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Ein Besuch in der "Glaswerkstatt" von Sabine Wieland

Sie mag das Klare, das Transparente und liebt vor allem eines: Glas. Sabine Wieland hat sich in ihrem Eigenheim in der Hirschstraße 11 in Steinheim ihr Atelier eingerichtet. In der „Glaswerkstatt“, so der Name des kleinen Unternehmens, darf man ihr gerne über die Schulter schauen.

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Nämlich dann, wenn sie vor dem Zwei-Gas-Brenner sitzt und Perlen dreht. Zeit darf da keine Rolle spielen.
Um aus den farbigen Glasstangen ein Rund zu drehen, benötigt Sabine Wieland zwei Dinge: Das sind eine ruhige Hand und jede Menge Geduld. Wenn man der 47-Jährigen zuschaut, wie sie unermüdlich den Dorn dreht, glaubt man ihr gerne, wenn sie sagt: „Die Zeit, bis ein Schmuckstück fertig ist, darf ich gar nicht rechnen.“

Allein zur Herstellung einer einzigen floralen Perle mit Klarglasüberfang kalkuliert die Steinheimerin, die bis zur Geburt ihres Kindes als technische Zeichnerin arbeitete, etwa eine  Stunde ein. Wieland über Wieland: „Ein kreativer Mensch war ich schon von Kindes Beinen an. Meine Hände stehen nie still. Sobald ich mal ein paar Tage keine Glasperlen gedreht habe, fehlt mir etwas. Dann setze ich mich, wenn alles schläft, an den Brenner und lasse alles, was sich angestaut hat, raus.“ Mit dem „Glasperlenvirus“ wie Sabine Wieland es nennt, habe sie sich übrigens vor knapp zehn Jahren  infiziert.

Die Leidenschaft für das zerbrechliche Material spiegelt sich in der Hirschstraße 11 allüberall wider. „Glas fasziniert mich schon immer, was zur Folge hat, dass wir viele Gegenstände aus Glas angeschafft haben.“ Das fange bei den Türen an, setze sich fort im Mobiliar oder Geschirr, ende noch lange nicht beim Waschbecken und bei den Gartenobjekten.  Von den selbsthergestellten Perlen, die in jeder Schublade liegen, an jeder Tasche und  am Schulranzen von Tochter Lily baumeln, ganz zu schweigen. „Perlen finden bei uns immer ein Plätzchen.“

Ehemann Ralf Hörger toleriert die schon fast Sucht zu nennende Betätigung seiner Frau nicht nur, sondern bringt sich vielmehr geschickt und sinnvoll  ein. Der Maschinenschlosser fertigt für die Glasperlendreherin das Werkzeug an, verfeinert, was auf dem Markt für Kunsthandwerker angeboten wird und ermöglicht, „dass ich andere Effekte erzielen kann.“

Natürlich ist da auch der Austausch mit den Kollegen bei Workshops „bei denen man hie und da neue Kniffe lernt.“ Nicht außer Acht zu lassen sei die Teilnahme an Kunsthandwerkerausstellungen. „Da bekomme ich dann von anderen Kennern und Könnern ein Feedback.“ Und dann sind da noch die Perlenmachertreffen in Mannheim und Wertheim, bei denen die Künstler deren Meinung nach besten Ergebnisse präsentieren.  Treffend formuliert die Schwäbin: „Da hat dann jeder seinen Mercedes um den Hals hängen.“

Sabine Wieland, die noch bis 2006 ihre Erfüllung in der Aquarellmalerei fand (auch dies verrät der Lebensbereich der kleinen Familie) ist, wie sie erzählt, „im Netz über die Glasperlenherstellung gestolpert.“  Gründlich, wie sie ist, besorgte sie sich Fachliteratur, las aber auch historische Romane und erfuhr so, dass Glas im Venedig des 17. Jahrhunderts fast höher als Gold gehandelt wurde. Die Kunsthandwerkerin: „Die Herstellung war streng geheim. Darum  verbannte der Rat der Stadt die Glasbläser ja auch auf die total abgeschirmte Insel Murano.“

Nun hat das Glasperlendrehen wenig  mit dem Glasblasen gemein. Das benötigte Werkzeug ist relativ umfangreich. Neben einem Gasbrenner benötigt man einen Sauerstoffkonzentrator, Propangas, Vermiculit, in dem die Perlen, die bei 500 bis 1000 Grad aus den Glasstäben geformt werden, langsam abkühlen können, für größere Objekte und Figürliches ein Temperofen, um nur einen kleinen Teil  des Zubehörs zu nennen.
Besonders wichtig ist die Didymiumschutzbrille, die vor dem grauen Star schützt. „Im Mittelalter die klassische Krankheit der Glasperlenmacher“, erklärt die Kunsthandwerkerin.  Außerdem blende die Brille die gelben Farbanteile der Flamme aus.

In der „Glaswerkstatt“  gehören zu den persönlichen Favoriten von Sabine Wieland die floralen, transparenten, lupenreinen Perlen, die erst danach ihre Bestimmung finden: als Anhänger, als Kette, Armband oder Ohrring. „Manche Kunsthandwerker lieben dagegen das farbige Glas, wobei man wissen muss, welche Metalloxide sich darin befinden und wie die aufeinander reagieren. Mit diesem Wissen kann man Reaktionen verhindern, allerdings auch gewollt herbeiführen.“

Die 47-Jährige, die man mit ihren Objekten jedes Jahr auf Schloss Hohenstadt bei Abtsgmünd oder auf dem Rosenmarkt in Heidenheim antreffen  kann, zeigt ihre Arbeiten in bescheidenen Mengen in diversen Scheunen- und Blumenläden in ihrer Heimatgemeinde Steinheim und im benachbarten Zang.
Das Angebot wechselt meist  mit den Jahreszeiten. Im September sind's die Herzerln, die beim Oktoberfest zum Dirndl ausgeführt werden, in der Adventszeit putzige Engel, die in Zweigen sitzen, im Frühling haben die Erdbeeranhänger Hochsaison.

Sabine Wieland ist eine Detailverliebte, die erst zufrieden ist, „wenn die Harmonie der Farben und Formen für mich stimmig ist.“ Einen großen Wunsch hat die Glasperlendreherin seit langem: ein Besuch bei den Glasbläsern von Murano. Ergattern möchte die Steinheimerin im legendären Venedig eine der außergewöhnlichen Farben, „die zwar Fehlfarben sind, aber auch heute noch gehandelt werden wie  Gold“, schwärmt die 47-Jährige. „Es wäre einfach toll, wenn man an so einen Schatz kommen könnte.“

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