Partner der

Fahrschule Kuhlbusch: Nach 53 Jahren ist Schluss

Die Ära der Fahrschule Kuhlbusch in Dischingen und Heidenheim ist zu Ende. Firmenchef Günther Kuhlbusch war einst der jüngste Fahrlehrer im Landkreis.

|
Günther und Irmgard Kuhlbusch haben ihre Fahrschule kürzlich geschlossen. 53 Jahre lang bestand der Betrieb in Heidenheim und Dischingen. Die noch in Ausbildung befindlichen Fahrschüler führt der Firmenchef aber noch bis zur Führerscheinprüfung.  Foto: 

In Anbetracht einer Zeit von über einem halben Jahrhundert von einer Institution zu sprechen, ist sicher nicht übertrieben. Schlossstraße 8 in Heidenheim war vom 25. August 1964 an die erste Adresse der Fahrschule Kuhlbusch, die von Manfred Kuhlbusch damals gegründet wurde. Der Betrieb lief gut und schon ein Jahr später kam eine Zweigstelle im Heimatort Dischingen hinzu. Seit 1991 führt der Neffe Günther Kuhlbusch die Firma. Aus Altersgründen und mangels Nachfolger ist jetzt jedoch Schluss.

Ehemalige Fahrschüler erinnern sich auf Facebook:

Seine letzte Theoriestunde hielt der 65-jährige Firmenchef in Heidenheim schon am 15. September dieses Jahres – das abmontierte Schild vom Gebäude in der Clichystraße steht mittlerweile in der Garage am Firmensitz Westernachstraße in Dischingen. Dort wurden den Fahrschülern zuletzt im Elternhaus von Günther Kuhlbusch an der Bergstraße die theoretischen Fahr- und Verkehrskenntnisse vermittelt. Am 6. November endeten aber auch hier die Kurse. Die verbliebenen etwa 25 Fahrschüler aus beiden Orten führt Kuhlbusch noch bis zur (hoffentlich erfolgreichen) praktischen Führerscheinprüfung.

Mehr Fahrschüler als Einwohner

Wieviele Fahrschüler in 53 Jahren die Fahrschule Kuhlbusch durchlaufen haben? Der Firmenchef lächelt: „Ich sage immer: mehr als Dischingen Einwohner hat.“ Derzeit zählt die Härtsfeldgemeinde samt Teilorten rund 4350 Bürger. Und seit Günther Kuhlbusch 1976 als Fahrlehrer in den Betrieb seines Onkels eingestiegen ist, habe es nur einen oder höchstens zwei Fahrschüler gegeben, die die Prüfung gar nicht geschafft haben.

Der gelernte Kfz-Mechaniker Kuhlbusch war damals 24 Jahre alt – einst das Mindestalter, um den Beruf ausüben zu dürfen. „Ich war beim Eintritt in die Firma der mit Abstand jüngste Fahrlehrer im Landkreis Heidenheim.“ Die Fahrlehrerscheine für Auto und Motorrad brachte er schon mit, der Lkw-Schein folgte etwas später.

Noch einmal expandierte die Fahrschule Kuhlbusch dann im Jahre 1987, als man am Wiesenweg in Mergelstetten die Fahrschule Tost übernahm. Hier endete der Betrieb aber schon im April 2008.

Seit seinem Einstieg in die Firma kümmerte sich Günther Kuhlbusch um den Theorieunterricht. In der Praxisausbildung half der Onkel auch nach der Betriebsübergabe 1991 noch bei Zweirädern und Lkw mit. Und Günther Kuhlbuschs Ehefrau Irmgard kümmerte sich wie zuvor die Frau des Onkels um die ganze Büroarbeit.

Im Durchschnitt etwa alle zwei Jahre seien die beiden Fahrschulautos ersetzt worden, erzählt der Firmenchef. Mit BMW sei es einst losgegangen, später war es Audi und in den letzten Jahren nun VW. Auch Sohn Florian machte alle Fahrlehrerscheine und arbeitete dann zehn Jahre lang in seiner Freizeit in der Fahrschule des Vaters mit. Dass er den Betrieb nicht übernehmen würde, stand jedoch bereits lange fest. „Das war eigentlich schon klar, als er zum Studieren ging“, sagt der 65-Jährige. Dem Thema Auto blieb der Sohn dennoch verbunden: Er hat einen Master-Abschluss in Fahrzeugtechnik und arbeitet bei BMW in München.

Mangel an Fahrlehrern

Nach einem anderen Übernehmer hat Günther Kuhlbusch nicht aktiv gesucht. Aus Gesprächen mit Fahrprüfern und Artikeln in Fachzeitschriften hat er entnommen, dass es eigentlich einen Mangel an Fahrlehrern in Deutschland gebe. Mögliche Gründe dafür sieht der Firmenchef in der Bezahlung und in den Arbeitszeiten, die eben häufig abends, nachts und auch samstags liegen. „Einzelkämpfer wie mich wird es auf Dauer nicht mehr geben“, sagt er. Die Zukunft gehöre den großen Fahrschulen. „Insofern kann ich es auch verschmerzen, dass mein Sohn gesagt hat, er geht einen anderen Weg.“

Trotzdem ist Günther Kuhlbusch ein bisschen wehmütig zumute. „Wenn man die Arbeit so lange gemacht hat, sagt man nicht so einfach: Jetzt schließe ich zu und alles ist vergessen. Und ich steige bis heute immer noch gern in mein Auto und mache Ausbildung.“

Dass ihm das in den vergangenen Jahrzehnten bestens gelungen ist, darauf ist der 65-Jährige stolz: „Mindestens 90 Prozent der Fahrschüler haben die praktische Fahrprüfung bei uns im ersten Versuch bestanden.“ Und in all seinen Jahren als Fahrlehrer habe es nur einen einzigen Unfall gegeben, an dem die Schuldfrage zu Ungunsten der Fahrschule Kuhlbusch ausfiel.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Verkehr im Kreis

Alles Wichtige zu den Themen Autofahren, Straßen und Verkehr im Kreis Heidenheim lesen Sie hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Massiver Stau nach Unfall auf der Autobahn 7 bei Giengen

Zu massiven Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn 7 in Fahrtrichtung Nord kommt es derzeit zwischen der Raststätte Lonetal und der Abfahrt Giengen. weiter lesen