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Krimi über das Mysterium im Kloster Neresheim

Die Herkunft der nach dem Tod des Abtes im Kloster Neresheim aufgetauchten schwarzen Millionen ist nach wie vor nicht geklärt. Der Stuttgarter Polizeipsychologe Jochen Bender kam durch das mysteriöse Treiben auf die Idee, einen Schwabenkrimi zu schreiben.

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Es kann manchmal ganz rasch gehen, dass reale Begebnisse literabel werden: „Hätte ich als Autor gewagt, mir so etwas auszudenken?“, fragt der Stuttgarter Polizeipsychologe Jochen Bender und fügt hinzu: „Zumindest wäre es mir unglaubwürdig vorgekommen, es Ihnen, liebe Leser, zu präsentieren“.

Jochen Bender ist durch Presseberichte auf die mit dem Tod des Abtes vom Kloster Neresheim aufgetauchten schwarzen Millionen gestoßen und hat das ominöse, bis heute ungeklärte Gut- resp. Schlechthaben zum Kern seines neuen „Schwaben-Krimis“ gemacht: „Die Millionen von Neresheim“. Denn, nach einigem Nachdenken, kam der nicht unerfahrene und unerfolgreiche Krimiautor zur Schlussfolgerung: „Schau an, die Realität schreibt doch die besten Geschichten“.

Freilich konnte das, was Bender seinerzeit über das unglaubliche Schwarzkonto des verstorbenen Neresheimer Abtes gelesen und gehört hat, nur eine erste Inspiration sein, eine Anregung, sich ein eigenes Geschehen durchzufantasieren, das gleichwohl möglichst plausibel sein musste und tragfähig für ein Geschehen, das fast 270 Seiten lang den Leser fesseln und nicht gleich als abstruses Hirngespinst beiseite gelegt werden soll.

Denn noch immer, wie erst die letzten Tage in den Zeitungen zu lesen war, ist das Geschehen um das Schwarzgeld des Abtes ein Geheimnis, das nicht zuletzt der juristischen Aufklärung harrt: Bender konnte also nicht auf Fakten oder wenigstens handfeste Vermutungen zurückgreifen, die seinem Romangeschehen eine realitätsfixierte Struktur hätten geben können.

Es soll, so war diese Tage zu lesen, nun irgendwann eine Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart geben, nachdem das Landgericht Ellwangen bereits in erster Instanz den Forderungen eines Krefelder Rechtsanwalts nach Anerkennung wenigstens eines Teilanspruchs auf jenes Geld nicht stattgab, das in Summe immerhin knapp 4,5 Millionen Euro beträgt, die auf Konten in Aalen und Krefeld geparkt sind.

Die Forschung nach den Ursprüngen des ominösen Vermögens ist diffizil, weshalb sich die Aufklärung hinzieht, zumal jetzt noch der Verdacht auf Steuerhinterziehung hinzugekommen ist: „Deshalb kosten die Ermittlungen von Polizei und Finanzbehörde Zeit“, sagt ein eingeschalteter Staatsanwalt.

Autor Bender kann das nur recht sein: Je schillernder der Fall, um so größer das Interesse der Öffentlichkeit – und damit auch einer zumindest potenziellen Leserschaft. Und der Autor braucht ja, zur Lösung seiner eigenen, ausdrücklich und notwendigerweise als „fiktiv“ deklarierten Geschichte, die reale Aufklärung nicht. Er hat die Freiheit, sein eigenes Geschehen zu konstruieren und dann selber aufzuklären: Die innere Plausibilität ist für den Psychologen, dessen Hauptaugenmerk ohnehin nicht auf den juristischen oder steuerrechtlichen Finessen des Neresheimer Falles liegt, die entscheidende Richtgröße. Und da ist dem Autor durchaus Überzeugendes und dennoch Überraschendes eingefallen.

Benders „Heimatstadt“, so verkündet es sein in Reutlingen beheimateter Verlag Oertel und Spörer, ist Stuttgart – und trotz der ausdrücklichen Verankerung des Geschehens durch den Titel „Die Millionen von Neresheim“ auf dem Härtsfeld, ziert das Cover eine Neckar-Schleuse und beginnt die Handlung auf bzw. im schwäbischen Hauptstrom: Im Neckar nämlich findet eine sportrudernde Psychologin (Bender integriert die eigene Profession des öfteren in seine Romane) die Leiche eines alten, doch gepflegten Mannes. Die freilich, obwohl sie bereits mehrere Stunden im Wasser trieb, „riecht aus dem Mund noch immer nach Schnaps“. Auch so kann man mit feinen, im Wortsinn süffisanten Anspielungen alte Klischees bemühen und dem Roman Farbe beimengen.

