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Familienunternehmen bekommt neuen Chef

„Ich suche neue Herausforderungen.“ So hat Bernd Ledl seinen Abschied als Alleinvorstand der Vereinigten Filzfabriken AG in Giengen begründet. Gefunden hat der 52-Jährige diese in Herbrechtingen. Ledl ist Geschäftsführer der Carl Stahl GmbH & Co. KG geworden und wird ab dem Jahresende das Familienunternehmen alleine leiten.

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Ulrich Stahl hat die Nachfolge in der Geschäftsführung geregelt. Bernd Ledl (rechts) wird ab dem Jahresende die älteste Bandweberei in Herbrechtingen leiten.  Foto: 

Die Firma Carl Stahl, 1930 gegründet, ist die älteste Bandweberei in Herbrechtingen. Geführt wird das Unternehmen in dritter Generation von Ulrich Stahl. 90 Prozent seines Umsatzes macht Stahl heute mit der Automobilunterindustrie. Trotz des „sehr bewegten Markts“ in dieser Branche hat Stahl seine Position nicht nur halten, sondern ausbauen können. Ein zweistelliges Umsatzplus kann Ulrich Stahl für das Geschäftsjahr 2012/13 bilanzieren. Innovation und Automation lautet die Strategie von Stahl. „Das ist unser Weg.“

Dass die 103 Mitarbeiter beschäftigende Carl Stahl GmbH & Co. KG vor drei Jahren den Innovationspreis der Region Ostwürttemberg erhalten hat, war kein Zufall. Die Suche nach Verbesserungen ist stete Aufgabe im Unternehmen. Sicherheitsgurte sind das Hauptgeschäft der Bandweberei. Fünf Millionen Stück verlassen pro Jahr das Haus an der Anhauser Straße. Wenn sich an den Kanten noch kleine Kapillare zeigen, dann hat das zwar keine Auswirkungen auf die Reißkraft des Gurtes, gilt aber bei Premium-Herstellern von Automobilen als nicht erwünschter optischer Mangel. Stahl hat es jetzt geschafft, im Gurtgewebe ein Drittel mehr Bindungspunkte zu setzten, so dass die Fäden noch besser fixiert sind. „Das hat es bis dato bei Sicherheitsgurten noch nicht gegeben“, betont Ulrich Stahl. Seitens der Automobilhersteller gebe es ein sehr großes Interesse. Auch Bernd Ledl ist zuversichtlich: „Das wird uns Wachstum bringen.“

Eine nochmals deutlich bessere Qualität und höhere Marktanteile erwartet man sich im Haus Stahl von der Installation einer Ausrüstungsanlage. „Das ist für die Zukunft gedacht“ sagt Ulrich Stahl. In der neuen Anlage werden Gurtbänder thermisch behandelt und imprägniert. Das Gewebe wird fast bis zur Schmelzgrenze erhitzt und mittels Kalanderwerken auf Maß gebracht. „Es ist wie bügeln“, vergleicht Stahl. Ein wichtiger Effekt: es steigt die Reißfestigkeit des Gewebes. Und das, so Stahl, ist bei Sicherheitsgurten entscheidend.“

Bekannt waren sich Stahl und Ledl von gelegentlichen Begegnungen auf Messen und Veranstaltungen. Als Ledl nach gut elf Jahren im Vorstand der Vereinigten Filzfabriken Giengen Ade sagte, war er sich mit Stahl schon einig gewesen. Vor seinem Studium der Betriebswirtschaft in Worms hatte der an der Mosel aufgewachsene Ledl Industriekaufmann in einer Spinnerei und Weberei gelernt. Als „Textiler“ habe ihn vor allem die technisch anspruchsvolle Produktion im Unternehmen Stahl fasziniert. Und gefallen habe ihn auch, in einem Familienunternehmen Verantwortung übernehmen zu können. „Es gibt hier soziale Werte“, ein sich Kümmern um die Mitarbeiter, das auch den privaten Bereich einschließt. „Das finde ich positiv“, sagt der Vater von zwei Kindern, der sich in Hermaringen häuslich niedergelassen hat. Bewusst ist sich Ledl, dass er im Haus in große Fußstapfen tritt, wenn er zum Jahresende die Geschäftsführung gänzlich übernimmt. Dankbar ist er Ulrich Stahl, der sich nach seinem 65. Geburtstag als Gesellschafter des Unternehmens nur noch mit strategischen Fragen befassen will, für die jetzige Einlernphase.

„Das kann nicht jeder“ verweist Ledl auf die Konfektion der Gurte und Bänder im Haus, die Stahl konsequent automatisiert hat. Die damit sichergestellte Gleichartigkeit der Produkte werde von den Kunden sehr geschätzt. Die damit möglichen hohen Stückzahlen erlauben auch Exporte. Fanggurte für Airbags hat man bereits nach China exportiert. „Da haben wir eine Sonderstellung in Europa.“

Bislang haben immer Familienmitglieder die Carl Stahl GmbH & Co. KG geführt. Die Übertragung der Geschäftsführung an Bernd Ledl haben alle Gesellschafter befürwortet. Der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu bleiben, hat sich Ledl vorgenommen. Durch Innovation und Automation.

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