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Mehr Offenheit beim Windpark auf dem Ohrberg

Die Diskussion um die Windkraftanalagen auf dem Ohrberg scheint kein Ende zu nehmen: Diese Woche stellten die Verantwortlichen eventuelle Finanzierungsmodelle zur Bürgerbeteiligung und Teile des streng vertraulichen Genehmigungsgutachtens der Öffentlichkeit vor.

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Schall, Schattenwurf und Artenschutz – darüber informierten die Planer der fünf Windräder auf dem Ohrberg in der Dischinger Egauhalle.  Foto: 

Zur Vorgeschichte: Die Windpark Dischingen Ohrberg Wind GmbH & Co. KG hat den Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung zum Bau von fünf Windkraftanlagen (WKA) auf dem Ohrberg beim Landratsamt Heidenheim Anfang Mai eingereicht. Bezogen ist dieser auf den Anlagentyp Nordex N117/2400 mit einem Rotordurchmesser von rund 117 Metern und einer Nabenhöhe von 140,60 Metern. Von Dischingen sind die WKA 2085 Meter entfernt und nach Hochstatt sind es 1610 Meter. Zu den Nattheimer Teilgemeinden ist dies nicht so: Die Anlage 1 ist etwa 1100 Meter von Auernheim und 1070 Meter von Fleinheim entfernt, die WKA 2 sogar nur 1050 Meter von Fleinheim. Deshalb die Forderung aus Nattheim: „Windkraft ja, aber mit Abstand.“

Die Abstandsproblematik sorgt schon seit einigen Monaten für Diskussionen. Seinen bisherigen Höhepunkt hatte der „Abstandsstreit“ aber bei einer Informationsveranstaltung Mitte Juli in Fleinheim. Dort wurde nicht nur sehr emotional über die geplanten fünf Windräder diskutiert, sondern auch streng vertrauliche Dokumente aus dem Genehmigungsgutachten der Gemeinde Dischingen öffentlich gezeigt. Die Gemeinde Dischingen überlegt deshalb, Anzeige zu erstatten (wir berichteten).

Um die Gemüter zu besänftigen, stellten die Verantwortlichen des Projekts – Schweizer Honold Energiesysteme (technische Planung) und Vensol Neue Energien GmbH (kaufmännische Planung) – am vergangenen Montag bei einer Informationsveranstaltung in der Egauhalle in Dischingen Teile von Gutachten für das Genehmigungsverfahren vor. Von der Gemeinde Dischingen, die als Antragsteller auftritt, war Bürgermeister Alfons Jakl vor Ort.

Die Planung für das Windkraftvorhaben der Gemeinde Dischingen begannen 2011, so Georg Honold, Planer und Berater der Gemeinde Dischingen. Weiter schilderte er den Planungsverlauf und die nötigen Messungen für das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren: Über 32 Wochen wurde eine Sodarmessung von Mitte Oktober bis Mitte Juli vorgenommen. Die Sodarmessung dient als Grundlage für die Windgutachten. In Fünf-Meter-Schritten werden ab einer Höhe von 50 bis zu einer Höhe von 200 Metern unter anderem die Windrichtung und die Windgeschwindigkeiten gemessen.

Zudem wurden ein Artenschutzgutachten im Zeitraum von Januar 2013 bis August 2014 erstellt. Hier wurde besonders auf Vögel und Fledermäuse eingegangen. Damit die Fledermäuse nicht beeinträchtigt werden, müssen Windräder ab und zu abgeschaltet werden. „Dadurch verliert man einen Erlös von etwa zwei Prozent pro Jahr“, so Honold. Außerdem wurde geprüft, wie viel Schall und wie viel Schatten durch die Anlagen entsteht. Sowohl beim Schattenwurf als auch beim Schall sei man unter den vorgeschriebenen Werten geblieben, erläuterte Georg Honold.

