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Georg Elser jetzt im Riesenformat auf Münchner Hauswand

An den in Hermaringen geborenen Hitler-Attentäter Johann Georg Elser erinnert jetzt in München ein monumentales Wandbild zweier international tätiger „Street Art“-Künstler.

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Mit dem Heldentum hat er's nie gehabt; jetzt erinnert ein riesiges Graffito an einer 23 Meter hohen Hauswand in München an den aus Königsbronn stammenden Hitler-Attentäter Johann Georg Elser. Die Münchner Street-Art-Künstler „Won ABC“ und Loomit haben in 13-tägiger Arbeit ein haushoch gesprühtes Denkmal nahe dem dortigen Hauptbahnhof geschaffen.

Das monumentale Wandbild soll nun in der Bayerstraße 69 mindestens für einige Jahre an den ebenso bescheidenen wie zielstrebigen Mann erinnern, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller einen akribisch vorbereiteten Sprengstoffanschlag auf den „Führer“ und weitere Spitzen der NSdAP verübt hat.

Die Bombe freilich ging nur wenige Minuten zu spät in die Luft; Hitler hatte den Saal bereits verlassen. Elser hätte Weltgeschichte schreiben können. So wurde er zum Opfer der Diktatur, bezahlte seine Hellsichtigkeit und seinen Mut mit dem Leben – den Krieg, den er klar vorhergesehen hatte, konnte er nicht mehr verhindern.

Die Kunst der Straße

Die Münchner Tageszeitung TZ hat in Kooperation unter anderem mit der Stadtsparkasse München und einer Einrichtung des Münchner Kreisjugendrings dieses Bild für die einstige „Hauptstadt der Bewegung“ ermöglicht, das neben der Erinnerung an den über Jahrzehnte von Widerstandsforschern ignorierten Elser auch verweisen soll auf eine Ausstellung in der kleinen Münchner Olympiahalle, die den Titel „Magic City – Die Kunst der Straße“ heißt und bis 3. September dauert.

TZ-Chefredakteur Rudolf Bögel entwickelte die Idee, finanziert wurde das Kunstwerk von allen beteiligten Partnern.

Für die Ausstellung „Magic City – Die Kunst der Straße“ wurden über 60 internationale Künstler gewonnen, die für einen „künstlerisch aufgeladenen Stadtraum“ in der bayerischen Landeshauptstadt sorgen sollen. Die Veranstalter konnten, nach eigener Einschätzung, dafür „die Crème de la Crème der internationalen Urban Art“ gewinnen.

Werke beispielsweise von Loomit oder „Won ABC“, die das Elser-Wandbild realisiert haben, seien „in den führenden Kunstmuseen und Galerien von Tokio über Berlin bis San Francisco“ präsent und erzielten „Rekordsummen“ auf dem Kunstmarkt, berichtet Dr. Carsten Gerhard vom Kulturmarketing München.

Das auf den ersten Blick erkennbare Elser-Portrait steht zentral in der Wandgestaltung; und der Name „Georg Elser“, geschrieben wie für eine Heavy-Metal-Platte, prangt ganz oben unter der Dachkante.

Um das dominierende Elser-Motiv herum finden sich, im Gegenuhrzeigersinn, unter anderem Julius Cäsar, der einem Tyrannenmord zum Opfer fiel, Daniel Düsentrieb (der Elsers Tüftlertum symbolisieren soll), Robin Hood („Rächer der Enterbten“), Zorro, He-man und Darth Vader.

Der Künstler Markus Müller, der sich hinter dem Pseudonym „Won ABC“ verbirgt, hat sich auch über das Werk geäußert: „Ich bewundere Georg Elser nicht nur für seine Tat, sondern auch für den frühen Zeitpunkt des Anschlags. Er wollte schnell den Krieg beenden, den die Nazis entfesselt hatten – wissend, dass sie Europa in Schutt und Asche legen würden. Ich finde, dass Johann Georg Elser als eine der wichtigsten und frühesten Figuren des Widerstands zu wenig in der deutschen Erinnerungskultur präsent ist. Außerdem interessiert mich die philosophische Frage, ob ein Tyrannenmord moralisch erlaubt ist. Diese Frage haben wir in unserem Werk gestellt.“

Und sein Kollege Matthias Köhler alias Loomit ergänzt: „Bombenterror einerseits und moralisch legitimierter Widerstand andererseits – das ist ein hochaktuelles Thema, für das Georg Elser mit seiner Geschichte steht.“

„Won ABC“ ist ein Münchner, der als Graffiti- und Writing-Künstler sowie als Comicautor, Grafiker und Aktionskünstler auf sich aufmerksam gemacht hat. Kunstaktionen in vier Kontinenten haben für die internationale Verbreitung seiner Werke gesorgt.

Auch Loomit gehört, nach Einschätzung Carsten Gerhards, „zu den Gründungsvätern der Münchner Graffiti-Szene und ist ebenfalls international ausgesprochen erfolgreich“. Die Elser-Arbeit ist das größte gemeinsame Werk der beiden Künstler.

Bewundernswerte Konsequenz

Johann Georg Elser wurde 1903 in Hermaringen geboren. Nach dem Besuch der Königsbronner Volksschule begann er eine Lehre als Dreher bei den dortigen Hüttenwerken.

Elser war ein früher Gegner des Nationalsozialismus, einen Weltkrieg hielt er für unausweichlich. Bei der Heidenheimer Firma Waldenmaier eignete er sich Pulver-Pressstückchen an; im Königsbronner Steinbruch Vollmer entwendete er Sprengpatronen und -kapseln.

In mühsamer Nachtarbeit höhlte er im Münchner Bürgerbräukeller den Raum für seine Bombe in einer Säule hinter dem Rednerpult aus; er arbeitete so umsichtig, dass er nicht entdeckt wurde. Um das bewerkstelligen zu können, zog er im August '39 nach München um.

So umsichtig er seine Tat geplant hat, so ungeschickt verlief seine Flucht: Er wurde an der Schweizer Grenze gefasst.

Elser wurde ab 1941 als „Sonderhäftling des Führers“ im KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau gefangen gehalten. Hitler selber ordnete kurz vor Kriegsende die Hinrichtung Elsers an. Am Abend des 9. Aprils wurde Elser heimlich und ohne Gerichtsurteil mit einem Genickschuss ermordet, seine Leiche verbrannt.

Elser wurde erst in den letzten Jahrzehnten weltweit gewürdigt; er widerlegte die wohlfeile Entschuldigung, dass „ein kleiner Mann“ ja nichts gegen die Diktatur habe unternehmen können.

Wenn er jetzt zudem sogar solch monumentale Street Credibility erlangt – dann soll hier auch das nicht weiter beanstandet werden.

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