Partner der

HZ-Sommertipp: Günter Trittner macht einen "Passivtag"

Hermann Hesse hat die Kunst des Müßiggangs beschrieben. Das Büchlein mit Prosa aus dem Nachlass des Schriftstellers und Dichters aus Calw ist noch im Handel, aber der Müßiggang selbst gilt heute nichts mehr. Günter Trittner hat es dennoch versucht.

|
Einfach mal nichts tun.  Foto: 

Aktivität heißt die Parole, der Tag darf keine Pause haben. Selbst die Entspannung verlangt im Wellness-Tempel unseren vollen Körpereinsatz. Die Altersklassen im Sport werden schon über die 80 Jahre hinaus rubriziert und allenfalls rastlose Kinder betrachtet man mit etwas Sorge, wenn diesen der Arzt Hyperaktivität bescheinigt.

Das Rezept gegen gegen Hast, Stress und die peinigenden Gefühle etwas zu verpassen und nicht überall dabei sein zu können, ist dabei eigentlich leicht ausgestellt – sogar von einem Nichtmediziner: ein Passivtag.

Die von uns so gerne und beredt für ihre Lebenskunst gepriesener Italiener haben schon immer geschmeckt, dass es das Nichtstun ist, das süß mundet. Und auch uns, welche wir diesseits der Alpen leben, tut ein Abschalten vom Alltag gut.

Eine bequeme Liege reicht

Was aber nicht heißt, gleich wieder den Freizeitbetrieb einzuschalten. Nein: am Passivtag sind Aktivitäten tabu. Es reicht eine bequeme Liege, gerne im Freien aufgestellt, ein sanfter Wind, der so wie jetzt mit einer Andeutung Herbst leicht über einen hin- und wegstreicht.

Bitte keinen Picknick-Koffer packen. Es ist Passivtag. Und auch keinen Beschallungsknopf ins Ohr. Das Handy kommt unter strengste Verschluss. Allenfalls ein Buch darf mit als Einstiegshilfe in die Welt jenseits der sinnlichen Wahrnehmung.

Das Zwischenreich zwischen Wachen und Schlafen

Denn wenn beim Blinzeln gegen die Sonne die Zeilen zu verschmelzen beginnen, die gelesenen Worte ihre Bedeutung verlieren, dann startet im Zwischenreich von Wachen und Schlafen der große Gedankenflug. Einmal rund um die Welt in wenigen Minuten, hinein in die Höhen und Tiefen menschlicher Erfahrung, ins Licht und ins Dunkel.

Von Arthur Schopenhauer, dem deutschen Philosophen, wissen wir, was wir durch kontemplatives Betrachten schauen können, dann wenn wir uns versenken ohne einen anderen Grund als das Versenken: Wir bekommen Zugang zum Wesen der Welt.

Und das ist nicht wenig für einen Passivtag.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Mein schönster Sommertag: <br> HZ-Redakteure geben Tipps

In der Sommerserie 2013 berichten HZ-Redakteure von ihrem schönsten Sommertag. Dabei geht es in die Luft und ins Wasser, mal weit weg und mal nur vor die Haustüre.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

United Tribuns: Heidenheimer Gang bleibt weiter im Visier der Ermittler

Gegen eine Reihe von Mitgliedern der Gruppierung laufen Ermittlungen, der Präsident Cihan O. stand bereits vor Gericht. weiter lesen