Zu den Vorwürfen aus Fleinheim und Auernheim, die Gemeinde habe die Windräder an die Gemarkungsgrenze „gedrückt“ sagte Honold: „Die Windräder auf dem Ohrberg können nicht weiter nach Dischingen geschoben werden, da die Windräder ansonsten im Tal stehen würden und nicht mehr auf dem Berg.“

Auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen wird immer wieder in Frage gestellt, so auch am Montagabend. Stimmen aus dem Publikum wiesen mehrfach auf andere Windparks, wie beispielsweise den in Zöschingen, hin. Hier wurde die Stromerzeugung auf 4,6 Millionen Kilowattstunden pro Jahr kalkuliert. In diesem Jahr werde man aber zehn Prozent darunter liegen. Das bestätigte auch Jürgen Ganz, Geschäftsfüher von Vensol. „Dennoch haben die Bürger, die in Zöschingen an den Windrädern genossenschaftlich beteiligt sind 2,25 Prozent Rendite bekommen – geplant waren aber fünf Prozent“, sagte Ganz.

Um abschätzen zu können, wie hoch die Stromerzeugung pro Jahr ist und somit der Erlös und die Rendite, wurden zwei Windgutachten für den Ohrberg in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse des ersten Gutachtens bezüglich der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit sind da. In diesem wird von einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde auf einer Höhe von 140 Metern (entspricht Nabenhöhe) gesprochen. Wie wirtschaftlich die Windräder sein werden, lasse sich durch das erste Windgutachten alleine aber noch nicht abschätzen. Es wird noch auf ein zweites Windgutachten gewartet. Das Ergebnis soll in zwei bis drei Monaten vorliegen.

Sollte das Landratsamt die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilen (die Planer rechnen mit einer Antwort bis Anfang Oktober), könne man im April oder Mai 2015 mit dem Bau der Anlagen beginnen. „Unser Ziel ist es, die Anlagen noch Ende 2015 in Betrieb zu nehmen“, so Honold. Die Wirtschaftlichkeit der Anlagen spiele aber bei der Genehmigung durch das Landratsamt keine Rolle.

Wie in Zöschingen sollen auch auf dem Ohrberg die Bürger die Möglichkeit bekommen, sich an den Windrädern finanziell zu beteiligen. „Zwei bis drei der geplanten fünf WKA sollen dafür bereitgestellt werden“, so Ganz. Hierfür werden zur Zeit zwei Möglichkeiten diskutiert: eine GmbH – dies würde für Beteiligte keine Nachzahlungspflicht bedeuten, falls Verluste gemacht werden sollten – und eine Genossenschaft. Bei letzterer wäre der Vorteil, dass die Erlös-Kalkulationen extern geprüft werden. So die Ausführungen von Ganz.

Momentan lasse sich noch nicht sagen, in welcher Höhe sich die jährliche Rendite und der Erlös pro Windrad bewegen werden, da die Kostenkalkulationen noch nicht abgeschlossen seien. „Wir warten noch auf Angebote von Nordex und einem anderen Windkraftanlagenhersteller“, so Ganz. Er schätzt die Rendite aber auf etwa fünf Prozent des Erlöses.

„Man macht aber erst Gewinn, wenn man durch die jährlichen Ausschüttungen den Teil, den man vorher investiert, wieder rein geholt hat“, gab Wolfgang Hetzel, kommissarischer Ortsvorsteher von Fleinheim, zu bedenken.

Und eine „Gewinngarantie“ gebe es eben nicht, man müsse den Ertrag aber langfristig betrachten, so Ganz. Ein Windrad laufe etwa 20 Jahre. „Es gibt immer stärkere und schwächere Windjahre und 2014 ist ein sehr schwaches Jahr“, erklärte Ganz.

Damit die weitere Planung voranschreiten kann, braucht man die Genehmigung aus dem Landratsamt. Dort wird zurzeit noch ein Gutachten zum allgemeinen Luftfahrt-Betrieb geprüft.

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