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Höchster und tiefster Punkt: Wo liegen die Extreme im Kreis Heidenheim?

Wo liegt die höchste und wo die tiefste Stelle im Landkreis Heidenheim? Die Suche führt mitten in den Wald und nah an die Landesgrenze.

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Links sind Bäume, rechts sind Bäume, vorn ein Baum und hinten auch. Blick nach oben: ein Stück Himmel. Blick nach unten: Klee und Farn und Tannennadeln. Nichts als Klee und Farn und Tannennadeln. Und Bäume und Himmel.

Der höchste Punkt im Kreis Heidenheim liegt tief im Wald. Im sogenannten „Zigeunerwald“ in der Nähe von Gnannenweiler. Hier zogen einst Zigeuner die zollfreien Waldwege durchs wilde Niemandsland den öffentlichen, gebührenpflichtigen Straßen vor. Gnannenweiler ist ein Winzling, kleiner als ein Dorf, größer als eine Einzelsiedlung, aber im Kreis Heidenheim dennoch herausragend. Gerade einmal 60 Menschen leben hier, aber gleich um die Ecke des beschaulichen Weilers, zwei Kilometer nördlich, liegt der höchste Punkt der Gegend, quasi der Mount Everest vom Landkreis Heidenheim.

719,5 Meter hoch liegt dieser Punkt – direkt an der Grenze zum Nachbarkreis Ostalb. So zumindest hat es das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung in Karlsruhe vermessen. Die korrekte Höhe, so Referatsleiter Manfred Gültlinger aus der Abteilung Fernerkundung, wurde aus einem digitalen Geländemodell ermittelt.

Märchenhaftes, wildes Stück Wald

Wenn es einen Ort gibt, wo Fuchs und Hase sich „Gute Nacht“ sagen, dann hier. Hier ist nichts als beinahe unberührte Natur. Schon in einer „Beschreibung des Oberamts Heidenheim, herausgegeben vom königlich statistisch-topographischen Büreau“, wird anno 1843 diese höchste Stelle im Landkreis erwähnt. „Die Luft ist auf den Höhen scharf und kalt, in den Niederungen häufig neblicht und feucht“, so steht es geschrieben. „Frühlingsfröste und Reifen sind an der Tagesordnung.“

Ginge es nur um die größte Höhe, dann würden sicherlich Gnannenweilers weithin sichtbare Windkrafträder das Rennen um den Spitzenplatz machen. Sie ragen mehr als 98 Meter auf. Rein topografisch aber siegt das idyllische Plätzchen inmitten des Waldes.

Geotope und Hülben

Rund um diese, im wahrsten Sinne, herausragende Stelle tummeln sich diverse, als Naturdenkmal geschützte Geotope, 76 an der Zahl. Dazu gehört beispielsweise der Erdfall im Zigeunerwald, eine „große, gut ausgebildete Trichterdoline im Weißen Jura, 40 Meter breit und fünf Meter tief“ – so beschreibt es die Landesanstalt für Umweltschutz in Baden-Württemberg. Oder die vielen Hülen (oder Hülben) – schlicht Teiche. Besonders malerisch sind die Tümpel rund ums alte Forsthaus Bibersohl. Oder südlich davon das Wentalweible, ein sagenumwobener Fels. Eine geizige, hartherzige Krämerfrau aus Steinheim soll einst in ein heftiges Gewitter geraten sein. Gerechte Strafe? Der Blitz hat sie jedenfalls getroffen und in Stein verwandelt.

Nicht nur Zigeuner oder böse Frauen gab's rund um den höchsten Geländepunkt – viele, viele Jahre vor ihnen trieben sich hier erst die Kelten und dann die Alemannen herum. Diverse Grabhügel zeugen noch heute davon.

Gräber, beziehungsweise Grabhügel, gibt es auch reichlich rund um Brenz. Relikte aus den Zeiten, als Kelten und Alemannen hier siedelten. Eine württembergisch-bayerische Grenze gab es damals sicherlich nicht. Und das Bewusstsein um die Möglichkeit zentimetergenauer, topografischer Vermessung der Erdoberfläche dürfte auch noch nicht sonderlich ausgeprägt gewesen sein.

Nichtsdestotrotz ist direkt am Ortsrand zwischen Brenz und Bächingen ein echter Spitzenreiter zu finden, ebenso unauffällig wie sein Pendant im wilden Zigeunerwald. Hier, wo die Brenz das Bundesland Baden-Württemberg verlässt, liegt der tiefste Punkt im Landkreis Heidenheim. 436,6 Meter über Normalnull ist dieser Punkt tief.

Auch dieses Fleckchen, gerademal 31 Kilometer Luftlinie vom höchsten Punkt entfernt, liegt recht idyllisch – seitlich Bäume, vorne auch, ein paar Felder und: ein riesiger Parkplatz. Der gehört zum Spannzeughersteller Röhm.

Kein Schild weist auf diese Stelle hin, und so mancher in der 1100-Seelen-Gemeinde hat keine Ahnung von der „tiefen“ Bedeutung dieser Stelle im Landkreis Heidenheim.

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