Partner der

Eichenprozessionsspinner: Gefährliche Raupen sorgen für Verwirrung

Wer ist eigentlich dafür zuständig, wenn man möglicherweise die gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners im eigenen Garten entdeckt? Ein Erfahrungsbericht.

|
Dieser Anblick schockte Johanna Brumbach aus Oberstotzingen gestern morgen in ihrem Garten. Der Verdacht: Eichenprozessionsspinner. Doch: Wer ist für die Beseitigung zuständig?  Foto: 

Johanna Brumbach aus Oberstotzingen ist empört und ratlos zugleich: Donnerstagmorgen entdeckte sie an zwei Eichen in ihrem Garten eine große Ansammlung brauner Raupen. Nach einer Internet-Recherche fiel ihr Verdacht auf den gefährlichen Eichenprozessionsspinner.

Zunächst rief Johanna Brumbach dann bei der Stadt Niederstotzingen an und fragte, was zu tun sei. Schließlich können die Brennhaare der Raupen bei Körperkontakt leicht brechen und Atemwegsprobleme und Ausschläge verursachen und die Tiere müssen professionell beseitigt werden. Doch mit dem Anruf war es nicht getan.

Es habe an der Verständigung auf Schwäbisch, dann an der Freundlichkeit gehapert, kritisiert die aus Köln stammende Frau. „Die Antwort bei der Stadt war: Die Feuerwehr macht das nicht mehr, die entfernt auch keine Wespennester. Man konnte mir keine Adresse nennen, an die ich mich wenden kann. Dann wurde aufgelegt“, sagt sie.

Das Problem sei, dass die Bäume auf Privatgrund stünden. Somit liege die Zuständigkeit bei ihr selbst und nicht bei der Stadt. Ein paar Telefonate später wurde ihr von Seiten des Landratsamts geraten, sich an ein privates Schädlingsbeseitigungsunternehmen zu wenden. Die Kosten für den Einsatz von rund 1000 Euro müsse sie selbst tragen. „Ich habe dann erzählt, dass wir in der Nähe des Kindergartens wohnen und die Kleinen bei Ausflügen oft an unserem Haus vorbeikommen und am Zaun stehen, um unsere Schildkröten im Garten zu betrachten. Da wurde ich darauf hingewiesen, deshalb Warnschilder aufzustellen. Und mir wurde gesagt, ich selbst sei in der Verantwortung, wenn jemandem etwas passiert“, sagt Brumbach.

„Nach einem Anruf beim Landratsamt kam immerhin jemand von der Stadtverwaltung, der sich die Bäume angesehen hat. Kurze Zeit später wollte sich ein Feuerwehrkommandant die Tiere ansehen, weil er noch nie so ein Nest gesehen habe. Dann sind sie einfach wieder gegangen“, so die Oberstotzingerin empört. In ihrer Not rief sie auch bei der Feuerwehr Heidenheim an, die auf die Zuständigkeit der Kollegen in Niederstotzingen verwies. Und Johanna Brumbach saß weiter ratlos daheim.

„Mein Mann und ich wollten uns dann einen Schutzanzug im Baumarkt kaufen und die Tiere selbst mit dem Bunsenbrenner beseitigen, aber die Baumärkte in Günzburg in Bayern hatten wegen des Feiertags geschlossen“, berichtet die Frau. „Uns wurde gesagt, wenn es regnet, würden die Tiere vom Baum fallen und die Stacheln könnten im Gras noch jahrelang eine Verletzungsgefahr darstellen, also war uns klar: Wir müssen schnell handeln.“

Hans-Ulrich Hagmeier vom Landratsamt warnt Privatpersonen davor, den Eichenprozessionsspinner selbst zu beseitigen. Obendrein sei Verbrennen die falsche Methode: „Dadurch werden die Brennhaare erst recht aufgewirbelt. Ein Fachmann saugt die Tiere mit einem Vakuumsauger ein“, erklärt Hagmeier, Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau im Kreis Heidenheim. Es würde kein Weg drum herumführen, auf eigene Kosten einen Fachmann zu rufen.

„Mir geht es nicht ums Geld, die Viecher müssen weg, sie sind gefährlich. Aber es geht ums Prinzip. Es kann nicht sein, dass mir keiner helfen kann“, klagt Johanna Brumbach. Gestern morgen habe ihr die Stadt keine Adresse für einen Beseitigungsdienst nennen können. „Die Sache ist meldepflichtig, da gehe ich davon aus, dass mir die Stadt weiterhelfen kann.“

Daniel Salemi, Niederstotzinger Hauptamtsleiter, erklärt die Sachlage aus Sicht der Stadt. „Man hat Frau Brumbach auf ein Unternehmen verwiesen, das die Tiere beseitigen kann. Es hat sich herausgestellt, dass die Frau etwas informationsresistent war. Mehr kann die Stadt aber nicht machen. Die Feuerwehr hat nicht die richtige Ausrüstung für so einen Einsatz. Es verhält sich ähnlich, wie wenn auf Ihrem Grundstück ein Baum umzufallen droht: Da kommt auch kein Gutachter von der Stadt, sondern da müssen Sie eine Firma aus den Gelben Seiten anrufen. Sie sind selbst für Ihr Grundstück verantwortlich – Eigentum verpflichtet. Wir können Frau Brumbachs Lage ja gar nicht einschätzen, wir sind keine biologischen Gutachter“, sagt Salemi.

Dennoch sei die Stadt dankbar, wenn man den Befall melde. „Die Tiere können ja auf andere Bäume wandern, wenn es auch in diesem Gebiet keine anderen Eichen gibt“, so Salemi.

Kurz vor Redaktionsschluss besuchte gestern ein Mitarbeiter des Landratsamtes die Oberstotzinger Familie. Dieser habe die Tiere eindeutig als Eichenprozessionsspinner identifiziert, so Johanna Brumbach. Familie Brumbach hat daraufhin sofort mit einem Heidenheimer Schädlingsvernichter Kontakt aufgenommen. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, diese Tiere direkt vor der Haustüre zu haben. Ich bekomme am Montag Besuch von Kindern, da wollen wir uns im Garten aufhalten“, sagt Johanna Brumbach.

Zuvor musste aber noch der Vermieter angerufen werden, denn das Grundstück gehört dem Paar nicht. „Wir müssen erst abklären, ob die Bäume dann stehen bleiben können oder ganz gefällt werden müssen. Das wissen wir alles noch nicht.“

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Heilig Abend: Menschen aller Kulturen zum Essen und Feiern eingeladen

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Hüseyin Perktas lässt sich das nicht zweimal sagen: Einmal mehr betätigt sich der Heidenheimer Unternehmer als Türöffner und lädt Menschen aller Nationalitäten, Kulturen und sozialer Schichten am 24. Dezember ein, gemeinsam Heilig Abend zu feiern. Mit Essen und Trinken, „so viel Sie wollen“. weiter lesen

231RY