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Gemeinderat beschließt Ansiedlung des Südkoreanischen Unternehmens „YG-1“

Bürgermeister Peter Traub sieht in der Ansiedlung des südkoreanischen Unternehmens YG-1 vor den Toren der Stadt eine Stärkung und Aufwertung des Industriestandortes Oberkochen.

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Im neuen Gewerbegebiet Oberkochen Süd II (Bildmitte), also in direkter Nachbarschaft zu Zeiss, will der südkoreanische Konzern YG-1 ein Entwicklungs- und Produktionszentrum bauen. Dem hat der Gemeinderat der Nachbarstadt Königsbronns am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich zugestimmt. Doch die Neuansiedlung, die bis zu 1000 neue Arbeitsplätze mit sich bringen soll, wird von den hier etablierten Firmen mit Blick auf das Problem Fachkräftemangel kritisch gesehen.  Foto: 

Nichtöffentlich entschied sich der Gemeinderat der Königsbronner Nachbarstadt Oberkochen am Mittwochabend für die Ansiedlung eines Entwicklungs- und Produktionszentrums des südkoreanischen Unternehmens YG-1 am Standort Oberkochen. Damit verbunden ist der Verkauf von zunächst 1,5 Hektar Grund im Gewerbegebiet Oberkochen Süd II vor den Toren der Stadt. Hinter verschlossenen Türen hat das Gremium damit den von Bürgermeister Peter Traub bereits unterschriebenen, bisher aber mit entsprechendem Genehmigungsvorbehalt versehenen Vertrag abgesegnet – allerdings keineswegs einstimmig, sondern „nur“ mehrheitlich. Und zwar mit elf zu sieben Stimmen und bei einer Enthaltung. Nicht durchsetzen konnten sich die Grünen mit ihrem Antrag, angesichts großen öffentlichen Interesses und wegen der Bedeutung des Beschlusses das in den vergangenen Wochen kontrovers diskutierte Thema öffentlich zu beraten.

Wochenlang nichts anderes

Stadtoberhaupt Peter Traub lud stattdessen gestern zur Pressekonferenz und erläuterte Medienvertretern das Ergebnis „intensiver Diskussionen und Beratungen sowie sorgfältiger Prüfung und Abwägung aller Fakten, Daten und Informationen, insbesondere die von den örtlichen Unternehmen vorgelegten“. Um das zu ermöglichen habe man sogar die bereits für Oktober geplante entscheidende Sitzung des Gemeinderates verschoben. „Ich habe in den vergangenen vier bis sechs Wochen nichts anderes gemacht, als mich um dieses Projekt zu kümmern“, bekräftigte Traub und verwahrte sich gegen jegliche Kritik oder gar Spekulationen über persönliche Konsequenzen. Insbesondere dagegen, den beabsichtigten Deal mit YG-1 nicht früher bekannt gemacht und vor allem mit den großen Firmen am Ort abgestimmt zu haben: „Hätte ich das getan, wäre das mit Sicherheit nicht zustande gekommen und wir säßen jetzt nicht hier“.

Option für weitere Teilfläche

Der nunmehr beschlossene Vertrag umfasst auch eine Option für eine weitere Teilfläche von 1,7 Hektarn, so dass die Südkoreaner „bis in zwei Jahren“ insgesamt 3,2 Hektar im Bereich Oberkochen Süd II für ihre Zwecke nutzen können. Die werden sie wohl auch brauchen, denn die geplante Ansiedlung umfasst neben dem Aufbau von Entwicklungs-, Fertigungs- und Servicekapazitäten auch die Schaffung eines Verwaltungs- und Schulungszentrums. Mittelfristig sollen sowohl der Gesellschaftssitz der YG-1 Deutschland GmbH von Eschborn als auch der Sitz der Europa-Verwaltungszentrale von Paris nach Oberkochen verlagert werden, womit hier dann auch große Bürokomplexe entstehen werden. In Europa bisher sehr verstreut wolle der Konzern künftig seine wesentlichen Aktivitäten am Standort Oberkochen konzentrieren, so Peter Traub. Investiert werden sollen seines Wissens etwa 60 Millionen Euro, der Kaufpreis für die Gewerbefläche betrage die üblichen 75 Euro pro Quadratmeter.

