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Flüchtlinge: Noch wenig Resonanz für City-Treff

Vor gut zwei Monaten ist in den ehemaligen Ratsstuben eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge eingezogen. Noch wird der Treff aber nicht so angenommen, wie sich das die Initiatoren wünschen.

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Weil der Herbrechtinger Rathausplatz derzeit umgebaut wird, ist der City-Treff bis auf Weiteres nur über den Umweg durch den Bürgersaal zu erreichen.  Foto: 

Warten, Bangen, Hoffen: Diese Gefühle prägen das Leben einer syrischen Frau, die vor einigen Wochen hochschwanger mit Mann und dreijährigem Kind aus ihrer Heimat geflohen ist. Auf dem Seeweg nach Europa wurden sie und ihr Mann auf verschiedene Schiffe gebracht. Mittlerweile ist sie eine von rund achtzig Flüchtlingen, die in Herbrechtingen untergebracht sind. Erst kürzlich hat sie ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Doch von ihrem Mann fehlt weiterhin jede Spur.

Es sind bewegende Geschichten wie diese, die Pina Röger in ihrer Entscheidung, Flüchtlingen zu helfen, bestärken. Begonnen hat alles mit einer Kleiderspende. „Eigentlich wollte ich bei der Stadt nur nach einer Möglichkeit für eine Kleiderkammer fragen“, erzählt Pina Röger, die Initiatorin des Herbrechtinger City-Treffs. Als ihr die Verwaltung die Ratsstuben zur Verfügung stellen wollte, erkannte sie deren Potenzial.

Seit mehr als zwei Monaten dienen die Räume nun mittwochs und donnerstags für zwei Stunden als Begegnungsstätte und sollen es den Flüchtlingen erleichtern, Einheimische kennenzulernen. Es gibt Kaffee und frisch gebackenen Kuchen, eine Spielecke für Kinder und Veranstaltungen wie zum Beispiel einen Stricknachmittag.

Die Resonanz ist aber noch nicht so, wie Röger es sich wünscht – bei den Flüchtlingen und bei den Einheimischen. „Es kam schon vor, dass ich auf der Straße angesprochen wurde, warum ich meine Zeit für Flüchtlinge investiere“, schildert Röger bestehende Ressentiments.

Ute Engelmann ist eine der wenigen Einheimischen, die sich regelmäßig an den Treffen beteiligt. Sie wollte diese Chance vor allem dazu nutzen, selbst Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abzubauen. „Ich glaube, es ist einfacher, jemanden zu verurteilen, als sich auf ihn einzulassen“, sagt Engelmann. „Die Menschen vergessen oft die Not dieser Immigranten und fahren alte Klischees auf“, ergänzt Röger. Flüchtlinge kosteten nur Zeit und Geld – das sei die Auffassung vieler.

Doch auch die Männer und Frauen aus Syrien, Albanien, Gambia und Serbien beteiligen sich bisher nicht so, wie es sich die Initiatoren erhofft hatten. Parallel zum City-Treff finden beispielsweise Deutschkurse für Frauen statt, die aufgrund des muslimischen Glaubens nur von einer weiblichen Lehrkraft gegeben werden dürfen.

Bisher beteiligten sich lediglich etwa zehn Frauen an diesen Kursen. „Auch hier hoffen wir, dass die Zahl der Teilnehmer in Zukunft steigt“, so Röger. Bessere Deutschkenntnisse würden vieles erleichtern. Momentan kommunizieren die Ehrenamtlichen via Übersetzungs-Apps mit den Flüchtlingen. Wenn gar nichts mehr gehe, setze man eben Hände und Füße ein.

Darüber hinaus versucht man die Frauen in die alltägliche Arbeit zu integrieren. Doch immer wieder stößt man auf kulturelle Hindernisse. So dürften die muslimischen Frauen beispielsweise nur bei einer Putzaktion vor der Eröffnung helfen, wenn keine Männer anwesend sind. Man versuche dann, die andere Kultur zu verstehen und zu respektieren, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Die Räumlichkeiten des City-Treffs sind momentan lediglich eine Übergangslösung, solange sich kein Pächter für die Ratsstuben findet. Die Stadt übernimmt derzeit alle anfallenden Kosten, etwa für Strom oder Wasser. Falls die Resonanz für den City-Treff steigt, möchte Röger eine weitere Initiative starten, um neue Räumlichkeiten zu finden. Zur Zeit sehe es aber leider schlecht aus. „Wenn sich nicht mehr Einheimische und Flüchtlinge an dem Treff beteiligen, wird es schwer werden, nach Ablauf dieses Jahres das Projekt weiterzuführen“, so Röger.

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