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Die Müll-Verdrängung: Wen interessiert noch Atommüll?

Der Weg zu einem Endlager ist noch weit. Geht derweil das Interesse am Atommüll verloren? Ja, fürchtet Dr. Wolfram König, der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz. Diese Woche sprach er vor Atomkritikern aus der Region. Auch das Ziwschenlager am AKW Gundremmingen war Thema.

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  • Dr. Wolfram König, Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz sprach in Dillingen über die Probleme bei der Suche nach einem Endlagerstandort. 1/4
    Dr. Wolfram König, Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz sprach in Dillingen über die Probleme bei der Suche nach einem Endlagerstandort. Foto: 
  • Das Standort-eigene Zwischenlager (SZL) in Gundremmingen befindet sich in Sichtweite zu den Reaktoren. Darin lagern Stand Juli 2016 bereits 45 befüllte Castoren. Rund 180 sollen es einmal werden. 2/4
    Das Standort-eigene Zwischenlager (SZL) in Gundremmingen befindet sich in Sichtweite zu den Reaktoren. Darin lagern Stand Juli 2016 bereits 45 befüllte Castoren. Rund 180 sollen es einmal werden. Foto: 
  • Im Inneren einer Lagerhalle auf dem Gelände des AKW Gundremmingen, die baulich einer regulären Industrielagerhalle gleicht, stehen aktuell mehr als 300 Stahlfässer mit schwach radioaktiven Abfällen. Um die Fässer zu den Seiten hin abzuschirmen, wurden Betonmauern in die Halle eingebaut. 3/4
    Im Inneren einer Lagerhalle auf dem Gelände des AKW Gundremmingen, die baulich einer regulären Industrielagerhalle gleicht, stehen aktuell mehr als 300 Stahlfässer mit schwach radioaktiven Abfällen. Um die Fässer zu den Seiten hin abzuschirmen, wurden Betonmauern in die Halle eingebaut. Foto: 
  • Atommüll auf Rädern: Etwa 20 Transporte wie dieser verlassen das AKW Gundremmingen jährlich in Richtung Zwischenlager in Mitterteich. Geladen haben sie entweder einen MOSAIK-Behälter mit stärker strahlendem Material oder einen quadratischen Strahlenschutzcontainer, in dem wiederum 26 Stahlfässer liegen, die schwach radioaktiven Müll enthalten. 4/4
    Atommüll auf Rädern: Etwa 20 Transporte wie dieser verlassen das AKW Gundremmingen jährlich in Richtung Zwischenlager in Mitterteich. Geladen haben sie entweder einen MOSAIK-Behälter mit stärker strahlendem Material oder einen quadratischen Strahlenschutzcontainer, in dem wiederum 26 Stahlfässer liegen, die schwach radioaktiven Müll enthalten. Foto: 
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Das Problem ist ein großes – schon rein mengenmäßig: rund 650 000 Kubikmeter radioaktiven Müll gilt es nach dem Ende des Atomstromzeitalters in Deutschland zu entsorgen. Allein in Gundremmingen werden 180 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven, ausgedienten Brennelementen anfallen. Hinzu kommen 17 000 Kubikmeter schwach und mittel radioaktive Abfälle.

Dass für sämtlichen Müll, wie ursprünglich beim Atomausstieg vorgesehen, bis Mitte des Jahrhunderts ein Endlagerstandort gefunden wird, hält Wolfram König für „sehr optimistisch“. Und König ist einer, der die Materie kennt. Denn König ist nicht nur seit 1999 Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Neu dazu gekommen ist seit kurzem ein weiteres Amt: König ist obendrein Chef des jüngst gegründeten Bundesamtes für die kerntechnische Entsorgungssicherheit und damit verantwortlich für sämtliche deutsche Endlagervorhaben.