Die Ansiedlung von YG-1 wird jedoch von den großen Unternehmen am Ort kritisch gesehen, Zeiss, Mapal und Leitz befürchten insbesondere aggressiven Wettbewerb um eh knappe Fachkräfte auf der Ostalb und hätten sich lange im Vorfeld des Deals mit YG-1 „mehr Transparenz“ gewünscht. Diesem Gegenwind aus der Wirtschaft war kürzlich beim Informationsforum „Entwicklung des Wirtschafts- und Technologiestandorts Oberkochen im Zeiss-Forum Ausdruck verliehen worden. Die Befürchtungen der Betriebe nehme man ernst, versicherte der Bürgermeister gestern. Auch künftig werde man alles tun, um die örtlichen Unternehmen zu unterstützen und gute Standortvoraussetzungen zu schaffen. Das gelte insbesondere für einen „sich möglicherweise verstärkenden Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte“.

Verbindliche Erklärung

Die Entscheidung zum Verkauf der Gewerbeflächen an YG-1 sei keinesfalls gegen die örtlichen Unternehmen gerichtet, unterstrich Peter Traub. Man wisse und wertschätze, was diese Betriebe aufgebaut und welchen Beitrag sie für die Stadt und für die Menschen, die hier leben und arbeiten, geleistet haben. Das solle nicht geschmälert werden. Die Ansiedlung des Entwicklungs- und Produktionszentrums von YG-1 dürfe nicht zu einem Nachteil für die bestehenden Unternehmen führen, diese blieben „im Fokus unserer lokalen und regionalen Wirtschaftspolitik“.

Den „berechtigten Interessen“ der örtlichen Unternehmen und der regionalen Wirtschaft wolle die Stadt auch dadurch Rechnung tragen, dass die Zustimmung zu dem Grundstückskaufvertrag mit zwei wichtigen Forderungen verbunden wurde, deren Erfüllung YG-1 auch zugesagt habe. So werde sich das Unternehmen zu der verbindlichen Erklärung verpflichten, zum einen keine Fachkräfte von den örtlichen Unternehmen abzuwerben. Und zum anderen, Fachkräfte selbst auszubilden und entsprechende Ausbildungskapazitäten bereits in der ersten Ausbaustufe des geplanten Entwicklungs- und Prodkutionszentrums zu schaffen, „also im frühestmöglichen Stadium“.

Darüber hinaus wurde beschlossen, das sich die Stadt Oberkochen materiell an konkreten Projekten und Maßnahmen zur Anwerbung, Ausbildung und Qualifizierung von Menschen aus dem In- und Ausland beteiligen wird. Gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft, der IHK und dem Ostalbkreis soll die Verwaltung entsprechende Projekte und Maßnahmen definieren.

Unter dem Strich, so Traub, sähen der Gemeinderat und er das Projekt des Unternehmens YG-1 als Chance. Oberkochen und die Region Ostwürttemberg könnten als ein international bedeutsamer Standort der werkzeugherstellenden Industrie gestärkt und aufgewertet werden. In dieser Einschätzung sehe man sich in einer Linie mit dem Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg. So begrüße auch Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut diese Ansiedlung „außerordentlich“ und würdige diese Standortentscheidung als „eine kluge Investitionsentscheidung, einen großen Erfolg für die Stadt Oberkochen und als ein Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg.“

Verneint hat Peter Traub die Frage nach Subventionen für YG-1. Und energisch entgegen trat das Stadtoberhaupt auch Mutmaßungen, aufgrund seines weitgehenden Alleingangs in dieser Sache sei nunmehr das Tischtuch zwischen ihm und zum Beispiel dem Chef von Zeiss zerschnitten.

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