Bald freilich geht der auktoriale Blick zur Abtei, in der noch neun Mönche leben, von denen der Jüngste, der 71-jährige „Bruder“ Maximilian, gern Nachfolger des mutmaßlich ermordeten Abtes Gregor Angenehm werden möchte. Da wird dann schon mal eine Mappe mit Unterlagen vorsorglich beiseite geschafft.

Das Kloster wird durchaus sachkundig beschrieben: „Um zu überleben, war in der groß dimensionierten Klosteranlage ein Tagungszentrum samt Gaststätte integriert worden“.

Und es heißt kurz darauf: „Die Situation des Klosters ist prekär. Ihm fehlt der Nachwuchs und es erwirtschaftet schon lange durch seine Ländereien seine Unkosten nicht mehr“. Trauriges, doch unerbittliches Fazit im Roman: „Das Kloster mit seiner über 900jährigen Geschichte liegt sozusagen im Sterben“.

Was womöglich nicht nur in der romanhaften Fiktion zur unausweichlichen Folge das Anlocken geldgieriger Schmeißfliegen bedeutet: Ein Stuttgarter Unternehmer will investieren und „ein Luxus-Golf-Hotel in den Gebäuden des Klosters“ einrichten.

Wogegen sich natürlich sofort eine Bürger-Initiative gründet, genannt „Unser Kloster Neresheim“, in der die Psychologin, die die Leiche des Abts aufgefunden hat, eine entscheidende Rolle spielt.

Autor Bender ist gehalten, ein spannendes Geschehen zu gestalten, bei dem Ermittler irgendwann „ein Konto mit fünf Millionen“ finden, „von dessen Existenz im Kloster niemand wusste“ und ein bei Würzburg angesiedeltes Weingut des Klosters eine wichtige Rolle spielt.

Bender spinnt recht geschickt eine ganze Anzahl von Fäden, die zu verfolgen die Lektüre durchaus zum krimispezifischen Vergnügen machen. Zumal heimatkundliche Anspielungen nicht eben rar sind: So taucht beispielsweise ein „Kloster Heidenheim“ auf, das sich bei näherem Hinsehen freilich als das am fränkischen Hahnenkamm herausstellt.

Auch Aalen kommt ins Spiel; der dortige Fußball-Club spielt noch in der 2. Bundesliga, ausdrücklich aber haben „die Heidenheimer nachgezogen“. Und der Aalener FC-Präsident begeht, was neue Spuren zur klösterlichen Finanz-Kalamität evoziert, einen spektakulären Selbstmord.

Benders „Schwaben-Krimi“ ist also gerade für Leser auf der Ostalb eine durchaus anregende Lektüre.

Der Autor, kann man befriedigt feststellen, hat Neresheim, hat den Raum um Heidenheim und Aalen nicht nur als billige und beliebige Kulisse genutzt; er hat recherchiert und neben den dominierenden Stuttgarter Geschehenseinheiten auch durchaus die Ostalb plastisch werden lassen.

Zum Geschehen um die Überraschungs-Millionen von Neresheim sei weiter nicht viel verraten, nur soviel: Mit psychologischem Einfühlungsvermögen wird dargestellt, wie ein weithin geachteter „Menschenfreund“ nach entsprechenden Entdeckungen „plötzlich als Krimineller“ stigmatisiert wird.

Und schließlich ist es dann noch einmal ganz anders zugegangen, Autor Bender hat das ganz geschickt und charakternah konstruiert.

Offengelegt vom Ende sei hier nur so viel: „Neresheim ist . . verkauft. Die restlichen Mönche sind in ein anderes Kloster übersiedelt.“

Da hat man vor wenigen Tagen mit Freude die Aussage des Aalener Landrats und Vorsitzenden des „Vereins zur Erhaltung der Abteikirche Neresheim“ gelesen, der zu Folge die Schwarzgeld-Affäre keine negativen Auswirkungen habe. Freilich: Der barocke Kirchenbau steht auch im Roman dem Golf-Hotel nicht im Wege.

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