Partner der

Gundremmingen soll 2040 frei von Radioaktivität sein

Gesetz ist Gesetz – außer es wird noch geändert: Bei einer Infoveranstaltung zum Rückbau des AKW Gundremmingen schloss die Kraftwerksleitung einen Weiterbetrieb über die jetzt geltenden Abschalttermine hinaus aus. Doch klar wurde auch: Bis das Areal frei von Radioaktivität wird, ist es auch so ein langer Weg.

|
Bis die Kühltürme, die Maschinenhäuser (braune Halle) und die Reaktorgebäude (weiße Bauten) verschwunden sind, wird es noch viele Jahre dauern. Bis 2040 aber sollen die Blöcke B und C des AKW Gundremmingen immerhin frei von Radioaktivität sein.  Foto: 

Ende 2017 geht der erste der beiden Gundremminger Reaktoren vom Netz. Dann beginnt der große Rückbau. Erst einmal nur in Block B, ab Januar 2022 schließlich auch in Block C. Das Vorhaben ist immens: Es gilt, mit 88 000 Tonnen radioaktiv belastetem Material umzugehen und es gilt, dabei zu unterscheiden zwischen oberflächlich kontaminierten Teilen und durchweg strahlenden. Während die einen per Sandstrahl und Säure gereinigt werden können, müssen andere im Kraftwerk zersägt, demontiert und dann in ein Endlager transportiert werden. Die Planungen dafür laufen bereits.

Der Fahrplan sieht vor, bis Ende 2017 und damit zeitgleich zum Ende des Betriebs von Block B die notwendige Genehmigung zum Rückbau zu erhalten. Während Block C nebenan noch vier Jahre weiterläuft, beginnt in seinem Zwilling also bereits die Demontage. Das bedeutet: Die ausgedienten Brennstäbe kommen zum Abklingen ins Lagerbecken. Ansonsten aber wird an der Kerntechnik und den Kühlsystemen zunächst nichts gemacht. Denn so lange, bis der Brennstoff aus dem Gebäude darf, sollen alle sicherheitsrelevanten Systeme unangetastet bleiben, erklärte Gerhard Hackel, stellvertretender technischer Geschäftsführer. „Auch so aber werden wir auf Jahre hinaus zu tun haben“, sagte er.

Bedingug ist ein einsatzbereites Endlager

Sind die Brennstäbe nach fünf Jahren bereit zum Transport ins AKW-eigene Zwischenlager, beginnt das Zerlegen des Reaktorbehälters und seines Schutzschilds. Dies soll an Ort und Stelle im Reaktorgebäude geschehen, wo die Stahlteile – teils unter Wasser – mit Spezialwerkzeugen zerteilt werden. Läuft alles nach Plan, sollen beide Blöcke bis 2040 frei von Radioaktivität sein und damit aus dem Bereich des Atomgesetzes entlassen werden können.

Bedingung für den reibungslosen Rückbau ist allerdings ein einsatzbereites Endlager. Denn abgesehen von den ausgedienten Brennstäben soll während und nach dem Abbau kein radioaktiver Abfall für längere Zeit auf dem Kraftwerksgelände gelagert werden. Stattdessen sieht die Planung vor, dass der ausgebaute, strahlende Schrott jeweils einige Tage bis einige Monate im Maschinenhaus gelagert wird, das als Puffer dienen soll, und dann per Zug oder Lkw in den Schacht „Konrad“ bei Salzgitter in Niedersachsen fährt.

Weil „Konrad“ derzeit aber erst noch zum Endlager für schwach- und mittelradioaktiv strahlendes Material umgebaut wird, ist der verlässliche Abtransport der AKW-Altteile derzeit so etwas wie die große Unbekannte. Denn sollte der Schacht noch nicht verfügbar sein, müssen die im AKW ausgebauten radioaktiven Teile, die nicht dekontaminiert werden können, anderweitig untergebracht werden. Und dies wäre, so Gerhard Hackel, zumindest für einige Jahre in den Maschinenhäusern der Blöcke C und B möglich. Das hieße: Zusätzlich zum Zwischenlager für die ausgebrannten Brennstäbe würde das AKW-Gelände mindestens ein zweites mittelfristiges Zwischenlager beherbergen. Von diesem Szenario aber geht man im Kraftwerk nicht aus. „Uns wurde versichert, dass Konrad zu einem Zeitpunkt zwischen 2020 und 2023 bereit steht“, so Dr. Cord-Henrich Lefhalm, Leiter des Bereichs Genehmigungen beim Energiekonzern RWE.

Per Punktlandung zum Abschalttermin

Dass der Rückbau aus einem anderen Grund ins Stocken gerät oder gar nicht erst beginnt – etwa, weil doch länger Strom produziert werden könnte als es die derzeitigen Abschalttermine für die Blöcke vorsehen – schließt man im Kraftwerk zum jetzigen Zeitpunkt aus. „Das ist ja gar nicht möglich“, versicherte Gerhard Hackel. Zum einen, weil dafür der Vorrat an Kernbrennstoff nicht vorhanden sei, zum anderen aber auch, weil bereits jetzt die Personalplanung auf den Ausstieg ausgerichtet sei. Von derzeit 668 eigenen Mitarbeitern sollen 2021 nur noch 535 beschäftigt sein. Von all dem abgesehen schreibe aber vor allem der Gesetzgeber klar vor, bis wann die Stromproduktion zu enden habe. „Wir haben ein geltendes Atomgesetz“, so Gerhard Hackel. „Und wir machen eine Punktlandung.“
 

Info: Hier geht es zu einem Film des Bundesamts für Strahlenschutz über den Schacht "Konrad".

Neben einer Wanderausstellung, die demnächst in Nachbargemeinden des AKW zu sehen ist, plant das Kraftwerk weitere Informationstage zum Thema Rückbau. Mehr dazu unter www.kkw-gundremmingen.de
Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Das AKW Gundremmingen

Gundremmingen ist nah. Alle HZ-Artikel darüber, was im Atomkraftwerk passiert, finden Sie hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Der 1. FC Heidenheim gewinnt gegen Union Berlin

Nach einer spannenden Partie gewinnt der 1. FC Heidenheim in der Voith-Arena gegen Union Berlin mit 4:3. weiter lesen