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Fohlenzucht im Pferdeparadies am Wahlberg

Wahlberg: Oft gelesen, häufig vorbeigefahren, nie hinterfragt, was sich da oben verbirgt. Dabei erwartet den Besucher und Wanderer in der Nähe von Nattheim eine ungeahnte Weite und herrliche Ruhe.

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  • Angelika und Siegward Majer betreiben seit drei Jahrzehnten den Fohlenhof. 1/4
    Angelika und Siegward Majer betreiben seit drei Jahrzehnten den Fohlenhof. Foto: 
  • Gut 30 Hengste verbringen derzeit ihre Jugend- und Flegeljahre auf dem Wahlberg. 2/4
    Gut 30 Hengste verbringen derzeit ihre Jugend- und Flegeljahre auf dem Wahlberg.
  • Wer Champion werden will, muss zuversichtlich in die Welt blicken. 3/4
    Wer Champion werden will, muss zuversichtlich in die Welt blicken.
  • Damit das Idyll auch Idyll bleibt. 4/4
    Damit das Idyll auch Idyll bleibt.
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Pferdefreunden und Pferdekennern ist das Örtle Wahlberg schon viele Jahre ein Begriff. Siegward und Angelika Majer betreiben dort seit gut drei Jahrzehnten einen Fohlenhof.

Drei Familien leben in Wahlberg, besser wohl, auf dem Wahlberg. Zu den Majers gehören drei Töchter, der Jack Russell Terrier „Chico“, die Katze „Mecki“, eine Portion Wellensittiche, ebenso viele Zebrafinken, einige Goldfasane und Mandarin-Enten. Und natürlich jede Menge Pferde. Hundert werden es wohl sein.

Der Tag beginnt für Siegward Majer morgens um sieben, wo angeblich ja noch die Welt in Ordnung ist und endet in den Abendstunden. „Ich genehmige mir natürlich Pausen, frühstücke gemütlich, gönne mir auch am Nachmittag einen Kaffee. Urlaub zu machen, ist allerdings schwierig“, erzählt der gelernte Landwirt und verteilt mit der Heugabel das Futter, wodurch zeitgleich ein rhythmisches „Mpf, mpf“ von gut dreißig Hengsten einsetzt. „Das geht jetzt gut eine Stunde so, heute Abend noch einmal das gleiche Spiel“, erklärt der Gastgeber, der 1980 sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Die Fohlen wachsen im Herdenverband auf 

Sechs Jahre zuvor hatte er das Anwesen erstanden, begann wenig später die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister in Marbach und machte sich schnell in der Branche und in Fachkreisen einen Namen. Staatsprämien für seine Zuchtstuten, Auszeichnungen, Championate vom Oldenburger und vom Württemberger Zuchtverband hat Siegward Majer eingeheimst und erklärt geduldig, was aus einem Zuchtfohlen einen Champion macht. „Es muss sich gut präsentieren. Mit Zuversicht in die Welt gucken. Na, ein bisschen so wie ein Angeber vor sein Publikum treten.“

Der Mann mit dem Vier-Mädel-Haushalt klärt geduldig auf: „Die Hengst- und Stutfohlen wachsen bei uns im Herdenverband auf. Fohlen benötigen den Sozialkontakt. Rangkämpfe sind wichtig, sollen aus dem Nachwuchs später einmal Sport- und Reitpferdpersönlichkeiten werden.“

Warum Hengste und Stuten in weit auseinanderliegenden Zuchtställen untergebracht sind, entlockt dem 56-Jährigen ein Schmunzeln. „Was glauben Sie, was hier los wäre, wenn die Stuten rossig sind. Dann drehen die Kerle durch.“

Gleich mal die Frage nachschieben: „Bei den Stuten heißt es 'rossig' und bei den Hengsten?“ Majer: „Die können immer. So ist es bei den Menschen ja auch.“ – Aha.

Besitzer aus dem gesamten süddeutschen Raum bringen ihre Füllen nach Wahlberg

Die Herren der Pferdeschöpfung dürfen im Übrigen nur decken, wenn sie gekört und im jeweiligen Zuchtverband anerkannt sind. Fast tragisch, dass man ihnen dafür heutzutage meist ein Phantom vor die Nüstern führt. Darüber hinaus bringt sich die Mutter, wenn es ums Erbgut geht, mit weit mehr guten Eigenschaften ein, als Vater Hengst. So jedenfalls die Beobachtung von Siegward Majer, der auf dem Wahlberg mehr gebaut als gezüchtet hat.

Begonnen hat's 1986 mit dem Stutenaufzuchtstall, 1990 folgte der Bau der Reithalle mit angeschlossenem Aufzuchtstall für die Hengste. 2005 wurde die Unterkunft der weiblichen Tiere abgerissen, ein Neubau aufs Modernste ausgestattet. Majer: „Jetzt stehen uns optimale Stallgebäude zur Aufzucht der Fohlen zur Verfügung.“

Die haben zum Teil ein beachtliches Stockmaß, gelten aber bis zum dritten Lebensjahr als Fohlen, bevor der Ernst des Pferdelebens beginnt. Mit sechs Monaten bringen die Besitzer aus dem gesamten süddeutschen Raum, selbst aus Österreich und der Schweiz die Füllen sozusagen ins „Internat Wahlberg“, wo ausgedehnte Weideflächen und eingezäunte Koppeln auf die drolligen Neuankömmlinge warten. Im Sommer leben die verspielten Vierbeiner in Offenställen mit direktem Zugang ins Grüne. Im Winter stehen Paddocks (kleine Koppeln, die nicht als Weide bepflanzt sind) zur Verfügung.

Ausreitgelände gibt es in der Umgebung reichlich 

Der Reiter- und Fohlenhof Wahlberg darf sich stolz „größter Fohlenaufzuchtsbetrieb der Ostalb nennen“, auf dem außer Heu und Stroh auch Gnadenbrot gefüttert wird. Rentner nennt Siegward Majer gerne die Kameraden, die weder beschlagen sind, noch gestriegelt werden und dennoch mit ihrem Haar um die Wette glänzen. „Das mache das gute Futter, Mutter Natur und das Wohlbefinden“, weiß der Pferdewirtschaftsfachmann.

An diesem sonnigen Vormittag begegnet man auf dem Wahlberg Sattel schleppenden Menschen, die hinaus wollen in die freie Natur. Ausreitgelände gibt es reichlich. In diesem Pferdeparadies bieten über 40 Einstellboxen zusätzlich Platz für die Rösser von Freizeit- und Turnierreitern, die auf dem Außenreitplatz oder in der 800 Quadratmeter großen Reithalle ihrem Hobby oder dem Leistungssport nachgehen.

Siegward Majer schaut ohne Neid hinterher. „Alles hat seine Zeit“, stellt der gebürtige Härtsfelder nüchtern fest und hat für das vor allem bei Mädchen beliebte Hobby schon lange keine Kapazitäten mehr frei.

Von den Majers sitzt lediglich noch eine Tochter fest im Sattel. Denn, was das Reiten anbelangt, da legt der so locker plaudernde Fohlenhofbesitzer strenge Maßstäbe an: „Nicht jeder, der mal auf einem Pferd gesessen hat, kann reiten, zumindest wenn man von Leistungssport spricht.“

Schnell noch ein Handschlag. Und schon muss der Wahlberger auch schon wieder fort mit seiner „Kutsche“, die locker 300 Pferdestärken unter der Haube haben mag.

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