Partner der

Keine harmlose Kirchenmusik

Gut besucht war die Klosterkirche in Königsbronn beim Konzert des Ensembles „Blechimpuls“, das, dies gleich vorweg, unterstützt durch den agilen Yu Fujiwara am Schlagzeug und Glockenspiel, mit technischer Brillanz und enormer Spielfreude arbeitete.

|

Dirigent Prof. Manfred Schreier wirkte dezent und elegant, wohl wissend um das Können seiner Truppe.

Gekonnt moderierte Schreier das Konzert, bei dem zur Einstimmung eine feurige Fanfare des Juilliard-Absolventen Eric Ewazen erklang. Man spürte, dass er diese unter dem faszinierenden ersten Anblick der Rocky Mountains geschrieben hat.

Posaunist Johannes Last handhabte nicht nur sein Instrument vorzüglich, er beeindruckte auch mit stimmigen Arrangements. Mit Feinsinn und Geschick gelang ihm eine sorgfältig ausbalancierte Zusammenführung der Stimmen, was besonders beim „Koncert for Trombone og Orkester“ des Dänen Launy Grondahl beeindruckte. Das 1924 entstandene Werk lebte von der gekonnten Posaunenführung im Kopfsatz, und die manchmal schwermütigen Figuren erinnerten an Edvard Grieg.

Johannes Last hatte hier aber mit leichter Hand die getragen wirkenden Figuren fürs Blech als farbiges und luftiges Klanggebilde gestaltet. Die Bläser beeindruckten durchweg mit exaktem Ansatz und präzisem Spiel, das besonders bei den gegenläufigen Rhythmen im Finale hohes technisches Können und sensiblen Taktsinn verlangte. Dem Mittelsatz mit seinen melancholischen Passagen wurde durch lockere Glockenspiel-Tupfer etwas von seiner Schwere genommen. Das flüssig-markante Spiel im Finale mit einem herrlichen Posaunen-Solo und frechen Rubati klang eher nach urigen Swing-Rhythmen mit strahlenden Flügelhorn- und Posaunenfiguren.

An das Pfingstgeschehen erinnerte Manfred Schreier und das „Brausen vom Himmel“, das alle Sprachen für jeden verständlich werden ließ. Dieter Schnebel hatte in Tübingen Musikwissenschaft und Theologie studiert. Man spürte in seiner Bearbeitung des „Contrapunctus I“ aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“, dass er sich dem Thomaskantor verpflichtet fühlte. Die klare, einfache Struktur der Bläserlinien ließen einen Tiefsinn spüren, und durch die gekonnte Stimmenverteilung wurde das Gefüge an musikalischen Gedanken transparent und farbig hervorgehoben.

„Neue Klänge zu Pfingsten“ waren es trotzdem, und man erkannte, dass die gegenwärtige Kirchenmusik nach Worten Schreiers oft „viel zu harmlos“ wirkt. Das aparte Klangbild strahlte Spiritualität und Würde aus, woran Johann Sebastian gewiss seine Freude gehabt hätte.

Mit südländischem Schwung ging es bei „Canzone e Sonate“ von Giovanni Gabrieli zu. Die Kantabilität des Stücks kam durch die sanft angeblasenen Posaunen und Trompeten besonders zur Geltung. Ein Leckerbissen war das Largo aus Dvoøáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Arrangeur Johannes Last gelang es, den Zauber des legendären Englischhorn-Motivs auch auf Blech gediegen wirksam werden zu lassen. Wie beim „Original“ vollendeten die Hörner mit einem Echo diesen Part, und die Triolen und Achtel bei der Überleitung zu den melodischen Linien glänzten mit exakter Intonation und hatten bei mächtigen Crescendi fast einen weihevollen Charakter.

Bei den fetzigen Klängen von Chris Hazells „The Gospel Hall“ wurde man aus seinen Träumen gerissen, aber durch die fast rockige Melodik entschädigt. Die Klangentfaltungsmöglichkeiten wurden voll ausgenutzt, aber auch hier war die Posaunenführung, etwa bei den „Hymns“ klar ausgeprägt. Der Engländer Hazell wusste um die Wirkungsmacht der wunderschönen englischen Kirchenchoräle, die deutlich mehr „Pep“ aufweisen als Kirchenlieder hierzulande.

Begeisterung am Spiel und spielerisches Können waren durchweg zu spüren, und die Gershwin-Zugabe „Summertime“ erinnerte an die Mississippi-Delta-Temperaturen draußen. Es ist ja endlich Sommer.

Hans-Peter Leitenberger

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Deutlich mehr Pendeler fahren in die Region

Dass 50 Prozent mehr Einpendler als vor zehn Jahren in die Region kommen, wertet die IHK als klares Zeichen, dass ihre Attraktivität gewachsen ist. weiter lesen

22592