Auf Einladung der Initiativen „Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager“ sowie des „Bündnis Atommüllager Nordschwaben“ sprach er nun in Dillingen über die Endlagerproblematik. Und klar wurde dabei: Neben den technischen und geologischen Herausforderungen, die es auf der Suche nach einem Standort zu bewältigen gibt, wird ein weiteres Problem an Dringlichkeit gewinnen – das abnehmende öffentliche Interesse am Atommüll. So jedenfalls schätzt es König ein. Hinweise darauf beobachte er seit Jahren. Zuletzt im Nachgang des Abschlussberichts der Endlagerkommission des Bundestags.

Nachdem diese im Juli ihren Bericht vorgelegt hatte, habe nur eine geringe Zahl an Personen und Organisationen von ihrem Recht gebrauch gemacht, Stellung zu nehmen. „Erst wenn diese Dinge konkret werden, regt sich das öffentliche Interesse, vor allem natürlich in betroffenen Gemeinden“, so König. Darüber hinaus stelle er in weiten Teilen der Bürgerschaft die Einstellung fest, man halte die Sache für „vom Tisch“. Und selbst im Bundestag sei die Thematik bei den jüngsten Haushaltsberatungen nicht einmal gestreift worden.

„Da klaffen die vorherrschende Wahrnehmung und die tatsächlichen Probleme und Risiken drastisch auseinander“, so König. Allein die Schwierigkeiten, die bislang bei der Lagerungsplanung und der Lagerung von Atommüll aufgetaucht seien, besonders in der Asse und in Gorleben, zeigen seiner Auffassung nach, wie viele offene Punkte es zu lösen gilt.

Angefangen bei der Frage, ob es bis zur Eröffnung eines Endlagers sinnvoller ist, weiter wie bisher, zahlreiche dezentrale Zwischenlager zu betreiben oder einige wenige zentralisierte. Hinzu komme, dass es sich bei der großen Menge an Atommüll um unterschiedlich beschaffene Arten von Abfall handele, die jeweils unterschiedliche Handhabungen und Verpackungen erfordern. Denn von schwach strahlendem Material bis hin zu hoch radioaktiven, abgebrannten Brennstäben, gelte es für alle Hinterlassenschaften die optimale Lagerung zu sichern und das im besten Fall ohne permanente Überwachung, so König.

Also den Atommüll in einem geeigneten Bergwerk eines Tages mehr oder minder sich selbst überlassen? Angesichts der Lagerungs-Zeitspannen, über die man hierbei spreche, und des möglicherweise dann nicht mehr vorhandenen Wissens oder Bewusstseins um die Gefahren, ist das für den Strahlenschützer tatsächlich die beste Option.

Keine Option indes stellt für König der Export des Strahlenmülls ins Ausland dar, obwohl es entsprechende Anfragen gebe. Keine Option nicht nur deswegen, weil es ohnehin gesetzlich untersagt sei, sondern weil damit verbunden auch ethische Fragen der Verantwortung seien – und obendrein die fehlende Gewissheit, was anschließend oder in ferner Zukunft mit dem radioaktiven Müll geschehe.

Antworten auf die Fragen des Publikums, die sich vor allem auf das Zwischenlager in Gundremmingen, dessen Sicherheit und mögliche Betriebsdauer bezogen, vermochte König zwar kaum zu geben – weil er bzw. seine Behörde nicht direkt zuständig seien. Auch blieb er Antworten schuldig, wie auf dem für die Öffentlichkeit nur schwer zugänglichen Bereich der Reaktorsicherheit und Entsorgung mehr Bürgerinteresse zu wecken sei.

Eine klare Ansage machte er jedoch in einem anderen Punkt: Es werde deutlich länger als die 56 Jahre dauern, die es in Deutschland bis jetzt Atomkraft gebe, bis die Nachwirkungen dieser Ära beseitigt sind. Und die Verantwortung für den Müll wird beim Bund liegen – und nicht bei den Verursachern, den privatwirtschaftlichen Energiekonzernen.


Weitere Artikel zum Thema unter www.hz-online.de/atomkraft
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