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Ein Möglichst enges Netz an Versorgungsleitungen

Das Konzept für die Nahwärmeversorgung ist nochmals überarbeitet worden. Für einen wirtschaftlichen und konkurrenzfähigen Betrieb muss die Genossenschaft ein möglichst enges Leitungsnetz knüpfen.

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Dass das Interesse an der geplanten Biogasanlage samt Nahwärmeversorgung für Teile Gussenstadts anhaltend groß ist, bewies am Donnerstagabend auch die gut gefüllte Turn- und Festhalle. Doch auch in den ausgefüllten Fragebögen schlägt sich das Interesse nieder. Wenn der Preis gegenüber herkömmlicher Wärmeversorgung stimme, sei ein Großteil der Befragten an der Nahwärmeversorgung interessiert, sagte Martin Lohrmann von der Firma Produr, die sich in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den Gründern der Energiegenossenschaft um die Details des Anlagenkonzepts bemüht hat.

In Gussenstadt, so Lohrmann, konkurriere man dabei mit dem relativ günstigen Erdgas, daher müsse die Nahwärmeversorgung „möglichst einfach strukturiert“ und vor allem in einem möglichst dicht belegten Netz ausgebaut werden, zumal 100 Meter Leitung rund 15 000 Euro kosten. Geplant wird derzeit mit gut isolierten Stahlleitungen, die eine Nutzungsdauer von mehr als 40 Jahren versprechen.

War ursprünglich geplant gewesen, die Wärmeversorgung bereits zur nächsten Heizperiode zu starten, sieht der aktualisierte Zeitplan einen Beginn für Oktober 2014 vor. So viel Zeit zur Entscheidung bleibt den Hausbesitzern allerdings nicht: Wer mit einem Anschluss ans Wärmenetz liebäugle, müsse sich in den nächsten Monaten entscheiden. Wenn die anzuschließenden Häuser feststehen, werde sich auch die endgültige Trassenführung herauskristallisieren. Die Turnhalle werde auf jeden Fall angefahren, alles andere sei „im Fluss“, so der Vorsitzende der Energiegenossenschaft Gussenstadt, Thomas Häcker. Auf etwa 70 bis 80 Anschlüsse hoffen die Verantwortlichen.

Eine, so Lohrmann, „kreative“ Lösung wurde auch für das Blockheizkraftwerk gefunden. War bislang geplant gewesen, das erzeugte Biogas in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Grundlast-Wärme zu verbrennen und die Mittel- und Spitzenlast über Hackschnitzel und Öl zu gewährleisten, wird nun mit zwei unterschiedlich großen Gasmotoren gerechnet. So soll im Sommer ein 220-Kilowatt-Motor Strom und Wärme erzeugen, in den Übergangsmonaten ein Aggregat mit 440 Kilowatt Leistung. Im Winter sollen beide Motoren laufen. Bei extremer Kälte soll zusätzlich ein Ölbrenner feuern.

Der Clou daran: Auf eine teure Holzhackschnitzelheizung könne, so Lohrmann, verzichtet werden, was die Investitionskosten senke. Zudem könne der Wärmebedarf ohne Steigerung der Substratmenge erzeugt werden, weil durch den Einsatz unterschiedlicher Motoren lediglich der Wärmeverlust gesenkt werden. Beim bisherigen Konzept wäre in den Sommermonaten viel unbenötigte Wärme erzeugt worden. Zudem soll die Gasproduktion genau gesteuert werden: Im Sommer wollen die Betreiber vor allem Gülle und Mist vergären lassen, während in den kalten Monaten verstärkt Mais oder Silage zum Einsatz kommen sollen, aus denen mehr Gas gewonnen werden könne. Thomas Häcker betonte jedoch erneut, es werde zu keinem „Substrat-Tourismus“ kommen, die Anlieferung werde auf Landwirte im Umkreis von sechs Kilometern beschränkt.

Wie Lohrmann erläuterte, ergeben sich im Vergleich zu modernen Gasbrennwertkesseln durch die Nahwärmenutzung im Moment zwar noch keine Kostenvorteile, bei Standardkesseln oder gar Ölheizungen führe die Nahwärme schon jetzt zu Vorteilen. Zudem sei mit steigenden Gas- und Ölpreisen zu rechnen, während bei der Biogasnutzung von eher stabiler Preisentwicklung auszugehen sei.

Wer sich für den Anschluss entscheide, trete mit mindestens fünf Anteilen a 500 Euro der Genossenschaft bei, für den technischen Umschluss sind zudem Kosten von etwa 2500 Euro zu erwarten. Für die Wärmeabnahme sind unterschiedliche Tarifmodelle vorgesehen.

Thomas Häcker betonte, er wolle die Anlage nicht losgelöst von den Bürgern sehen: „Es soll eine Anlage vom Ort für den Ort sein.“ Deshalb sollen auch alle Wärmenutzer Genossen werden und die künftige Entwicklung mitgestalten.

Zu Beginn des Abends hatte Thomas Ehrmann vom Anlagenbauer MT-Energie die Grundzüge der Biogasanlage erläutert. Demnach soll das Gas zu 70 Prozent aus Mist und Gülle gewonnen werden, der Rest aus Mais, Gras oder Ganzpflanzensilage. Jährlich könnten 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom gewonnen werden, genug für 1000 Haushalte. Zudem entstehe Wärme im rechnerischen Gegenwert von 240 000 Litern Heizöl.

Ende Mai soll nun erneut ein Infoabend stattfinden, dann vor allem für all jene, die sich konkret für den Anschluss ans Wärmenetz interessieren.

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