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Hofgemeinschaft Biotal als Beispielgeber für Region

Seit 1987 wirtschaftet die Hofgemeinschaft Biotal nach den Kriterien von Bioland. Der Betrieb ist einer von gut zehn Höfen allein in Herbrechtingen, welche auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat, aber er hat etwas Besonderes. „Es strahlt hier etwas aus“, empfand Andrea Lindlohr, die Patenabgeordnete der Grünen im Landtag.

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Winters wie sommers offen: der Kuhstall der Hofgemeinschaft Biotal in Eselsburg. Zu den interessierten Gästen an der Biolandwirtschaft zählte diese Woche auch die Landtagsabgeordnete der Grünen Andrea Lindlohr. Unser Bild zeigt sie mit von links Michael Sautter, dem Sprecher der Grünen im Kreistag und der Landwirtsfamilie Hans, Ingeborg und Christoph Bosch.  Foto: 

Mit Michael Sautter, dem Sprecher der Grünen im Kreistag, war die Landtagsabgeordnete an die Talstraße gekommen, um die betrieblichen Abläufe in einer biologischen Landwirtschaft kennenzulernen. Zwei Stunden nahm sich die 39-jährige Politikerin, die seit 1998 Mitglied bei den Grünen ist, dafür Zeit. Die Biotal-Hofgemeinschaft wird von den Familien Schlumpberger, Bosch und Eßlinger gebildet. 20 Mitarbeiter mittlerweile kümmern sich um Getreide- und Ackerbau, den kleinen Gemüsegarten, die zentrale Milchviehhaltung wie den Hofladen mit angeschlossener Molkerei. Rund 800 Kunden im Umkreis steuert zweimal wöchentlich das Milchmobil der Hofgemeinschaft an. Die Nachfrage nach biologisch erzeugten Produkten nimmt zu, wobei wie Ingeborg Bosch der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen erläuterte, für die Kunden das Wissen, ein regional erzeugtes Produkt zu erwerben und das Tierwohl noch wichtiger bei ihrer Kaufentscheidung sind.

Bei den Besuchern der Biobauernhofs in Eselsburg vermischt sich das Interesse an gesunden Lebensmitteln freilich noch mit der touristischen Anziehungskraft der Brenzschleife, so dass die Landwirtsfamilien an Wochenenden mitunter 200 Neugierige zählen, die einfach einmal in den offenen Kuhstall schauen wollen.

Dass just an dem Tag, für den Lindlohr ihren Besuch angekündigt hatte, eine Kuh gekalbt hat, war Zufall. Dass die Geburt ohne menschliches Zutun erfolgen konnte, indes nicht. Gerade mal bei zwei Prozent liegt die Quote der Kälberverluste und Schwergeburten auf dem Hof. Und das hat durchaus mit der hier betriebenen Art des Wirtschaftens zu tun. Keine Hochleistungskühe stehen im Stall, denen das Grasfutter von den Wiesen gar nicht mehr ausreichen würde, sondern eine bunt gemischte Herde mit gekreuzten Tieren, die ohne Zusatzkraftfutter gut auskommen. Dass sie weniger Milch geben, danken die Kühe mit größerer gesundheitlicher Robustheit und mit einem längeren Leben. Die Kuh, welche Landwirt Hans Bosch letzte Woche dem Schlachter zuführte, hatte zwölfmal gekalbt und damit 14 oder 15 Jahre ein zufriedenes Leben geführt. Das richtige Maß finden, das ist der Ansatz von Bosch, nicht gegen die Natur, sondern mit ihr zu arbeiten.

Solch eine wertkonservative Haltung hindert Bosch aber nicht, für neue technische Entwicklungen aufgeschlossen zu sein, so diese nachhaltiges Wirtschaften befördern. Drei Milchmobile laufen mit Strom oder Erdgas und Bosch war auch bei den Biogaspionieren. Aber nicht, um durch Stromverkauf Geld zu verdienen, sondern um selbst die nicht mehr verwertbaren Reste aus der Landwirtschaft noch für den Eigenbedarf an Energie zu nutzen. Was noch ein Lebensmittel werden kann, darf für Bosch kein Brennstoff werden.

Andrea Lindlohr, die wohnhafte Esslingerin, war vor allem zum Zuhören und Zusehen nach Eselsburg gekommen. Angesprochen wurden aber auch politische Themen wie die neu angelaufene Förderung für Agrarinvestitionen, deren Höhe sich am Tierwohl orientiert oder die Vergütung für die Pflege von Streuobstbeständen, bei der Bosch einen Betrag von 2,50 Euro pro Baum und ausschließlich nur für einen landwirtschaftlichen Betrieb, als deutlich zu niedrig bemängelte.

Mit am meisten beeindruckte Lindlohr, dass die Hofgemeinschaft noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Hofladens beginnen wird, der ganz aus Strohballen aufgerichtet wird, die dann außen mit Lehm verputzt werden. Neben den gehäuften Strohballen, die eine 1,2 Meter dicke Mauer bilden, tragen noch raumhohe Fensterkästen das gewölbte Dach, welches mittels Rundhölzern fixiert wird. „70 Prozent der Baustoffe müssen aus maximal 30 Kilometer Entfernung stammen“, hat sich Hans Bosch als Vorgabe gesetzt und damit neben der Nachhaltigkeit auch das Prinzip der Regionalität einzuhalten. „Ich sehe schon Architekten-Delegationen auf den Hof zukommen“, zeigte sich Lindlohr tief beeindruckt, „das ist großartig, das ist sehr ökologisch.“ Der neue Hofladen kann für Lindlohr ein Beispiel für die ganze Region werden, wie mit natürlichen Stoffen und kurzen Transportwegen naturnahes und nachhaltiges und modernes Bauen möglich ist.

Dass bei der Hofgemeinschaft auch Mitarbeiter Lohn und Brot und menschlichen Zuspruch finden, welche sich auf dem regulären Arbeitsmarkt schwer täten, hörte Lindlohr mit großen Interesse. Nach ihrer Auffassung könnten junge Landwirte, die vor der Wahl einer Betriebsform stehen, am Beispiel der Hofgemeinschaft gut lernen, wie eine biologische Landwirtschaft geführt werden kann.

Für Lindlohr sollten sich deutlich mehr junge Landwirte für diesen Weg entscheiden. Denn im Land „wird mehr Bio verbraucht als erzeugt.“ Selbst Vertreter großer Lebensmittelketten hätten ihr unlängst berichtet, dass auch in den Supermärkten der Kunde stetig mehr nach Biowaren greife. Eine finanzielle Hilfe, wenn ein Landwirt auf die extensive Bewirtschaftung umsteigen wolle, bleibt für Hans Bosch aber weiter unverzichtbar. Davon würden konventionell wirtschaftende Betriebe keineswegs bedroht. Unter den Biobauern sieht Bosch sowieso keine Konkurrenz. Im Gegenteil, man helfe sich sogar im Sortiment der Hofläden. Milch gegen Brot etwa. „Und die Hofläden laufen alle.“

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