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Krise bei Röhm: „In dem Ausmaß war das nicht vorhersehbar“

Sontheims größter Arbeitgeber steckt in der Krise. Im Rathaus ist man angesichts der Bedeutung der Firma am Ort geschockt, aber voller Hoffnung.

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Das Sontheimer Traditionsunternehmen Röhm steckt in der Krise. Bürgermeister Matthias Kraut spricht von einer „schwierigen Situation für die ganze Gemeinde“.  Foto: 

Manchmal entstünde der Eindruck, in jeder Sontheimer Familie gebe es einen Mitarbeiter der Firma Röhm, sagt ein sichtlich mitgenommener Bürgermeister Matthias Kraut.

Das Unternehmen sei aus dem Ort nicht wegzudenken, habe die Entwicklung der ganzen Gemeinde über Jahrzehnte entscheidend geprägt. „Jetzt zittern wir mit jedem Beschäftigten, der um seinen Arbeitsplatz bangen muss.“

Der Spanntechnik-Spezialist Röhm steckt in einer finanziellen Krise – und das nicht erst seit gestern. Bereits 2013 mussten 75 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt, später anstehende Tariferhöhungen verschoben werden.

Vergangenen Freitag war laut Ralf Willeck, erster Bevollmächtigter der Heidenheimer IG Metall, in einer außerordentlichen Betriebsversammlung nun erneut von „Personalanpassung“ im womöglich dreistelligen Bereich die Rede. Auch von einem deutlichen finanziellen Verlust im vergangenen Geschäftsjahr sei gesprochen worden.

„Eine große Überraschung“

„Das war für mich eine große Überraschung“, sagt Reiner Lindenmeyer, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Gemeinderat. „Ich hatte gedacht, dass der allgemeine Konjunkturaufschwung auch Röhm erreicht hat und die Firma sich wieder in gutem Fahrwasser befindet. Dass jetzt erneut eine offenbar größere Anzahl von Mitarbeitern die Leidtragenden sind, finde ich sehr schade.“

Auch Matthias Kraut bekräftigt: „In dem Ausmaß war das für uns nicht vorhersehbar.“ Der Bürgermeister will von der prekären Lage durch die Zeitung erfahren haben. „Der Gemeinde kann und muss nicht alles übermittelt werden. Dass die Betroffenen zuerst informiert wurden, dafür habe ich volles Verständnis.“

Dennoch: geredet werde natürlich viel. „Wo man hinkommt ist dieses Thema im Gespräch“, so Gemeinderat Klaus Nicoletti (Freie Wählervereinigung). „Jeder hofft, dass es weitergeht.“ Es sei ein richtiger Zusammenhalt spürbar.

„Aber das macht eine kleine Gemeinde ja auch aus“, führt Kraut fort. Beinahe jeder am Ort sei in irgendeiner Form mit Röhm verbunden. Das beginne schon bei der Partnerschaft mit Kindergarten und Schule. „Viele Sontheimer Schüler machen später eine Ausbildung bei Röhm und werden dann übernommen.“ Auch die meisten der freiwilligen Feuerwehrleute seien bei dem Unternehmen beschäftigt. „So können wir, im Gegensatz zu vielen anderen Orten, die Tagesbereitschaft der Feuerwehr aufrechterhalten.“

Pendler stärken die Wirtschaft

Gemeinderat Bernd Moser (CDU) ergänzt: „Einige kleinere Betriebe am Ort entstammen der Firma, indem ehemalige Röhm-Mitarbeiter eine Nische gefunden haben und sich selbstständig machten. Und viele der auswärtigen Berufspendler von Röhm kaufen bei uns ein, stärken unsere Wirtschaft.“

Allein im Stammwerk in Sontheim sind rund 900 Personen bei dem Spanntechnik-Unternehmen beschäftigt. Die Betroffenheit ist groß, die Unsicherheit auch. Doch Bürgermeister Matthias Kraut gibt sich hoffnungsvoll: „Eine Restrukturierung ist sicherlich der richtige Weg, um Lösungsansätze zu finden. Wir glauben jedenfalls fest an die Firma.“

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