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Tut Herbrechtingen genug für seine Gewässer?

Damit Ökologie und Sicherheit nicht den Bach runtergehen, haben Rathaus und Landratsamt Gräben, Kanäle und Quellen im Stadtgebiet unter die Lupe genommen.

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So lauschig sieht's nicht an jedem Wasserlauf im Stadtgebiet aus. Damit entfernt wird, was unerwünscht oder verboten ist, gibt es in regelmäßigen Abständen Gewässerschauen.  Foto: 

Jedes Kind weiß, dass Herbrechtingen an der Brenz liegt. Dass der Fluss hier auf seinem Weg Richtung Donau Schleifen und Kurven in die Landschaft malt, Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet, lauschige Abschnitte für Paddeltouren bereithält, sich in mehreren Kraftwerken einen Teil seiner Energie abringen lässt.

Weitaus weniger bekannt sein dürfte hingegen die erstaunlich große Zahl weiterer Gewässer im Stadtgebiet, die aufgrund ihrer im Vergleich geringeren wasserwirtschaftlichen Bedeutung als Gewässer zweiter Ordnung bezeichnet werden. Auf der Liste stehen unter anderem Bernauer Bach, Eifeldgraben, Sägrunza, Klosterbach, Hirntalgraben, Triebwerkskanal Zoeppritz und Orstelgraben.

Mitunter ist von einem früheren Wasserlauf freilich nicht einmal mehr ein Rinnsal übrig geblieben, existiert allenfalls noch eine kaum wahrnehmbare Vertiefung im Boden. Das ist zum Beispiel in der Fischerbreite in Bolheim der Fall, wo ein Graben als Lagerfläche für Grüngut dient. Verbotenerweise, weshalb dieser Flecken jetzt eines von vielen Themen bei einer Gewässerschau war, zu der das baden-württembergische Wassergesetz die sogenannten Träger der Unterhaltungslast verpflichtet.

32 Missstände notiert

Das ist in den genannten Fällen die Stadtverwaltung, und die verschaffte sich in einem ersten Schritt zusammen mit Regina Zeeb vom gleichnamigen Büro für Umweltplanung in Ulm einen Überblick. Ergebnis: 32 Missstände unterschiedlicher Art, die dann in einer weiteren Runde mit Dr. Katrin Ilg vom Fachbereich Bau, Umwelt und Gewerbeaufsicht beim Heidenheimer Landratsamt detailliert erörtert wurden.

Gewässerschau – Ziel der Übung ist es, zu überprüfen, ob dem Hochwasserschutz Genüge getan und die ökologische Funktion des Gewässers gewährleistet ist. Wo das möglicherweise nicht der Fall ist, zeigt die Liste der dokumentierten Verstöße. Sie reicht von nicht genehmigten Freisitzen und Betontreppen im Uferbereich über verbotenes Düngen im Gewässerrandstreifen bis zur Lagerung von Brennholz, das bei Überschwemmungen mitgerissen und zu gefährlichem Treibgut werden kann, sowie zur Entnahme von Wasser in großem Stil, um den Garten zu gießen.

Das weiter Vorgehen

Aufgabe der fachkundigen Runde war es, im Anschluss an die Bestandsaufnahme das weitere Vorgehen abzustimmen. Ein nicht immer ganz einfaches Unterfangen, steht doch manchmal dem gestörten Rechtsempfinden das Gewohnheitsrecht gegenüber, wie Claudia Schnürle anmerkt, im Rathaus verantwortlich für das Sachgebiet Baurecht: „Es ist im Einzelfall zu prüfen, was entfernt werden muss, und was geduldet werden kann.“

Kommt bei genehmigten oder historisch gewachsenen Anlagen der Bestandsschutz ins Spiel, so gibt es Ilg zufolge keinen Ermessensspielraum, wenn wie in einem gravierenden Fall nur wenige Schritte vom Wasser entfernt eine Kühltruhe in einem überdachten Fahrradständer deponiert wurde.

Wie also weiter vorgehen? „Wir suchen nicht den Streit“, sagt Zeeb, „sondern weisen die Anlieger auf Probleme hin und bitten um ihre Beseitigung.“ Die Lösung kann dann völlig unspektakulär darin bestehen, ein fehlendes Gitter vor einem Wasserrohr anzubringen, die Böschung zu befestigen, aus fremden Lebensräumen importierte Pflanzen zu entfernen, die heimisches Gewächs verdrängen, oder zur Beschattung des Gewässers Bäume zu pflanzen. Das verringert die Wassertemperatur und wirkt beispielsweise dem Wachstum von Kraut und Algen entgegen.

Unrecht nicht immer bewusst

Sollte die Stadt mit ihrem Appell nicht auf Anhieb Erfolg haben, wird Stadtbaumeister Dieter Frank zufolge „höflich, aber bestimmt“ nochmals verdeutlicht, dass eine bestimmte Maßnahme erforderlich sein kann, um künftigen Gefahren vorzubeugen. „Manchmal ist den Leuten vielleicht gar nicht bewusst, im Unrecht zu sein“, fügt Zeeb an. Erst wenn sich auch dann keine Einigung erzielen lässt, ist Ilg zufolge eine wasserrechtliche Anordnung des Landratsamtes denkbar.

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