks in Steinheim. Aber das ist auch das Schöne daran.

Es wird nicht langweilig?

Nie.

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