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Gussenstadter Biogasanlage fährt mit Volllast

Die Biogasanlage im "Häule" läuft bereits auf Volllast. Mit dem Bau des Nahwärmenetzes will die Energiegenossenschaft in einigen Wochen beginnen. Im kommenden Winter werden dann Dutzende Haushalte mit Abwärme aus der Stromerzeugung geheizt.

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Draußen, vor dem Blockheizkraftwerk, hat noch jeder Traktor das nach außen dringende Geräusch übertönt. Vor der dicken Stahltür im Innern ist bereits ein deutliches Brummen zu hören, das sich zu einem stetigen Brüllen auswächst, als Thomas Häcker die Tür öffnet. Kein Wunder, das Ohrenschützer bereit liegen.

Häcker, junger Landwirt und zugleich Vorsitzender der Gussenstadter Energiegenossenschaft, geht zu einem Bildschirm, ruft Grafiken, Tabellen, Kurven auf und schreit seine Erklärungen gegen den Motor an.

Seit Anfang des Jahres läuft die genossenschaftliche Biogasanlage im Regelbetrieb, mehr als 2000 Stunden lang verbrannte der Motor seither das unter den grünen Kuppeln entstehende Gas auf Volllast, alle 600 Stunden wird er zur Wartung für zwei, drei Stunden heruntergefahren. Rund eine dreiviertel Million Kilowattstunden Strom wurden seither erzeugt.

Häcker führt nach draußen, wo der normale ländliche Geräuschpegel jetzt sehr idyllisch wirkt. Hier steht eine Reihe von „Notkühlern“, die die Motorwärme an die Luft abgeben. Noch, betont Häcker: „Hoffentlich werden sie zum Jahresende nicht mehr laufen.“

Das ist genau dann der Fall, wenn das parallel zur Biogasanlage geplante Nahwärmenetz bis zum Herbst umgesetzt ist. Die Planungen und Verhandlungen zogen sich hin, mittlerweile sind aber 62 Anschlüsse gesichert, vornehmlich an Privathäuser, aber auch öffentliche Gebäude. In ein paar Wochen soll der Leitungsbau beginnen.

Im Betriebsgebäude ist daher auch noch viel Platz. Neben dem laufenden Motor wird bald ein zweiter aufgestellt, die beiden unterschiedlich dimensionierten Aggregate sollen sich ergänzen, teils gemeinsam laufen. Platz ist außerdem für einen starken Ölbrenner, der die Spitzenlasten in extrem kalten Wintern abdecken soll.

Im vergangenen Winter wäre er dagegen wohl nicht zum Einsatz gekommen. Im Notfall könnte der Ölbrenner dagegen das komplette Wärmenetz versorgen, erklärt Thomas Häcker, der sich neben der Arbeit im Milchviehbetrieb um die Anlage kümmert.

Dass aber das Gas ausbleiben könnte – danach sieht es beim Blick in den Fermenter nicht aus: Eine bräunliche Masse blubbert fröhlich vor sich hin, und jedes „Blubb“ steht für ein wenig mehr Gas aus erneuerbaren Rohstoffen. Derzeit wird die Anlage zu 70 Prozent mit Gülle und Mist befüllt. Mehrmals täglich fahren Landwirte mit ihren Güllefässern heran und lassen den „Rohstoff“ in einen riesigen Betonbehälter pladdern. Daneben wurden großen Fahrsilos gebaut, in denen Mais, Grassilage und gehäckseltes Getreide lagern.

26 Tonnen Gülle, sieben Tonnen Mist, dazu rund 14 Tonnen Mais- und Ganzpflanzensilage werden täglich in die Anlage eingespeist. 24 Landwirte gehören mittlerweile der Genossenschaft an, die aus maximal sechs Kilometern Umkreis Rohstoffe anliefern. Weitere Transportwege soll es nicht geben.

Das aktuelle Erneuerbare-Energien-Gesetz fordert unter anderem entweder den Einsatz von mindestens 60 Prozent Gülle und Mist in Biogasanlagen oder die Nutzung von mindestens 60 Prozent der Abwärme. Die Gussenstadter Genossen erfüllen gleich zwei dieser Kriterien.

Das Energieprojekt am Waldrand hat längst über Gussenstadt hinaus Aufmerksamkeit gefunden. Landes- und bundesweit berichten Medien über die Energiegenossenschaft und mittlerweile liegt auch schriftlich vor, dass Gussenstadt nun als „Bioenergiedorf“ gilt. 200 000 Euro an Zuschüssen aus Landes- und EU-Mitteln fließen daher in die Finanzierung der Nahwärmeversorgung.

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