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Dettinger Familie Mailänder wagt "Auswanderung light"

Im Ausland leben ja, aber nicht für immer. Dafür haben sich auch Heike und Christian Mailänder entschieden. Zu zweit haben die beiden 2012 ihr Holzhaus in Südschweden bezogen. Mittlerweile sind sie zu viert. Emil und Ida sind beide in Schweden geboren.

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Seit zweieinhalb Jahren wohnt Familie Mailänder in Oskarshamn. Die Anzahl der Familienmitglieder hat sich in dieser Zeit verdoppelt.

Acht Wochen alt und schon einen Zweitwohnsitz. Die kleine Ida kam am 6. Juni in Västervik zur Welt und steht damit im schwedischen Geburtenregister. Gemeldet ist sie allerdings in Dettingen – bei den Großeltern.

Idas Eltern – Christian und Heike Mailänder – leben seit gut zweieinhalb Jahren in Oskarshamn an der Ostküste Südschwedens. Zunächst war Christian Mailänder allein vor Ort. Es folgte der gesamte Hausstand und wenige Wochen später seine Frau Heike, damals hochschwanger. Bis zum errechneten Geburtstermin waren es nur sieben Wochen. „Die Entscheidung, nach Schweden zu gehen, stand fest, bevor ich schwanger wurde“, erklärt Heike Mailänder. „Wir haben kurz überlegt, das abzublasen, aber schnell war klar: Wir gehen trotzdem.“

Hochschwanger angekommen

Für immer wollte man der Heimat allerdings nicht den Rücken kehren. Christian Mailänder (38) ist Wirtschaftsingenieur und arbeitet für ein Energieunternehmen in Erlangen. Er wurde für den Zeitraum von zwei bis drei Jahren nach Schweden entsandt, um dort bei der Revision eines Atomkraftwerks mitzuarbeiten. Ein zu langer Zeitraum, um ihn allein zu verbringen, fand das Paar.

Schwedisch sprach Heike Mailänder bei ihrer Ankunft allerdings nicht. Die 34-jährige Architektin begann erst in Schweden einen Sprachkurs. Keine Angst, im Kreissaal die Hebamme nicht zu verstehen? „In Schweden sprechen alle sehr gut Englisch, egal wie alt die Leute sind“, sagt Heike Mailänder. Ein Grund für die guten Englischkenntnisse der Schweden sei das Fernsehen. Denn egal ob amerikanische Filme oder Serien – alles im läuft im Originalton mit Untertitel und wird nicht synchronisiert.

Da hätten wir schon einen Unterschied zwischen Deutschland und Schweden. Wo unterscheiden sich die Länder noch? Im World Happiness Report der UN liegen die Skandinavischen Länder immer in der Top Ten mit den glücklichsten Bewohnern – trotz kalter Winter und hoher Steuern. „Die Menschen hier sind schon anders – auf jeden Fall gelassener“, sagt Heike Mailänder. Eine Schwedin habe sie unlängst gefragt: „Kann es sein, dass die Deutschen nur fürs Arbeiten leben?“ Nach kurzem Überlegen stimmte sie ihr zu. „Es geht schon oft nur ums Geldverdienen.“ Anders in Schweden. „Man setzt die Prioritäten hier anders: An erster Stelle steht die Familie, dann kommen Hobbys und dann erst die Arbeit.“ Das bestätige auch ihr Mann: „Im Büro wird um 16 Uhr der Stift fallengelassen, auch wenn man noch mitten im Satz ist.“

Dass Schweden ein sehr familienfreundliches Land ist, sieht man auch an der Geburtenrate: Während in Deutschland jede Frau statistisch nur 1,39 Kinder bekommt sind es in Schweden fast zwei Kinder pro Frau. „Für Kinder ab einem Jahr hat man Anspruch auf einen Kindergartenplatz und den kriegt man auch sehr schnell“, sagt Heike Mailänder. Auffällig sei, dass „extrem viele Männer mit dem Kinderwagen unterwegs sind. Sie sind allein mit den Kindern auf Spielplätzen und in Krabbelgruppen. Das ist ganz anders als bei uns.“ Der schwedische Staat fördert auch genau das. Eltern haben zusammen ein Recht auf 480 Tage bezahlte Elternzeit, die sie untereinander aufteilen können. Jeder Partner muss mindestens 60 Tage in Anspruch nehmen, sonst verfallen diese. Wenn also nur die Mutter Elternzeit nimmt, sinkt das Kontingent auf 420 Tage. „Und die Elterntage kann man bis zum 8. Lebensjahr des Kindes nutzen“, sagt Heike Mailänder.

„Viele Männer mit Kinderwagen“

Emil und Ida, die Kinder der Mailänders, sind zwar in Schweden geboren, haben aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Dass die Namen der beiden schwedisch anmuten, war natürlich eine bewusste Entscheidung und eine Anlehnung an die Astrid-Lindgren-Welt. Besuchern aus Deutschland zeige man regelmäßig den Katthulthof, auf dem „Michel aus Lönneberga“ sein Unwesen trieb, erzählt Heike Mailänder. „Die wenigsten wissen, dass Michel nur in der Übersetzung so heißt. In der Geschichte von Astrid Lindgren heißt er Emil. Und Ida ist seine Schwester.“

Insgesamt fühle man sich wohl in Schweden. „Die Winter sind längst nicht so kalt wie man denkt“, sagt Heike Mailänder. „Am Anfang tut man sich wie in jedem neuen Land schwer mit Behördengängen und Anmeldeverfahren. Das war schon eine Aufgabe, aber das lässt sich bewältigen. Man braucht einfach Zeit, um sich einzugewöhnen.“

Eingewöhnt hat man sich, aber heimisch fühlt man sich dennoch nicht ganz. „Wir wollen auf jeden Fall wieder in die Heidenheimer Gegend ziehen“, sagt Heike Mailänder. „Wir bekommen zwar viel Besuch aus Deutschland, aber Familie und Freunde fehlen uns einfach.“ Der Plan: Anfang 2015 will man die Zelte in Schweden abbrechen und zurück in der alten Heimat sein.

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