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Freunde schaffen Freude: Wie alles begann

Ob mit groß angelegten Hilfsaktionen für Bedürftige oder niveauvollem Kabarett, ob mit geselligen Kaffeenachmittagen oder Disco-Abenden für Menschen mit und ohne Behinderungen – die Aktion Freunde schaffen Freude (FSF) ist längst eine Institution. Auf drei Jahrzehnte erfolgreichen Einsatzes können die Verantwortlichen 2014 stolz sein. Anlass für einen Blick auf die Anfänge.

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Grillfest am Karlsbrunnen in Trugenhofen: die Mitglieder der Aktion Freunde schaffen Freude auf einem Bild aus den Anfangsjahren. Im Vordergrund sitzt als Zweite von links die Vorsitzende Inge Grein-Feil.

„Für uns sind 30 Jahre viel. Wir haben Initiativen und Leute kommen und gehen gesehen“, erinnert sich Inge Grein-Feil, die von Anfang an Vorsitzende der „Freunde“ war und ist. Anno 2014, beim 30. Geburtstag, zähle der eingetragene und in Dischingen beheimatete Verein weltweit 420 Mitglieder bis nach Südamerika hin sowie zusätzlich rund 1800 frei zugehörige Menschen rund um die Welt, die sich für die der Menschlichkeit verbundenen Ziele von FSF einsetzen.

Seit 1975 sind Inge Grein-Feil und ihr Mann Siggi Feil zusammen, seit 1977 wohnen sie im Dischinger Teilort Demmingen. Sie beschreibt sich selbst als einen schon immer sozial denkenden Menschen, besonderen Eindruck hinterließ aber ein gemeinsamer Besuch bei der in Brasilien lebenden Verwandtschaft. Das soziale Miteinander dort mit vier Generationen unter einem Dach habe sie begeistert.

Danach gab das Paar seine Berufe im Architekturbüro und als Werbefotograf auf. Inspiriert von den Erlebnissen in Brasilien begannen beide, Lederhandarbeiten von der Tasche bis zum Geldbeutel zu fertigen und auf Märkten und Messen zu verkaufen. Wenn Rollstuhlfahrer vorbeikamen, habe es zu den damals gemachten Beobachtungen gehört, dass sich Angebote immer am Schiebenden, nicht am Geschobenen orientierten, erzählt Inge Grein-Feil. Man müsse etwas unternehmen, um das zu vermischen, erkannte das Paar. „Die erste Idee für die Aktion.“

So ging es Anfang der Achtzigerjahre los mit ersten Benefizverkäufen, z. B. zugunsten der Amsel (Aktion Multiple Sklerose Erkrankter), es entstanden erste Kontakte zu helfenden Organisationen und betroffenen Menschen. Doch 1982 begann eine persönlich schwierige Phase für Inge Grein-Feil.

„In der Zeit bis 1984 hat es mich voll aus der Bahn geschmissen“, schildert sie das einschneidende Erlebnis, das vieles veränderte: Bei ihr selbst wurde Multiple Sklerose diagnostiziert. Krankheitsschübe und Depressionen folgten. „Ich wollte eigentlich nicht mehr leben.“ Mit dem 6. Juni 1984 verbindet sie aber ein Schlüsselerlebnis: In ihrer Verzweiflung habe sie im Krankenbett ein tiefes Erlebnis gehabt mit der Erkenntnis: „Es kann so nicht weitergehen.“ So sei sie zum gläubigen Menschen geworden. Siggi Feil ergänzt: „Plötzlich war sie anders – gelöst, fröhlich. Sie hatte ihre Angst verloren.“ Inge Grein-Feil nennt die biblische Bergpredigt als prägenden Einfluss, der sich bis heute wie ein roter Faden durch FSF ziehe: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“

Die schwer Erkrankte erinnerte sich, einer Freundin versprochen zu haben, ihr bei der Anschaffung eines Treppenaufzugs zu helfen. Das Ehepaar Feil sagte einen schon gebuchten Urlaub ab und nahm das Geld als Grundstock für den Kauf des Aufzugs, der damals 27 000 Mark kosten sollte. Über Spendenaufrufe, auch in den Heidenheimer Zeitungen, versuchte man, das Geld zusammenzutragen. Um Spendenquittungen ausstellen zu können, war jedoch die Gemeinnützigkeit gefordert. Und so reifte der Entschluss: „Wir gründen einen Verein.“ Dahinter steckte eine höchst menschliche Erkenntnis: „Gemeinsam können auch Schwache stark sein.“

Nicht jeder habe geglaubt, dass so einfach Aktionen organisiert werden könnten, um anderen zu helfen, sagt Inge Grein-Feil. „Alle haben gesagt: Das geht nicht. Dann kam einer, der hat nicht gewusst, dass es nicht geht und hat es gemacht. Und das waren wir“, zitiert sie nicht ohne Stolz einen ihrer Lieblingssätze.

Am 27. August 1984 fand im Demminger Lokal Pension Viktoria die Gründungsversammlung statt: 13 Personen hoben den Verein aus der Taufe. Der Name Freunde schaffen Freude stand bereits fest und wurde genehmigt, Inge Grein-Feil zur FSF-Vorsitzenden gewählt.

Der Verein sei als mildtätig-gemeinnützig – eine der höchsten Rangstufen – eingeordnet worden, so Siggi Feil. Damit sei es möglich gewesen, Spenden anzunehmen. Die erste habe FSF als private Gabe des Finanzamt-Chefs erhalten. Kurz vor Weihnachten 1984 war das Geld für den Aufzug aufgebracht.

Bald fanden sich FSF-Gruppen in Aalen, Heidenheim und Dillingen zusammen, denen ein menschenwürdiges Miteinander wichtig ist. Inge Grein-Feil: „Meine Illusion ist, dass jeder Mensch sich in die Gemeinschaft einbringen kann. Damit arbeiten wir seit 30 Jahren mit Erfolg.“

Zu Ende des Gründungsjahrs erschien auch die erste Ausgabe der FSF-Broschüre „Kleine Brücke“, die seitdem vierteljährlich herausgegeben wird und einen Überblick über die humanitären Leistungen der Aktion bietet.

Was viele Jahre fehlte, wurde im Juni 2000 Wirklichkeit: Dem Mangel an barrierefrei zugänglichen Veranstaltungs- und Treffräumen konnte mit der Eröffnung der neu errichteten FSF-Begegnungsstätte Arche an der Rosenbachstraße abgeholfen werden.

Die „Freunde“ gehören seit Mitte der Neunzigerjahre dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband an und haben zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Inge Grein-Feil ist auch als Vortragsrednerin bis heute vielerorten gefragt. 1995 wurde sie für ihr Engagement mit der Bundesverdienstmedaille geehrt. Die Staufermedaille gehört ebenfalls zu ihren Auszeichnungen. Und eine Grundlage für die bis heute anhaltende erfolgreiche Arbeit ist die gute Zusammenarbeit zwischen der Vorsitzenden und ihrem Mann geblieben.

Info 30 Jahre FSF wird am 12. Oktober um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst in der katholischen Kirche Dischingen und einem Tag der offenen Tür in der Arche gefeiert. Weitere Festveranstaltungen schließen sich in anderen Orten an.
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