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Ungarn-Partnerschaft: Förderverein Biatorbagy-Herbrechtingen vor dem Aus

Vor 17 Jahren wurde der Förderverein Biatorbagy-Herbrechtingen gegründet. Jetzt naht sein Ende, weil das Interesse am Schüleraustausch immer mehr schwindet.

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2002 dauerte der Schüleraustausch noch drei Wochen.  Foto: 

Europa hat auch schon mal ein geschlosseneres Bild abgegeben: Im Juni 2016 stimmten die Briten für den Brexit, also den Abschied aus der EU, und in etlichen weiteren Ländern bröckelt das Zusammengehörigkeitsgefühl bedrohlich, gilt das Augenmerk zunehmend nationalen Interessen.

Wie bedeutsam klingen vor diesem Hintergrund die Worte, die der Beigeordnete Thomas Diem bereits im Juli 2014 wählte. Gefeiert wurde damals die 25 Jahre zuvor erfolgte Unterzeichnung der Herbrechtingen und Biatorbagy (Ungarn) seither verbindenden Städtepartnerschafts-Urkunde. Nur wenn sich die Jugend verstehe und aufeinander zugehe, könne sie eine europäische Identität entwickeln, so Diem. Auch kleine Gemeinden könnten etwas bewegen.

Vorsitzende sind Liquidatoren

Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich allerdings ab, was mittlerweile traurige Gewissheit ist: Der Schüleraustausch zwischen den beiden Städten ist längst kein Renner mehr. Auswirkungen hat der vergebliche Versuch, ihm neues Leben einzuhauchen, jetzt auch auf den Förderverein Biatorbagy-Herbrechtingen. Dieser soll aufgelöst werden, Liquidatoren sind der Vorsitzende Johann Ambrosi und dessen Stellvertreterin Angelika Schöfl.

Mögliche Gläubiger haben den üblichen Regularien entsprechend ab sofort Gelegenheit, Ansprüche anzumelden, ehe der Verein in einem Jahr endgültig der Vergangenheit angehört.

Dabei sah es zunächst nach einer Erfolgsgeschichte aus. 49 Jungen und Mädchen aus Biatorbagy nutzten bei der Premiere die Gelegenheit, drei Wochen in Herbrechtingen zu verbringen, Stadt und Leute kennenzulernen, die Deutschkenntnisse zu verbessern, die Schulbank zu drücken. Insgesamt waren es rund 250. Im Laufe der Zeit wurde abgespeckt: Die Zahl der ungarischen – wie auch der deutschen – Austauschschüler nahm ab, die Besuche schrumpften auf eine Woche zusammen, die Gasteltern wurden weniger.

Engagement nicht belohnt

Als Ambrosi und Schöfl sich vor gut zwei Jahren in die Pflicht nehmen ließen, gingen sie mit großem Engagement an die Sache heran – wissend, dass es kein einfaches Unterfangen sein würde, den Schüleraustausch wieder anzukurbeln. Und tatsächlich war im Sommer 2017 der Tiefpunkt erreicht: Gerade sechs Kinder kamen zusammen mit einem Betreuungs-Ehepaar nach Herbrechtingen. Untergebracht waren sie zunächst in der Eselsburger Mühle, ehe sie nach Herbrechtingen wechselten und dort gemeinsam mit der Delegation aus Biatorbagy ein Quartier bezogen, die das Stadtfest besuchte.

Eine Teilnahme am Unterricht erfolgte nicht, vielmehr blieb es bei einer Besichtigung der Schule. „Nachdem die bisherige Betreuungslehrerin das Gymnasium verlassen hatte, haben wir von dort leider keine große Unterstützung mehr erfahren“, liefert Ambrosi die Begründung. Folglich mangelte es an Gasteltern, und obendrein ging dadurch der grundlegende Gedanke des Austauschs verloren: „Wer in einem Jahr ein Kind bei sich aufnimmt, kann im darauf folgenden sein eigenes nach Ungarn schicken“, sagt Schöfl. Wenig Sinn sieht sie in der Notlösung, dass ältere Mitbürger Quartiere anbieten, „denn Sinn und Zweck ist ja, dass die jungen Leute untereinander Kontakte knüpfen, die im Idealfall möglichst lange Bestand haben“.

Ambrosi hätte sich auf Dauer mit der Eselsburg-Variante anfreunden können, sofern Betreuungspersonen aus Ungarn mitgekommen wären. Ibolya Rack, Vorsitzende des Deutschen Stadtrats in Biatorbagy, konnte das jedoch nicht definitiv zusagen. Somit ist der Austausch traditioneller Prägung auf Dauer passé. Möglicherweise kommen in Zukunft aber Schüler mit der offiziellen Besuchergruppe zum Stadtfest nach Herbrechtingen. „Das wäre schön“, sagt Schöfl, „denn die Städtepartnerschaft soll nicht vernachlässigt werden.“

Immer weniger Aktive

Das ändert aber nichts an der nach langen Diskussionen einstimmig getroffenen Entscheidung, den Förderverein aufzulösen. Zumal sich in den eigenen Reihen niemand fand, der sich an der Vereinsspitze hätte engagieren wollen. Oder auch können. Denn viele der zuletzt 35 Mitglieder sind mittlerweile in einem Alter, das eine aktive Mitarbeit nur noch bedingt zulässt. So waren als treibende Kräfte neben den beiden Vorsitzenden nur noch die drei Beisitzer und der Kassierer übrig. „Und bei den anstehenden Wahlen hätten wir wegen des bevorstehenden Generationswechsels bestimmt keine Mannschaft mehr zusammengebracht“, zeigt sich Ambrosi wenig zuversichtlich.

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